11. August 2008 14:42

Richtigstellung 

Ötzi war doch kein Räuber

Vor fünf Jahren behaupteten Forscher, dass an Ötzis Beil das Blut seiner Feinde klebe. Jetzt dementiert ein Bozener Experte.

Ötzi war doch kein Räuber
© APA

Die vor wenigen Jahren kolportierten "Raubersg'schichten" um den Gletschermann Ötzi relativiert nun Albert Zink vom Bozener "Institut für Mumien und den Iceman". So hatte es aufsehenerregende Berichte über Menschenblut am Steindolch und am Kupferbeil des Eismanns gegeben.

Nicht bestätigt
Nun rückt Zink die vermeintliche Sensation zurecht: "Was da so medienwirksam und populärwissenschaftlich der Welt mitgeteilt worden ist, wird von unseren Befunden bisher nicht bestätigt." Die Untersuchungen seines Instituts an Ötzis Waffen hätten nur geringe Spuren von Blut an einem Schaft ans Tageslicht gebracht, diese könnten zudem auch von Tieren stammen.

Archäologen der australischen Universität Brisbane hatten vor fünf Jahren mit einer gruselig anmutenden Geschichte Schlagzeilen gemacht. Laut ihrer Gen-Analyse klebte an der Axt des Gletschermanns noch das Blut seiner Feinde. Auch am Köcher des Toten fänden sich Reste fremden Blutes. "Ötzi hatte ganz offensichtlich einen Kampf und wurde dann (von einem Pfeil) in den Rücken getroffen", berichtete Archäologe Tom Loy damals. Auch Ötzis Wunden an den Händen deuteten auf Gewalt hin.

Umstrittene Untersuchungen
"Diese australischen Untersuchungen sind sehr umstritten und nie wissenschaftlich belegt worden", hält Mumienforscher Zink dagegen. Tatsächlich habe Loy seine Behauptung niemals in einer wissenschaftlichen Publikation belegen können, ergänzte er in einem Interview mit dem Magazin "P.M. History".

Gerichtsmedizinische Tests unter anderem zum Hämoglobin-Nachweis haben nach Zinks Worten "Blut auf Ötzis Fellmantel festgestellt, wobei wir davon ausgehen, dass es sein eigenes ist." Das eigens zur Ötzi-Forschung gegründete Institut untersucht weiter die Wunden des Eismanns und seine Hämatome, will die Todesursache und Blutgruppe des Mannes aus dem Eis genau bestimmen und zum wichtigsten Schlüssel - der Kern-DNA - vorstoßen. "Dann sollten wir klarer sehen", so Zink.

"Aufräumen mit allem, was an Halbwahrheiten so herumschwirrt", das ist das Ziel des Institutsleiters. So wurde häufig spekuliert, dem alpinen Eismann sei es gesundheitlich schlecht gegangen. Doch die "Abnutzungserscheinungen an seinem Körper sind Merkmale eines aktiven Lebens in den Alpen", berichtet Zink: "Sein körperlicher Zustand war gut, er war durchtrainiert für den Alltag der Berge." Die Annahme, die Tätowierungen an Ötzi glichen einer therapeutischen Akupunktur, ist laut Zink auch noch nicht bestätigt: "Sie könnten auch rituelle Hintergründe haben." So bleiben Fragen über Fragen.

Älteste Gletschermumie der Welt
Immerhin ist der international nur "Iceman" genannte Ötzi mit 5.300 Jahren die älteste bekannte Gletschermumie der Welt. Hinterrücks von einem Pfeil erschossen, starb der alpine Jäger zu Beginn der Kupferzeit auf etwa 3.210 Metern Höhe am Alpenübergang Tisenjoch, also unweit der heutigen italienisch-österreichischen Grenze. Erst 1991 gab ihn der Gletscher samt der Ausrüstung wieder frei. Das ermöglicht tiefe Einblicke in das Leben eines Menschen in der Jungsteinzeit. Sein "Objekt der Begierde" hat Zink ganz in der Nähe: "Ötzi liegt nur fünf Minuten zu Fuß vom Institut entfernt, in der 1998 für ihn konstruierten Kühlzelle des Archäologiemuseums."




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