13. November 2008 14:54

Vorwürfe 

Studie zeigt fatale Folgen von Guantanamo

Auch nach der Freilassugn leiden die Insassen an den Folgen. Die Autoren der Studie fordern von Obama eine Ermittlung der Verantwortlichen.

Studie zeigt fatale Folgen von Guantanamo
© AP

Auch nach ihrer Freilassung leiden ehemalige Guantanamo-Häftlinge unter Umständen dauerhaft an den Folgen der Inhaftierung: Eine Studie bezeugt in bisher nicht dagewesener Ausführlichkeit die Mißhandlung der Gefangenen des US-Lagers auf Kuba, gegen die fast ausnahmslos nie formal Anklage erhoben wurde. Die Autoren der am Mittwoch (Ortszeit) vorgestellten Untersuchung, Laurel Fletcher und Eric Stover von der Universität Berkeley, werteten anonyme Berichte von 62 Ex-Häftlingen aus. "Der Alptraum hört mit ihrer Freilassung nicht auf: Diese Menschen, die nie angeklagt wurden und denen nie jemand die Gelegenheit gegeben hat, ihren Ruf reinzuwaschen, leiden unter einem dauerhaften Stigma", erläuterte Fletcher.

"Wir tragen immer noch diese Bürde, als Terroristen angesehen zu werden", zitiert die Studie einen von ihnen, ein anderer erklärt: "Alles, was ich besitze, passt in eine Plastiktüte." Fletcher wies auf Fälle hin, in denen Ex-Häftlinge von ihren Familien und Gemeinschaften verstoßen wurden. Neben den handfesten stehen die psychischen Folgen. Die Befragten schilderten Alpträume, Angstzustände und Erinnerungen, die sie nicht loswerden. Etwa an stundenlanges Gefesseltsein, beschallt von lauter Musik und von gleißendem Licht angestrahlt. "Am Anfang spürt man nichts. Aber nach einem Moment beginnen Krämpfe in den Oberschenkeln, die Beine werden langsam taub. Und selbst wenn man die Augen schließt, kann man weiter dieses Licht sehen, man beginnt zu halluzinieren."

Weil derartige Mißhandlungen kumulativ angewendet worden seien, handle es sich möglicherweise um Folter, sagte Stover. Der künftige US-Präsident Barack Obama, der die Schließung des Lagers angekündigt hat, müsse eine unabhängige Untersuchungskommission einsetzen. Die Verantwortlichkeiten für die Internierung in Guantanamo, wo seit Anfang 2002 rund 800 Gefangene einsaßen und zur Zeit noch etwa 250 Menschen festgehalten werden, müssten geklärt werden. Keine "Entschuldigung, Amnestie oder sonstige Maßnahme" dürfe diese Arbeit stören, forderte Stover. Über mögliche Entschädigungen hatte Obama sich nicht geäußert. Nur in rund 20 Fällen erhoben die US-Behörden im Laufe der Jahre formell Anklage.




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