31. Juli 2008 15:42

20.000 km2 groß 

See auf Saturn-Mond Titan entdeckt

Die Raumsonde Cassini machte eine spannende Entdeckung. Auf dem Mond Titan konnte ein mit Ethan gefüllter See entdeckt werden.

See auf Saturn-Mond Titan entdeckt
© AP
See auf Saturn-Mond Titan entdeckt
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Mit Hilfe der Raumsonde Cassini haben Wissenschafter einen See von rund 20.000 Quadratkilometern Fläche auf dem Saturn-Mond Titan entdeckt. Neben der Erde sei somit der zweite Ort unseres Sonnensystems ausgemacht worden, auf dem es regnet und sich die Niederschläge in Flüssen und Seen sammeln, teilte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit. "Ebenso wurde herausgefunden, dass es auf Titan auch regnet und sich aus Niederschlägen Ströme bilden, die auf der Oberfläche fließen."

Oberflächensee auf Titan
Bei vielen Überflügen seien dunkle Flecken auf dem Titan entdeckt worden, bisher sei aber unklar gewesen, ob es sich um Flüssigkeit oder feste Materie handelte, erläuterte seinerseits Bob Brown von der Universität von Arizona, der am Cassini-Projekt mitarbeitet. Jetzt habe Cassini gezeigt, dass es sich um Ethan handle. "Das ist die erste Beobachtung, die klarstellt, dass Titan einen Oberflächensee hat, der mit Flüssigkeit gefüllt ist", sagte Brown über die Ergebnisse, die am Donnerstag in der Zeitschrift "Nature" veröffentlicht wurden.

See aus Ethan
Nach insgesamt 40 Titanvorbeiflügen seit der Ankunft von Cassini im Juni 2004 im Saturnsystem sei nun der Nachweis gelungen, dass es zwar keinen Ozean auf dem Titan gebe, aber doch Seen und einen Flüssigkeitskreislauf, teilte das DLR mit. Die Messungen seien eindeutig, erklärte Ralf Jaumann vom Berliner DLR-Institut für Planetenforschung. "Nahe dem Südpol des Titan haben wir einen See entdeckt, der mit flüssigem Ethan gefüllt ist: In dem See steht gewissermaßen flüssiges Erdgas."

Der entdeckte See habe eine Fläche von ungefähr 20.000 Quadratkilometern, teilte Brown mit. Das entspricht etwa der Fläche des Bundeslandes Rheinland-Pfalz. Demnach wurde der See auf dem Titan "Ontario Lacus" getauft, weil er von der Größe und dem Umriss her dem Ontariosee in der Nähe der Niagarafälle zwischen Kanada und den USA ähnelt.

Durch Infrarotlicht entdeckt
Die Wissenschafter entdeckten den See, indem sie mit einem Instrument der Cassini-Raumsonde die Oberfläche des Titan mit Infrarotlicht bestrahlten und aus den zurückgeworfenen Lichtstrahlen Schlüsse über die chemische Zusammensetzung zogen. Die Feststellung des Sees trotz der dichten Atmosphäre um den Saturn-Mond sowie der schlechten Lichtverhältnisse mittels des Cassini-Instruments nähre die Hoffnung auf weitere Entdeckungen von Gewässern, sagte der beteiligte US-Wissenschafter Larry Soderblom.

In einer zweiten Studie seien Täler auf der Oberfläche des Titan untersucht worden, teilte Jaumann mit. Diese Landschaft könne nur durch die Erosionswirkung einer Flüssigkeit entstanden sein. "Wir tendieren dazu, Niederschläge als die wahrscheinliche Quelle der Flüssigkeiten anzunehmen", sagte Jaumann. Die verzweigten Talsysteme erstreckten sich über weite Gebiete und seien nicht durch einzelne Quellen entstanden.

Zweitgrößter Mond im Sonnensystem
Der Titan ist mit einem Durchmesser von 5.150 Kilometern der zweitgrößte Mond im Sonnensystem. Die Gashülle des Mondes bestehe zu etwa 95 Prozent aus Stickstoff sowie aus Spuren von Methan und Ethan, erklärte die DLR. "Damit ähnelt sie der Erdatmosphäre zu einer Zeit, bevor diese sich vor Milliarden Jahren durch die Evolution des Lebens zu ändern begann." Der Titan sei damit ein "spannendes Labor", um Prozesse zu untersuchen, die vor drei bis vier Milliarden Jahre auf der Erde abliefen.

Eine Entwicklung hin zu Lebewesen wie auf der Erde erwarten die Experten jedoch nicht. "Weil wir näher an der Sonne sind, war es auf der Erde nie so kalt wie auf dem Titan", sagte Jaumann auf Anfrage. Auf der Oberfläche des Saturn-Mondes herrschen Temperaturen von 184 Grad unter Null.

Cassini war im Juli 2004 nach einer siebenjährigen Reise über 3,5 Milliarden Kilometer in eine Umlaufbahn um den Saturn eingeschwenkt. Die Raumsonde ist ein US-europäisches Gemeinschaftsprojekt von NASA und der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA.

Foto: (c) AP/NASA




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