03. März 2008 12:27

Erste Versuche 

Schonende Narkose dank Edelgas Xenon

Wissenschaftler in Kapstadt präsentierten eine neue, schonende Narkosemethode, die vor allem den schwächsten Patienten helfen soll.

Schonende Narkose dank Edelgas Xenon
© Reuters

Isofluran, Halothan und Propofol sind buchstäblich langgediente Substanzen, die zur Narkose bei Operationen verwendet werden. Doch sie haben auch negative Effekte auf das Herz-Kreislaufsystem und auf das Gehirn. Das rare Edelgas Xenon hat hingegen einen schützenden Effekt und narkotisiert ebenso gut. Im Tierversuch wirkt das, größere Studien am Menschen müssen folgen, erklärte der deutsche Experte Univ.-Prof. Dr. Robert Rossaint am Montag beim Welt-Anästhesie-Kongress in Kapstadt.

Vorallem Hilfe für Schwächere
Das Problem: Schwere Operationen treffen zumeist gerade die schwächsten Patienten. Das sind Hochbetagte mit zusätzlichen Herzproblemen oder auch mit (altersbedingten) Hirnleistungsstörungen. Und sie erholen sich von der Narkose trotz oft hervorragender Operationsergebnisse nur sehr langsam. Manchmal bleibt der Eindruck bestehen, dass mit dem Eingriff zwar das organische Problem behoben worden ist, aber beispielsweise das Gedächtnis anhaltend gelitten hat.

Auf der Suche nach einem Ausweg stießen die Anästhesiologen auf das Edelgas Xenon, das in einem auswendigen Verfahren aus der Luft gewonnen werden muss. Rossaint: "Im Vergleich zu Isofluran hat es keinen schädigenden Effekt auf die Durchblutung der Herzkranzgefäße, im Vergleich zu Halothan und Isofluran führt es auch nicht zu einem verstärkten Einfluss von schädigenden Calzium-Ionnen in die Herzmuskelzellen."

Erste, positive Studien
Xenon-Gas - man kann eine Mischung bis zu 70 Prozent Xenon und 30 Prozent Sauerstoff verwenden - hat bei 252 gesunden Probanden auch gezeigt, dass es keinen Einfluss auf den Blutdruck hat. Erste Studien an Patienten, die einen koronaren Bypass erhielten, waren positiv. Eine Narkose mit einem Gasanteil von 50 Prozent Xenon führte zu einer Abnahme der Troponin-Laborwerte, mit denen man die Schädigung bzw. das Absterben von Herzmuskelzellen messen kann.

In Tierversuchen zeigte sich, dass man künstlich hervorgerufene Schäden an Hirngewebe mit dem Edelgas verhindern bzw. reduzieren kann. Sogar Gedächtnis-Leistungstests wurden in Deutschland mit 27 Schweinen durchgeführt, bei denen für Minuten die Blutversorgung des Herzens - ganz wie bei einem plötzlichen Herzstillstand mit erfolgreicher Wiederbelegung - lahmgelegt worden war. Beatmete man sie mit einem Gemisch aus Sauerstoff und Xenon im Verhältnis zu 30 und 70 Prozent waren die Tiere im Vergleich zu einem Lachgas-Gemisch nach der Prozedur "geistig" viel besser. Das ließ sich sogar an Gehirngewebe-Proben sichtbar belegen.

Nicht für alle geeignet
Für den Menschen stehen allerdings solche Beobachtungen noch aus. Der deutsche Experte: "Xenon ist klarerweise nicht für alle Narkosen geeignet. Aber wenn wir jene Personen herausfiltern, die davon profitieren könnten, wäre das ein Fortschritt." Insbesondere für neurologisch oder herzmäßig vorgeschädigte Kranke könnte sich das Edelgas zu einer besseren Narkose-Alternative entwickeln. Rossaint: "Da brauchen wir aber noch Studien mit vielen Patienten."




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