18. Oktober 2007 09:35

Rassen-Sager 

US-Nobelpreisträger Watson entlassen

Der amerikanische Medizin-Nobelpreisträger James Watson (79) ist wegen rassistischer Äußerungen aus der Führung des renommierten Cold Spring Harbor Laboratoriums entlassen worden.

US-Nobelpreisträger Watson entlassen

Die in New York ansässige Organisation teilte am Freitag auf ihrer Internetseite mit, der Vorstand habe Watson vorerst von seinen "administrativen Aufgaben" entbunden.

Distanzierung
Dabei hat sich Watsonm am Freitag von den rassistischen Aussagen distanziert, mit denen er zitiert worden war. Er verstehe selbst nicht, wie er das, womit er in der "Sunday Times" zitiert wurde, habe sagen können, sagte Watson dem "Independent" (Freitagsausgabe). Die "Sunday Times" beharrte darauf, dass sie den 79-jährigen Genetiker richtig zitiert habe.

Promo-Tour abgebrochen
Dieser habe laut Bandaufzeichnung gesagt, er sei für die Zukunft Afrikas pessimistisch, weil die Politik von der falschen Annahme ausgehe, dass die Afrikaner "genauso intelligent" wären "wie wir". Die Affäre zog am Freitag weitere Kreise: Watson brach eine Promotion-Tour in Großbritannien ab und wurde aus der Führung des Forschungsinstituts Cold Spring Harbor entlassen.

Absage wegen Interview
Watson habe London am Freitagmorgen verlassen, um in die USA zurückzukehren, teilte seine Verlegerin mit. Der Nobelpreisträger sollte in mehreren Städten vor Hunderten Wissenschaftern sein neues Werk "Avoid Boring People: Lessons From A Life in Science" (etwa: "Meide langweilige Menschen: Lehren aus einem Leben mit der Wissenschaft") präsentieren. Mehrere wissenschaftliche Einrichtungen sagten jedoch Veranstaltungen mit Watson ab, nachdem dieser laut "Sunday Times" Afrikaner als minder intelligente Menschen bezeichnet hatte.

Rassistischen Äußerungen verurteilt
Nachdem am Donnerstag als erstes das Londoner Wissenschaftsmuseum eine für Freitag geplante Lesung mit Watson gestrichen hatte, luden ihn am Freitag auch die Universität von Edinburgh und ein Festival in Bristol aus. Außerdem verurteilte die Vereinigung amerikanischer Wissenschafter die rassistischen Äußerungen.

Was er gesagt hat
Watson ging im "Independent" auf Distanz zu den vorherigen Aussagen und betonte, sie entbehrten jeder wissenschaftlichen Grundlage. In dem Interview hatte er über Schwarze unter anderem gesagt: "Alle unsere Sozialpolitiken basieren auf der Annahme, dass ihre Intelligenz dieselbe ist wie unsere - obwohl alle Tests sagen, dass dies nicht wirklich so ist".

Nobelpreisträger von 1962
Die Führung des Cold-Spring-Harbor-Instituts sei am Donnerstag zusammengekommen und habe entschieden, dass Watsons Aufgaben ruhen sollten, erklärte Unternehmenschef Bruce Stillman. Die in der "Sunday Times" zitierten Äußerungen Watsons hätten mit dem Institut nichts zu tun. Den Medizin-Nobelpreis erhielt Watson 1962 für seinen Beitrag zur Entschlüsselung des Erbguts.

Kontroverse Aussagen bereits 1997
Watson hat laut italienischer Zeitung "Corriere della sera" bereits in der Vergangenheit mit Aussagen über Politik, Sexualität und Rassen für Kontroversen gesorgt. 1997 behauptete er, eine Frau habe das Recht auf Abtreibung, wenn aus der genetischen Analyse des Embryos hervorgehe, dass ihr Kind homosexuell veranlagt sei. Zudem meinte Watson, Farbige hätten eine ausgeprägtere Libido als Weiße.

Für "Rassenhygiene"
Außerdem sprach er sich für Eugenik - in der NS-Zeit als "Rassenhygiene" bezeichnet - aus. "Die Leute meinen, es wäre furchtbar, wenn alle Mädchen schön wären. Ich dagegen glaube, es wäre wunderbar."




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