06. Oktober 2007 22:02

Geheimes Dokument 

Vatikan spricht Tempelritter frei

Ein verschollenes Dokument belegt es: Die Tempelritter, 700 Jahre als Ketzer gebrandmarkt, sollen von Gotteslästerei freigesprochen worden sein.

Vatikan spricht Tempelritter frei
© AFP

700 Jahre lang galten sie als Ketzer, jetzt schreibt der Vatikan selbst einen Teil seiner Geschichte um. Ein lange verschollenes Dokument, das jetzt veröffentlicht werden soll, belegt, dass der Papst hat die Tempelritter schon 1314 vom Vorwurf der Gotteslästerei freigesprochen und um Verzeihung gebeten habe, berichtet die britische Zeitung "Daily Telegraph" am Samstag laut "Spiegel Online".

Mächtige Mönchskrieger
Die Tempelritter waren im Mittelalter eine mächtige und verschwiegene Gemeinschaft von Mönchskriegern, die von zahlreichen Legenden umgeben war. So hieß es, sie seien die Wächter des Heiligen Grals.

Für die Katholische Kirche galten sie aber seit dem 14. Jahrhundert als Ketzer. Sie sollen auf das Kreuz gespuckt und die Existenz von Jesus geleugnet haben - ihr Orden wurde darum 1314 von Papst Clemens V. brutal aufgelöst. Hunderte wurden gefoltert und getötet.

Von Vorwürfen reingewaschen
Diese historische Gewissheit wird nun von höchster Stelle erschüttert - durch ein Buch aus dem Vatikan. Das am 25. Oktober erscheinende Werk "Processus contra Templarios" basiere auf neuen Dokumenten aus dem Geheimarchiv des Vatikan und wasche die Tempelritter von allen Vorwürfen rein, berichtet "Daily Telegraph".

"700 Jahre lang haben wir geglaubt, dass die Tempelritter als verfluchte Menschen starben. Dieser Fund spricht sie frei", sagte Professorin Barbara Frale, Angestellte des Geheimarchivs, der Zeitung.

"Chinon-Pergament"
Das Buch basiert auf dem "Chinon-Pergament", benannt nach dem französischen Ort Chinon. Das Dokument war lange verschollen, weil es laut Frale falsch archiviert war. Erst 2001 entdeckte die Vatikan-Archivarin das Pergament, jetzt wird es öffentlich gemacht. Es enthält die Protokolle der Anhörungen der Tempelritter vor Papst Clemens und endet laut "Telegraph" mit der päpstlichen Absolution für den Orden.

Der Kreuzritterorden der Tempelritter war 1119 in Jerusalem gegründet worden, mit dem Ziel, christliche Pilger auf dem Weg in die Heilige Stadt zu schützen. Ihre Zentrale schlugen sie in der eroberten al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg auf - daher der Name Tempelritter.

Ende des Ordens im Jahr 1307
Das Ende des Ordens kam 1307, als der französische König Philipp IV. die reichen Templer ins Visier nahm, ihre Häuser durchsuchen ließ und ihr Vermögen beschlagnahmte. Der Vorwurf lautete auf Ketzerei. Nach dem Einschalten der Inquisition verbot Papst Clemens V. den Orden im Jahr 1314.

Laut "Telegraph" enthüllt das "Chinon-Pergament", dass der Papst damals wider besseres Wissen und nur unter dem Druck des Königs handelte. Der Papst habe sich gezwungen gesehen, die Tempelritter nach den Anhörungen um Vergebung zu bitten, sagte Frale dem "Telegraph". "Dies ist der Beweis, dass die Tempelritter keine Ketzer waren."




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