14. November 2007 12:59

"Make love, not war" 

Österreichische Ameisen leben friedlicher

Eine Studie hat ergeben, dass die neu endeckte Ameisenart Lasius austriacus auf Aggression verzichtet. So leben alle besser miteinander.

Österreichische Ameisen leben friedlicher
© Wikipedia

Ganz nach dem Motto der Hippie-Generation "make love, not war" lebt eine erst 2002 in Niederösterreich entdeckte Ameisenart mit dem Namen Lasius austriacus. Die Tiere verzichten auf die sonst übliche Aggression gegenüber Artgenossen aus fremden Kolonien und leben offensichtlich ganz gut damit, fanden die beiden Molekularökologen Birgit Schlick-Steiner und Florian Steiner von der Universität für Bodenkultur (Boku) heraus. Die Arbeiten wurden in der Zeitschrift "Current Biology" veröffentlicht.

Normalerweise Eindringlinge nicht willkommen
So friedlich und gut organisiert Ameisen mit ihren Kollegen in der eigenen Kolonie auskommen, so unerbittlich werden Eindringlinge - auch von der gleichen Art, aber einer fremden Kolonie - bekämpft. Der Antrieb hinter diesem Verhalten ist laut Evolutionsforschern die Förderung der Weitergabe der eigenen Gene, im konkreten Fall über die Nachkommenschaft der - eigenen - Königin.

Superkolonien
Es gibt aber auch Ausnahmen. So können sich Ameisenstaaten zu Superkolonien zusammenschließen. Dabei schalten die Tiere gegenüber Fremden der eigenen Art auf Harmonie um. Teilweise durchmischen sich die Kolonien auch, weil die starren Grenzen gefallen sind. Superkolonien könne sich als Mega-Netzwerke über viele Kilometer erstrecken und ganze Lebensräume dominieren.

Friedliche Lasius austriacus
Bei Lasius austriacus ist die Sache wiederum anders gelagert. Es entstehen keine echten Superkolonien, die einzelnen Staaten bleiben weitgehend unter sich. Vertreter von anderen Kolonien werden zwar als fremd erkannt, bleiben aber völlig unbehelligt. Die Wissenschafter vermuten, dass die Lebensweise der Ameisen für die fehlende Aggression verantwortlich ist. Die Kolonien brauchen nicht um Nahrung zu kämpfen, sie praktizieren effektiv Viehhaltung: Sie züchten Pflanzensaft saugende Wurzelläuse, von deren zuckerhaltigen Ausscheidungen - genannt Honigtau - sie sich ernähren.

Die Kolonien von Lasius austriacus leben unterirdisch und wurden bisher nur einigen wenigen Plätzen mit heiß-trockenem Klima Niederösterreichs und grenznaher Gebiete Tschechiens gefunden. Die Tiere sind drei Millimeter groß.

Auch für Spieltheoretiker interessant
Der Verlust von aggressivem Verhalten ist nicht nur für die Zoologen interessant. Etwa Evolutionsforscher und Spieltheoretiker rätseln seit langem, wieso Menschen über weite Strecken doch erstaunlich friedlich sind, obwohl aggressives, selbstsüchtiges Verhalten kurzfristig mehr Vorteile bringen kann.




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