12. Juni 2008 14:31

Reisediarrhoe 

Pflaster-Impfstoff gegen "Montezumas Rache"

Möglicherweise gibt es bald einen Impfstoff gegen Reisediarrhoe. Die Studie ist zwar nicht abgeschlossen, aber es gibt erste positive Trends.

Pflaster-Impfstoff gegen "Montezumas Rache"
© www.sxc.hu

Durchaus möglich, aber noch nicht bewiesen, dass es in einigen Jahren eine Impfung gegen die Reisedarrhoe durch E. coli-Infektionen gibt. Ein vom US-Unternehmen Iomai - es wird vom Wiener Pharmkonzern Intercell übernommen - entwickeltes Impfstoffpflaster hat in einer kleinen Studie einen Hinweis auf Wirksamkeit erbracht. Die Untersuchung wurde am Donnerstag online von der angesehenen britischen Medizin-Facheitschrift "The Lancet" publiziert.

Reisediarrhoe
Der Terminus "Reisediarrhoe" als Folge einer E. coli-Infektion ist ein Privileg, das die Menschen in den Industrieländern betrifft. In den Staaten der Dritten und Vierten Welt erkranken pro Jahr 210 Millionen Kinder, etwa 350.000 sterben infolge dieser bakteriellen Darmerkrankung - vor allem am massiven Flüssigkeits- und Elektrolytverlust. Während eine Impfung gegen E. coli-Stämme (ETEC), die im Darm Toxine freisetzen, für Fernreisende angenehm wäre, wäre für die ortsansässige Bevölkerung ein zum Teil lebensrettender Segen.

Iomai ist es jedenfalls gelungen, das hitze-labile Toxin von ETEC-Bakterien in ein Pflaster zu verpacken, das die Antigene durch die Haut abgibt. Bei zwei Teilimpfungen muss ein solches Applikationssystem nur jeweils ein paar Stunden getragen werden.

In die Phase-II-Studie wurden 178 Probanden im Alter von 18 bis 64 Jahren aus den USA aufgenommen, die nach Mexiko oder nach Guatemala reisen wollten. 111 Personen erhielten Placebo-Pflaster ohne Antigene, 59 hingegen die echten Impf-Pflaster. Die beiden Teilimpfungen erfolgten drei bzw. eine Woche vor der Abreise.

Positive Richtung
Die Ergebnisse - es handelt sich allerdings noch nicht um eine echte Wirksamkeitsstudie, für die wesentlich mehr Probanden notwendig wären - zeigen in eine positive Richtung: Die Daten von 170 Testpersonen wurden analysiert. Von den 59 Probanden, welche die echten Pflaster bekommen hatten, erkrankten nur drei an ETEC-Infektionen, hingegen 24 (22 Prozent) der Placebo-Probanden.

Die Schutzrate gegen moderate bis schwere Diarrhoe wurde daraus auf rund 75 Prozent geschätzt, jene gegen schwere Durchfallerkrankungen auf 84 Prozent. Möglicherweise reduziert das Pflaster auch die Dauer einer Erkrankung.

Jetzt soll eine größere Studie in Mexiko und Guatemala selbst auf die Beine gestellt werden. Damit könnte dann wirklich bestimmt werden, wie hoch die Schutzrate ist.




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