04. März 2008 12:17

Placebo-Effekt 

Teure Medikamente helfen besser als billigere

Wie amerikanische Forscher herausfanden, wirken teure Medikamente eher als billigere, da die Patienten mehr an deren Wirkung glauben.

Teure Medikamente helfen besser als billigere
© Reuters

Je teurer ein Medikament ist, desto besser beurteilen Patienten seine Wirkung ­ selbst wenn es sich um ein wirkstoffloses Placebo handelt. Das berichten Forscher im "Journal of the American Medical Association". Angesichts des Ergebnisses müssten Mediziner sich die Frage stellen, wie sich billigere Präparate verschreiben lassen, ohne dass die Patienten deren Wirkung infrage stellten.

Versuchspersonen Elektroschocks erteilt
Dan Ariely von der Duke University in Durham (US-Staat North Carolina) und seine Mitarbeiter hatten insgesamt 82 Versuchsteilnehmern leichte Elektroschocks verabreicht, um die individuelle Schmerzempfindlichkeit der Probanden zu bestimmen. Dann gaben sie allen Teilnehmern eine Tablette. Die Hälfte der Gruppe erhielt zudem eine Broschüre, in dem das wirkstofflose Präparat als neu entwickeltes Schmerzmittel angepriesen und ein Preis von 2,50 US- Dollar (1,64 Euro) pro Tablette genannt wurde. Die übrigen Versuchsteilnehmer erhielten eine Broschüre, die den Preis der Pille auf nur zehn US-Cent bezifferte.

85 Prozent vertrauten auf teure Medikamente
Bei 85 Prozent der Patienten, die das vermeintlich teurere Präparat bekommen hatten, ließ das subjektive Schmerzempfinden nach der Tabletteneinnahme merklich nach. In der Gruppe mit dem billigen Präparat berichteten hingegen nur 61 Prozent, dass sich ihre Schmerzen gebessert hätten. "Der Placebo-Effekt ist eine der faszinierendsten und am wenigsten genutzten Kräfte im Universum", kommentierte Ariely das Ergebnis in einer Mitteilung der Duke University.

Umdenken auch bei Ärzten
Die Studie sei auch für praktizierende Ärzte interessant: Diese glaubten normalerweise, dass ein bestimmtes Medikament deshalb besser wirke sei als ein anderes, weil es tatsächlich besser sei. Möglicherweise übertrage sich aber die eigene Begeisterung für ein Mittel vom Arzt auf die Patienten, meint Ariely. "Über solche feinen Wechselbeziehungen zwischen Ärzten und ihren Patienten müssen wir uns wirklich Gedanken machen."




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