27. Dezember 2008 09:56

Prosit Neujahr 

Silvester dauert heuer eine Sekunde länger

Mehr Zeit zum Feiern: Heuer ist die Silvesternacht eine Sekunde länger. Einziger Wehrmutstropfen: Es ist praktisch nicht zu spüren.

Silvester dauert heuer eine Sekunde länger
© APA

Weil die Erde manchmal "Zeit-Schluckauf" hat, dauert der Jahreswechsel heuer um eine Sekunde länger. Ein richtiger Glücksfall ist der zusätzliche Moment für die Menschen aber nicht wirklich: Als objektives Zeitmaß sei eine Schaltsekunde zwar messbar - in der subjektiven Wahrnehmung spiele sie aber keine große Rolle, erklärte Zeitforscher Franz Schweifer. "Es 'glückt' uns gar nicht oder kaum, diese Sekunde wahrzunehmen", so der Experte.

Drei Sekunden sind fassbar
"Die Erde dreht sich nicht immer gleich schnell und gerät in Widerspruch zur atomaren Zeitmessung. Deshalb brauchen wir hin und wieder eine Schaltsekunde", sagte Schweifer. Einen solchen Augenblick bekommen aber die wenigsten Menschen überhaupt zu fassen: "Was das Empfinden der Gegenwart betrifft, so scheinen Studien zu zeigen, dass der Mensch im Schnitt nur etwa eine Dauer von drei Sekunden als gegenwärtig zu begreifen imstande ist. Alles andere ist bereits vorbei, Vergangenheit."

Allerdings sei die subjektive Empfindung von Zeit extrem unterschiedlich und käme auch auf die jeweilige Situation an. So werde z. B. eine Sekunde wertvoller sein für einen Schwerverletzten, der auf den Notarzt wartet oder eine Millisekunde für einen Olympioniken, der wegen genau einer solchen Zweiter geworden ist, als für andere Menschen.

"Mini-Jetlag"
Eine chronobiologische Relevanz habe der zusätzliche Augenblick zu Silvester jedenfalls keine - im Gegensatz zur Umstellung auf Sommerzeit, berichtete Schweifer. Letztere könne einen "Mini-Jetlag" auslösen und laut Wissenschafter für mehr Unfälle als sonst in den ersten Tagen nach der Umstellung sorgen. Die "Zeit-Draufgabe" zum Jahreswechsel macht aber trotzdem so manchem Experten Sorge: Fachkreise befürchten, dass eine Schalt- einmal zur "PC-Crash-Sekunde" werden könnte.

Generell aber werden zu Silvester wohl nur "Zeit-Puristen" das kleine "Geschenk" zu spüren bekommen: Dann nämlich, wenn sie versuchen, ihre Uhren für diese eine Schaltsekunde anzuhalten - und zwar noch bevor der zusätzliche Augenblick schon wieder vorüber ist.

Cäsium-Schwingung definiert die Sekunde
Die sogenannte Weltzeit wird seit 1967 nach der Atomsekunde justiert. Die Definition einer Sekunde richtet sich laut Schweifer nach der atomaren Schwingung von Cäsium: Es sind dies exakt 9.192.631.770 Schwingungen. Schaltsekunden wurden 1972 eingeführt: Bisher gab es insgesamt 24 solcher zusätzlichen Augenblicke, zuletzt einen zum Jahreswechsel 2005/2006. "Gewissermaßen verordnet" werden Schaltsekunden vom IERS (Internationaler Erd-Rotations-Service) in Paris. Die Zeiger heimischer Uhren werden über Signale eines Atomuhr-Senders der deutschen Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) bewegt, der in Mainflingen bei Frankfurt steht.




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