31. Mai 2008 16:33

Tolles Ergebnis 

Österreichische Ärzte erfanden neue Krebs-Therapie

Beim weltweit größten Krebskongress in Chicago konnte Österreichische Ärzte eine neue Therapie-Methode für Brustkrebs präsentieren.

Österreichische Ärzte erfanden neue Krebs-Therapie
© DPA

Erneut eine wichtige Entdeckung, die österreichische Wissenschafter in Sachen Brustkrebstherapie gemacht haben: Jahre nachdem Experten der Studiengruppe für Brust- und Dickdarmkrebs (ABCSG) bewiesen haben, dass bei Frauen mit einem Mammakarzinom eine Hormontherapie besser wirkt als die Chemotherapie, gibt es eine weitere Neuigkeit. So hat das Osteoporosemedikament Zoledronat offenbar eine deutliche Anti-Tumor-Wirkung. Für die ABCSG stellte am Samstag Michael Gnant von der Chirurgischen Universitätsklinik in Wien (AKH/MedUni Wien) die Studienergebnisse beim weltgrößten Krebskongress ASCO in Chicago vor. Die Rückfallhäufigkeit lässt sich damit um 36 Prozent senken.

Beginn 1999
"Begonnen hat es im Jahr 1999. Damals haben wir mit der ABCSG-Studie 5 zeigen können, dass bei Frauen mit Brustkrebs im Frühstadium, der Östrogen-Hormon-abhängig ist, eine antihormonelle Therapie besser wirkt als die herkömmliche Chemotherapie", sagte Gnant.

Erzielt wurde das, indem man die betroffenen Frauen durch die regelmäßige Einnahme des Medikaments Goserelin künstlich in den "Wechsel" brachte und zusätzlich drei Jahre mit dem Hormon-Rezeptor-Blocker Tamoxifen behandelte. Doch wenig später gab es die sogenannten Aromatase-Hemmer, welche die Produktion der weiblichen Geschlechtshormone noch stärker unterdrücken. Gleichzeitig entwickelte sich dadurch auch ein Osteoporoseproblem für manche Behandelte.

Der Wiener Chirurg: "Wir haben deshalb die nun in ihren Daten vollständig vorliegende Studie begonnen. An ihr nahmen rund 65 Zentren in ganz Österreich teil. Es ging erstens um die Frage, ob der Aromatasehemmer Anastrozol bei jungen Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium besser wirken würde als Tamoxifen. Gleichzeitig sollte überprüft werden, ob die zusätzliche Einnahme des Bisphosphanats Zoledronat eine Wirkung wirksam ist."

Fünf Jahre Beobachtungsdauer
1.803 Patientinnen wurden drei Jahre lang behandelt. Dies erfolgte in vier Gruppen: Ein Viertel der Patientinnen bekam Goserelin und Tamoxifen, ein weiteres Viertel Goserelin und Anastrozol. Unter den Tamoxifen- und den Anastrozol-Benutzerinnen erhielt jeweils die Hälfte zusätzlich noch das Bisphosphonat (Zoledronat als Infusion zweimal jährlich zu je vier Milligramm). Drei Jahre lang wurde behandelt, die Beobachtungsdauer betrug insgesamt durchschnittlich fünf Jahre.

Gnant über die Ergebnisse, die er als "einigermaßen spektakulär" bezeichnete: "Die Behandlung mit dem Aromatase-Hemmer ist für diese Frauen nicht besser als jene mit Tamoxifen. Aber, das Osteoporose-Medikament hat offenbar auch eine deutliche Anti-Tumor-Wirkung. Es kam zu einer um 36 Prozent niedrigeren Wiedererkrankungsrate. Das war statistisch hoch signifikant. Die Häufigkeit von Rezidiven (neuerliches Auftreten eines Karzinoms) an der Brust halbierte sich von 20 auf zehn Prozent. Das Auftreten eines Karzinoms an der anderen Brust verringerte sich in der Häufigkeit von zehn auf sechs Fälle. Auch die Häufigkeit von Fernmetastasen verringerte sich um rund 35 Prozent."

Anti-Tumor-Effekt
Dachte man ehemals, dass Bisphosphonate als klassische Osteoporose-Medikamente bei Krebskranken vor allem über die Verhinderung von Knochenmetastasen wirken würden, so sprechen die Ergebnisse der österreichischen Wissenschafter für einen anderen, zusätzlichen Anti-Tumor-Effekt. Michael Gnant: "Immerhin sank ja auch die Häufigkeit von Fernmetastasen, die in anderen Geweben entstehen können."

Insgesamt stieg die Rate der Frauen, die innerhalb von fünf Jahren keinen Rückfall erlitten, von 94 auf 98,2 Prozent. Das ist bei einer an sich bereits guten Ausgangssituation ein natürlich noch viel exzellenteres Ergebnis. Gnant: "Auch die Gesamt-Überlebensrate erhöhte sich, allerdings war das wegen der insgesamt wenigen Todesfälle in der Studie statistisch nicht signifikant."

Die Studie wurde in den USA und international sofort von den Medien aufgegriffen. In den Vereinigten Staaten gehört eine nebenwirkungsreichere Chemotherapie quasi zum Standard der Brustkrebsbehandlung. In Europa wird hier - auch dank der österreichischen Studienergebnisse - differenzierter behandelt. Eine antihormonelle Therapie unter gleichzeitiger Verwendung von Bisphosphonaten hat deutlich weniger Nebenwirkungen.




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