09. Oktober 2008 15:05

Rang 115 

Universität Wien fällt zurück

Im Bereich Forschung kann die Uni Wien noch punkten. Im aktuellen "Times"-Ranking ist sie dennoch die einzige heimische Uni unter den Top 200.

Universität Wien fällt zurück
© Uni Wien/ univie.ac.at/presse

Mit der Universität Wien findet sich laut dem Donnerstag, veröffentlichen "Times"-Ranking nur noch eine heimische Uni unter den weltweit besten 200 Hochschulen. Wie die britische Zeitung am Donnerstag veröffentlichte, verlor die Wiener Alma Mater im Vergleich zum Vorjahr allerdings 30 Plätze und fiel von Rang 85 auf Rang 115 zurück (2006: 87). Die Technische Universität (TU) Wien, die zuvor noch Platz 166 (2006: 138) belegte, ist nicht mehr unter den Top 200 des Rankings gereiht, sie belegt heuer Rang 244. Die Uni Innsbruck war bereits im Vorjahr hinausgefallen (2006: 186) und liegt 2008 auf Rang 256.

Zum fünften Mal
Das "The Times Higher Education Supplement" (THES), das die Rangliste zum fünften Mal erstellte, führt als Ursache für die schlechte Gesamtplatzierung der Uni Wien ein "besonders schlechtes" Betreuungsverhältnis an. Allerdings klaffen die Platzierungen der Uni Wien bei den Bereichen Lehre und Forschung weit auseinander, wie sich an den Zahlen ablesen lässt: Während es bei der "Lehre" nur für Rang 163 reichte, konnte bei der "Forschung" mit Rang 57 weltweit eine gute Platzierung eingefahren werden.

Verschiedene Kriterien
Bei den "THE-QS World University Rankings 2008" - so die korrekte Bezeichnung für die nun publizierte Rangliste - werden sechs verschieden gewichtete Kriterien gewertet: Haupt-Faktor des Rankings ist eine "Academic Peer Review"-Bewertung, ein Urteil von Tausenden Wissenschaftern aus aller Welt, welche die besten Unis in ihrem jeweiligen Fachgebiet genannt haben. Weitere Kriterien sind die Bewertung durch Unternehmer, das Zahlenverhältnis zwischen Beschäftigten und Studenten, die Relation von wissenschaftlichen Zitaten zur Zahl der Beschäftigten sowie der Prozentsatz ausländischer Forscher und Studenten.

Amerikanische und Britische Hochschulen noch immer top
Unter den Top zehn der Rangliste zeigt sich nach wie vor die Dominanz US-amerikanischer und britischer Hochschulen: Die Harvard University (USA) konnte Platz eins erfolgreich verteidigen, auf Platz zwei liegt die Yale University (USA) und auf Platz drei die University of Cambridge (UK) - beide Einrichtungen hatten sich im Vorjahr noch gemeinsam mit der University of Oxford (2008: Rang vier) den zweiten Platz geteilt. Als Neueinsteiger unter die besten zehn Unis verbesserte sich die Columbia University (USA) von Rang elf auf zehn.

Etikett "Massenuni"
Als Reaktion auf das vergleichsweise schlechte Abschneiden der Uni Wien plädierte Rektor Georg Winckler für eine differenzierte Betrachtung des Rankings: "In der Forschung sind wir durchaus eine Spitzenuniversität, in der Lehre dagegen eine Massenuniversität". Die derzeitigen Rahmenbedingungen würden nicht zulassen, sich von dem Etikett "Massenuni" zu verabschieden. Für Winckler zeigt das Ranking deutlich, dass "sich die Politik mit den Kapazitäten in der Lehre und der Finanzierung der Universitäten auseinandersetzen muss". Notwendig sei ein Gesamtkonzept für den tertiären Sektor. Durch die neue, kurz vor der Wahl geschaffene gesetzliche Situation mit weitgehender Abschaffung der Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen werde sich "die Situation weiter verschärfen".

Betrachtet man einzelne inhaltliche Schwerpunkte, so konnten sich auch die TU Wien und die Uni Innsbruck Plätze unter den Top 200 sichern, so etwa im Bereich "Naturwissenschaften" mit Rang 168 (Uni Innsbruck) und Rang 125 (TU Wien) sowie im Bereich "Ingenieurswissenschaft und IT" mit Rang 76 (TU Wien).

Ein Sprecher der TU Wien verwies im Zusammenhang mit dem immer schlechter werdenden Gesamtabschneiden in den vergangenen Jahren u.a. auf das schlechtere Betreuungsverhältnis zwischen Lehrenden und Studierenden. Dadurch komme auch die Forschung zu kurz. Wenn die Politik den Nationalratsbeschluss umsetze, die Ausgaben für den tertiären Sektor gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 1,2 Prozent auf zwei Prozent bis 2020 zu heben, "dann sind wir wieder im Rennen".




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