05. Februar 2007 15:16

Italienische Studie 

Schmerzen entstehen im Kopf

Alleine die Vorstellung und Erwartung von Schmerzen lösen schon Schmerzen aus. Der verantwortliche Botenstoff im Gehirn ist entlarvt.

Schmerzen entstehen im Kopf

Die Empfindung starker Schmerzen entsteht zu einem guten Teil im Kopf. Allein schon die Erwartung, dass es gleich weh tut, treibt den Schmerzpegel in die Höhe. Italienische Forscher fanden nun heraus, welcher biochemische Mechanismus dahinter steckt und wie man in ihn eingreifen kann.

Aus Angst werden Schmerzen
Durch Zufall stießen die Wissenschaftler auf den Botenstoff im Gehirn, der aus Angst Schmerzen entstehen lässt. Bei Menschen mit Magen-Darm-Problemen entdeckten sie, dass ein bestimmtes Medikament nicht nur die Beschwerden, sondern auch Schmerzen linderte. Und das, obwohl von dem Medikament gar keine schmerzstillende Potenz bekannt war. Es handelte sich um ein Präparat, mit dem ein Darmhormon namens Cholezystokinin blockiert werden kann. Aber auch im Gehirn spielt Cholezystokinin eine gewichtige Rolle - und zwar als Botenstoff in der neuronalen Kommunikation.

Experiment an Universität Turin
Nun wollten es Fabrizio Benedetti von der Turiner Universität und seine Mitarbeiter ganz genau wissen. Sie suchten gesunde Freiwillige, die bereit waren, an einem Experiment teilzunehmen. Ihnen sollte der Unterarm abgebunden werden. Dann sollten sie die Faust ballen, sooft es geht. Es fanden sich schließlich 49 Leute, die mitmachten.

Erwartung von Schmerz vergrößern diesen
Darüber, dass diese Prozedur nach wenigen Minuten zu unerträglichen Schmerzen führt, klärten sie aber nicht alle Teilnehmer auf. Interessanterweise setzten der Schmerz bei denjenigen die ihn erwartet hatten viel früher ein und fiel auch stärker aus als bei den anderen, die keine Ahnung hatten. Das berichtete Benedetti jetzt im Fachblatt Journal of Neuroscience (2007, 26:12014-12022). Mehr noch: bekamen die Aufgeklärten das Medikament, das den Botenstoff Cholezystokinin im Gehirn hemmt, verharrten Eintritt und Ausmaß der Schmerzen auf dem Niveau der Kontrollgruppe der Ahnungslosen.

Weniger Schmerzen durch Blockade von Botenstoff
Die Aufdeckung dieser Zusammenhänge eröffnet nach Ansicht der Forscher neue Perspektiven in der Schmerztherapie. Zumindest der Anteil der Schmerzen, der allein aus Angst vor ihnen quasi hausgemacht ist, könnte durch die Blockade des Botenstoffes Cholezystokinin unterbunden werden.




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