10. November 2008 20:16

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Tsunami-Frühwarnsystem in Jakarta geht in Betrieb

Vor 4 Jahren verursachte der Tsunami im indischen Ozean 200.000 Tote. Am Dienstag ging das Frühwarnstystem in Indonesien in Betrieb.

Tsunami-Frühwarnsystem in Jakarta geht in Betrieb

In Indonesien ist am Dienstag das deutsche Tsunamifrühwarnsystem offiziell in Betrieb genommen worden. Das System besteht aus zahlreichen Komponenten wie Seismometern, GPS-Stationen, Wasserpegelmeldern, Meeresbodensensoren und Messbojen. Bei einem  Erdbeben werden die Daten der Geräte über Satellit in die Leitzentrale geschickt, wo Computer innerhalb von Minuten das Gefahrenpotenzial errechnen, damit Katastrophenbehörden und Bevölkerungen gewarnt werden können.

Doch es bleibt noch viel zu tun, damit die Warnung vor der Monsterwelle die betroffene Bevölkerung an Indonesiens Küsten künftig auch rechtzeitig erreicht. Berichte über verschwundene Messbojen wiesen die deutschen Forscher allerdings zurück. Zudem funktioniere das System auch, wenn einzelne Messeinheiten ausfallen.

Erdbeben sind in der am pazifischen Feuerring liegenden Inselrepublik Indonesien keine Seltenheit. Sie entstehen meist unter dem Meer im Sundagraben, der sich von der Nordwestspitze Sumatras bis zur Insel Flores erstreckt. Eine Tsunami-Welle kann sich innerhalb von 20 Minuten an der indonesischen Küste aufbauen - für Frühwarnungen bleibt wenig Zeit.

Nicht jedes Beben löst Tsunami aus
Die Lage und Stärke eines Erdbebens lässt sich mit heutigen Techniken sehr gut bestimmen. "Aber nicht jedes Beben im Meer löst auch einen Tsunami aus", sagt Jörn Lauterjung vom Potsdamer Geoforschungszentrum (GFZ), der das deutsch-indonesische Projekt koordiniert. Für das Frühwarnsystem mussten deshalb neue Messtechniken kombiniert werden. 51 Millionen Euro steuerte die Bundesregierung für die Entwicklung bei. Auf deutscher Seite sind unter anderem auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und das Bremer Alfred-Wegener-Institut beteiligt.

In den vergangenen Jahren installierten die Forscher im Küstengebiet Indonesiens rund 140 Messstationen. Auf vorgelagerten Inseln werden Pegelstände aufgezeichnet. Breitband-Seismometer messen Stärke und Lage von Erdeben, Druckmesser am Ozean und mit GPS ausgestattete Bojen erfassen auf dem Meer das Ausmaß der entstehenden Wellen.

Schwierige Computerarbeit
Kernstück des Warnsystems ist die vom DLR entwickelte Software DSS ("Decision Support System"). Diese sammelt die Daten und entscheidet mit Hilfe vorberechneter Simulationen, ob Tsunami-Alarm ausgelöst wird. Einen Tsunami am Rechner nachzustellen ist schwierig: Es hängt von der Küstenbeschaffenheit ab, wie hoch sie werden oder ins Landesinnere vordringen. Über die Gestalt von Küste und Meeresboden vor Indonesien sei noch nicht genug bekannt, sagt Projektleiter Lauterjung. In den kommenden Monaten soll das System im laufenden Betrieb verfeinert werden.




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