24. September 2007 13:43

Alarm von Experten 

Steigender Meeresspiegel bedroht die USA

New Yorks Südspitze unter Wasser, Florida im Meer verschwunden. Geologen warnen die USA vor den Folgen der Erderwärmung.

Steigender Meeresspiegel bedroht die USA

Die Südspitze von Manhattan steht unter Wasser, die Strände Floridas sind im Meer verschwunden und gigantische Flutbarrieren versuchen das Schlimmste zu verhindern: Wissenschaftlern zufolge werden das die Probleme der USA in 100 Jahren sein. In dieser Zeit soll der Meeresspiegel um rund einen Meter steigen und würde dann den Küsten etwa 65.000 Quadratkilometer Land überfluten.

50 oder 100 Jahre
"Es wird ein Meter sein und es gibt nichts, was wir dagegen tun können. Die Frage ist nur, wann", sagt der Klimatologe Andrew Weaver von der Universität Victoria, einer der führenden Autoren des jüngsten Berichts des Weltklimarats (IPCC). Manche Experten sagen einen Anstieg um einen Meter innerhalb von 50 Jahren voraus, andere hoffen, es könnten noch 150 Jahre vergehen. Die meisten der mehr als zwei Dutzend von der Nachrichtenagentur AP befragten Klimaexperten gehen jedoch davon aus, dass es in 100 Jahren soweit sein wird.

Die prognostizierten Folgen basieren auf Küstenlandkarten der US-Universität Arizona und Daten des Geologischen Dienstes, einer wissenschaftlichen Behörde des US-Innenministeriums. Danach wird an der Börse in der New Yorker Wall Street Land unter sein, die U-Bahn-Röhren der Metropole werden regelmäßig überflutet. Auch das Fliegen dürfte schwieriger werden: Die Landebahnen von New Yorks Flughafen La Guardia werden nur noch für Wasserflugzeuge infrage kommen, und auch der größte Flughafen, John F. Kennedy, liegt nahe am Atlantik.

Auswirkungen auf Bevölkerung
"Der Anstieg des Meeresspiegels wird stärkere Auswirkungen auf die Bevölkerung und die Infrastruktur haben als alles andere, das ich mir ausmalen kann", erklärte der Küstengeologe des Geologischen Dienstes, Jeffress Williams.

In New York diskutieren Staats- und Regierungschefs seit Montag auf Einladung der Vereinten Nationen über Strategien gegen die globale Erwärmung, zum Ende der Woche will US-Präsident George W. Bush eine separate Konferenz in Washington zu dem Thema abhalten.

Den Wissenschaftlern zufolge werden jedoch Programme zur Reduktion der Treibhausgase, die jetzt noch beschlossen werden, an der Prognose nichts ändern. Deswegen müssen sich die Küstengebiete der USA Überlebensstrategien zurechtlegen.

Wege aus der Bedrohung
Es gibt nur drei Auswege: Das Einfachste wäre es, küstennahe Landstriche aufzugeben. Das würde allein in New York und Florida bedeuten, milliardenschweres Immobilienvermögen und den Lebensraum von tausenden Menschen zu zerstören. Daher kommt an diesen Stellen wohl eher künstlicher Schutz vor den Fluten in Frage: Gigantische Dämme, Schleusen und Flutbarrieren müssten errichtet werden - ein System vergleichbar der aufwendigen Flutkontrolle in den Niederlanden. Der finanzielle und technische Aufwand wird aber nur an wenigen stark bevölkerten Orten möglich sein, nicht entlang der gesamten, tausende Kilometer langen US-Küste. Die Politik muss entscheiden, welche Landstriche aufgegeben werden. Die dritte Strategie besteht darin, Land aufzuschütten und Neubauten höher zu legen - ein konstanter Kampf gegen das Wasser.

Mit einem höheren Meeresspiegel werden auch Stürme und Hurrikans gefährlicher, weil sie Flutwellen weiter landeinwärts treiben werden. Ganze Stadtteile von New York oder San Francisco könnten bei einem großen Sturm schnell überflutet werden. Die Reste von New Orleans, die bis dahin noch nicht im Wasser verschwunden sein werden, dürften dann schon von kleineren Hurrikans stark bedroht sein. Florida steht der US-Umweltschutzbehörde (EPA) zufolge vor dem Problem der Versalzung des Grundwassers. Dies würde die Trinkwasserversorgung stark gefährden, warnt die Behörde.

Der Anstieg wird den Experten zufolge progressiv fortschreiten. So langsam, dass die Politik ihn auch noch eine Weile ignorieren kann, fürchtet der Küstengeologe Williams. Es sei wie beim Wasserkochen auf dem Herd: "Wenn Sie den Finger anfangs in den Topf stecken, gewöhnen sie sich an die Hitze", erklärt der Forscher des Geologischen Dienstes. Irgendwann fängt das Wasser dann zu kochen an.




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