16. August 2007 11:31

Gefahr 

Tierische und pflanzliche Aliens bedrohen Arten

Bisamratte, Marienkäfer und Bärenklau als Gefahr für die heimische Artenvielfalt.

Tierische und pflanzliche Aliens bedrohen Arten
© www.photos.com

Es braucht nicht unbedingt eine Eiszeit für eine Artenwanderung. Tiere und Pflanzen tauchen immer wieder an Orten auf, an denen sie zuvor noch nie gesehen wurden. Bisamratte, Asiatischer Marienkäfer und Bärenklau sind nur einige Beispiele für fremde Arten, sogenannte Neobiota, die der heimischen Flora und Fauna Probleme bereiten können, erklärte Wolfgang Rabitsch vom Umweltbundesamt (UBA) gegenüber der APA. Wie sich diese Tiere und Pflanzen in der neuen Heimat entwickeln, ist kaum absehbar.

Grundsätzlich natürliches Phänomen
Grundsätzlich ist die Artenwanderung ein natürliches Phänomen, das es schon immer gegeben hat, so Rabitsch. Die erhöhte Mobilität von Menschen und Gütern hat das Problem allerdings erheblich verschärft. Viele Arten werden aus dem Urlaub oder durch Warenlieferungen eingeschleppt. Vor allem Insekten sind ein häufiges "Reisemitbringsel". Aber auch absichtliches Einführen gebietsfremder Tier- und Pflanzenarten kommt vor. Dabei spielen meist wirtschaftliche Interessen eine Rolle, wie im Falle einiger Nutztiere (zum Beispiel für die Pelzindustrie).

"Auch der Klimawandel stellt in diesem Zusammenhang einen wichtigen Aspekt dar", betonte Rabitsch. Die höheren Temperaturen begünstigen die Ausbreitung von fremden Pflanzen- und Tierarten. Viele mediterrane Arten finden in unseren Breiten bessere Bedingungen vor und können sich nach der Verschleppung leichter etablieren.

Probleme durch unkontrollierte Verbreitung
Problematisch wird es dann, wenn Neobiota sich unkontrolliert ausbreiten und heimische Arten bedrohen oder sogar verdrängen. Etwa ein Viertel der eingeschleppten Tierarten bringt potenziell Gefahren für die Natur oder Wirtschaft, so der Experte. Bei den Pflanzen sind es etwa drei Prozent.

"Wenn sich eine Art einmal etabliert hat, ist es fast nicht mehr möglich, sie wieder loszuwerden", sagte Rabitsch. Die wirksamste Gegenmaßnahme ist für den Experten immer noch Bewusstseinsbildung. Macht man die Bevölkerung auf die möglichen Gefahren der Neobiota aufmerksam, kann man demnach zumindest die Zahl der bewusst eingeschleppten Arten reduzieren.

Intensivere Kontrollen
"Auch in der EU, wo alle Grenzen gefallen sind, wird das Thema zunehmend als Problem erkannt und es werden zurzeit mögliche Maßnahmen diskutiert, wie man hier Schäden vermeiden kann", erklärte Rabitsch. Eine intensivierte Kontrolle und ein europaweites Frühwarnsystem hält der Experte für wirksam. Möglicherweise schädliche Arten sollen so schon im Vorhinein abgeblockt werden. "Vorbeugen ist besser als kurieren", rät Rabitsch.




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