08. Jänner 2009 14:32

Neue Erkenntnisse 

Schwarze Löcher existierten schon vor den Galaxien

Die im Zentrum der Galaxien liegenden Schwarzen Löcher sind offenbar älter als die sie umkreisenden Sterne, Planeten und Staubwolken.

Schwarze Löcher existierten schon vor den Galaxien
© APA

Diese These wird durch Messungen hochempfindlicher Großteleskope eines internationalen Forscherteams untermauert, das die Ergebnisse seiner Arbeit am Mittwoch (Ortszeit) bei einer Konferenz der American Astronomical Society im kalifornischen Long Beach vorstellte. "Es sieht so aus, als ob die Schwarzen Löcher zuerst entstanden sind", sagte Chris Carilli von der US-Organisation für Radioastronomie NRAO.

Die Wissenschafter, darunter auch Forscher des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie (MPIfR) in Bonn, untersuchten die erste Zeitphase von einer Milliarde Jahre nach Entstehung des Universums, dessen Alter auf 13,7 Milliarden Jahre geschätzt wird. Mit Hilfe hochempfindlicher Radioteleskope wie dem "Very Large Array" in den USA und dem Interferometer auf dem Plateau de Bure in den französischen Alpen erforschten sie die Entwicklung der Masse von Schwarzen Löchern und der sie umgebenden Galaxien. Deren Masseverhältnis beträgt unabhängig von der Größe der Galaxie nach bisherigen Erkenntnissen immer ein Tausendstel.

Den Forschern gelang es nun, die Masseverhältnisse mehrerer Galaxien und ihrer schwarzen Löcher in den jungen Jahren des Universums zu bestimmen. Die Messungen zeigten, dass das Verhältnis in dieser Zeit nicht konstant gewesen sei, sagte Fabian Walter vom Bonner MPIfR, ein Mitglied des Forscherteams. Die Masse der Schwarzen Löcher sei "sehr viel größer" gewesen. Dies bedeute, dass sie sich schon bildeten, bevor die Galaxien entstanden.

Die Forscher wollen nun herausfinden, wie genau sich Schwarze Löcher und Galaxien in der weiteren Entwicklung gegenseitig beeinflussen. Die für spätere Lebensphasen des Universums berechnete Massekonstante deute auf ein enges Wechselspiel hin, sagte Dominik Riechers vom kalifornischen Caltech-Institut, einer der Autoren der Arbeit. Bei der weiteren Forschung sollen Radioteleskope der neuen Generation zum Einsatz kommen, wie etwa das europäische "Atacama Large Millimeter/Submillimeter Array", das höchst gelegene Teleskop der Welt. Es liegt in der chilenischen Atacama-Wüste in über 5000 Metern Höhe.

Die sogenannte Millimeter- und Sub-Millimeter Astronomie untersucht das Universum in dem Spektralbereich, der traditionell von Radiowellen bis zum Infrarot reicht. Dieser Bereich ist für Messungen zur Struktur des frühen Universums sehr wichtig.




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