05. März 2008 14:09

Stockerplatz möglich 

Österreich mit Chancen bei Robober-Fußball-EM

Gleichzeitig zur EURO 2008 im Juni findet in Österreich und der Schweiz eine eigene Fußball-Europameisterschaft für Roboter statt.

Österreich mit Chancen bei Robober-Fußball-EM
© DPA

Nach Meinung des Teamchefs hat Österreich bei der Fußball-Europameisterschaft "reelle Chancen auf einen Stockerlplatz". Dieser Ansicht ist jedenfalls Peter Kopacek, Professor an der Technischen Universität Wien und Coach des österreichischen Teams für die Europameisterschaft im Roboterfußball EUROBY, die parallel zur EURO 2008 vom 15. bis 17. Juni in Zürich und von 19. bis 22. Juni in Linz stattfindet.

Robo-Kicker samt wissenschaftlichen Betreuer-Teams aus neun Ländern treten in sieben verschiedenen Kategorien gegeneinander an, darunter auch in der spektakulären "Hurosot"-Klasse mit menschenähnlichen Robotern. Am Mittwoch wurde der Bewerb vor Journalisten in Wien präsentiert.

Künstliche Intelligenz
Mit Ausnahme der "Huros" sind die Robo-Fußballer würfelartige Konstruktionen, die von Computern ferngesteuert werden. Die Wissenschafter sind für die Konstruktion der Geräte und die Programme verantwortlich. Doch sobald der Anpfiff ertönt, übernimmt der Teamrechner das Kommando. 120 Mal pro Sekunde ortet eine Kamera die Positionen der eigenen und der gegnerischen "Spieler" sowie des Balls und übermittelt sie dem Rechner. Dieser muss dann völlig autonom blitzartig über den nächsten Spielzug entscheiden und das per Funk an seine Robos weitergeben, die mit Geschwindigkeiten von bis zu 3,5 Meter pro Sekunde über das Spielfeld flitzen. Die Spielkategorien unterscheiden sich durch die Größe der Roboter, etwa mit 7,5 Zentimeter Kantenlänge, die Spielerzahl pro Mannschaft (fünf oder elf), und die Größe des Spielfelds (zwischen vier und elf Quadratmeter).

Test für industrielle Anwendung
Beim Roboter-Fußball müssen die Disziplinen Mechatronik, Robotik, Softwaretechnologie und Künstliche Intelligenz zusammenspielen. Das passiert nicht nur aus Freude am Spiel bzw. Experiment, die Robo-Kicker sind eine "Testumgebung" für industrielle Anwendungen wie beispielsweise intelligente, mobile Roboter, die sich selbstständig in unbekannter Umgebung wie Fabrikshallen oder Krankenhäusern bewegen können. Einer solchen neuen Robotergeneration werden große Marktchancen eingeräumt.

Die Teams der EUROBY 2008 kommen aus Deutschland, England, Niederlande, Kosovo, Kroatien, Österreich, Russland, Slowenien und der Slowakei. Dazu kommen Gastteams aus Kanada, Südkorea, Taiwan und Singapur. Nach der Vorrunde in Zürich findet die Finalrunde von 19. bis 22. Juni in Linz statt. Veranstalter in Österreich sind die Fachhochschule Wels, die HTL Leonding, die Stadtwerkstatt und die Ars Electronica Linz, die wissenschaftliche Leitung liegt beim Institute of Handling Devices and Robotics (IHRT) der Technischen Universität Wien.

Eigene Fanmeile
Mit dem Alten Rathaus und der Kunstuniversität findet die EUROBY an zwei zentralen, direkt am Linzer Hauptplatz gelegenen Veranstaltungsorten statt. Wie beim "großen Bruder" EURO 2008 wird es auch bei den Robo-Kickern rund um die Spielstätten eine Fanmeile geben. Zudem bieten interaktive Performances und Workshops die Möglichkeit, sich dem Thema Robotik auf spielerische Weise zu nähern. Parallel zur EUROBY findet von 19. bis 21. Juni ein Symposium über neueste Entwicklungstrends auf dem Gebiet der mobilen, intelligenten Roboter statt.

"Schlagen unser Team"
Auch wenn Kopacek immer wieder - mit Augenzwinkern - prognostiziert, dass spätestens 2015 Roboter-Kicker die österreichische Nationalmannschaft schlagen werden, ist man bei der spektakulären "Hurosot"-Klasse noch weit weg von einem regulären Match, "da ist man froh, wenn sie in der Senkrechten bleiben". Die menschenähnlichen Roboter kämpfen deshalb mit Bewerben wie Elfmeter-Schießen, Hindernislauf oder "Lifting and Carrying" (immer mehr Gewichte müssen eingesammelt werden, wer zuletzt noch steht, hat gewonnen) gegeneinander. Ob der "Hurosot" der TU Wien, "Archie", bis zum Bewerb fertig wird, ist noch nicht klar, sagte Kopacek, derzeit existiert er nur von der Hüfte abwärts.




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