01. September 2007 22:29

Logotherapie 

Viktor E. Frankl starb vor 10 Jahren

Gedenken an einen großen österreichischen Psychiater und Schöpfer der Logotherapie, Viktor E. Frankl: Er starb am 2. September 1997 - vor zehn Jahren.

Viktor E. Frankl starb vor 10 Jahren
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Am 2. September 1997 starb der Arzt Viktor E. Frank im Alter von 92 Jahren nach einem medizinischen Eingriff in Wien. Der am 26. März 1905 in Wien Geborene hatte im Angesicht der Greuel der NS-Konzentrationslager seine "Sinnlehre" entwickelt.

Konzentrationslager Theresienstadt
1930 zum Doktor der Medizin promoviert, arbeitete Frankl als am Psychiatrischen Krankenhaus am Steinhof. 1942 wurden er und seine Eltern in das Konzentrationslager Theresienstadt verschleppt. Er verlor seine Mutter, den Vater, seinen Bruder und seine erste Frau Tilly. Nach dem Krieg kehrte Frankl nach Wien zurück, rekonstruierte sein Buch "Ärztliche Seelsorge", das er bereits im KZ geschrieben hatte, und wirkte an der Wiener Poliklinik.

"... trotzdem Ja zum Leben sagen"
Frankls 32 Bücher wurden in 26 Sprachen übersetzt und erreichten Millionenauflage "... trotzdem Ja zum Leben sagen", wurde neun Millionen Mal verkauft. Bis zu seinem 85. Lebensjahr stand Frankl im Hörsaal, mit 67 machte er zur Überwindung der Flugangst den Pilotenschein. Zeitgeschichtlich legendär sind seine Worte über die Qualität der Menschen: "... es gibt nur zwei Rassen von Menschen, die Anständigen und die Unanständigen." Aus Anlass des zehnten Todestages gibt es im Wiener Viktor Frankl Zentrum in Wien-Alsergrund mehrere Veranstaltungen, darunter auch die Enthüllung einer Gedenktafel.

Auf der Suche nach dem Sinn: Viktor Frankls Logotherapie
Die Frage nach dem Sinn steht im Mittelpunkt der von Viktor Frankl begründeten Logotherpaie, einer speziellen Form der Psychotherapie. Der Mensch wird dabei als "geistige Person" erfaßt, die ihren biologischen, soziologischen und historischen Gegebenheiten gegenübertreten kann. Die Arbeit mit Patienten zielt in der Logotherapie darauf ab, die Sinnmöglichkeiten jedes einzelnen herauszufinden. In Österreich arbeiten nach Angaben des Viktor-Frankl-Instituts offiziell rund 20 bis 30 Psychotherapeuten mit dieser Methode, die vor allem in Deutschland und den USA weit verbreitet ist.

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Frankl setzte sich in seiner Jugend zuerst mit der Psychoanalyse Sigmund Freuds, später mit der Individualpsychologie Alfred Adlers auseinander. Die psychoanalytische Denkweise Freuds war Frankl zu "deterministisch, reduktionistisch und nihilistisch". Menschliches Verhalten könne nicht nur auf der Triebebene erklärte werden, weil dabei spezifisch menschliche Phänomene wie Liebe, Glaube oder Wertvorstellungen nicht miteinbezogen würden. Bei Adler anerkannte Frankl zwar ein Suchen nach den Ursachen von seelischen Krankheiten, vermißte aber eine dem Menschen gerechte Motivationstheorie.

"Dritte Wiener Schule der Psychotherapie"
Aufbauend auf Kontrolluntersuchungen an seelisch gesunden Menschen entwickelte er eine Motivationstheorie, die in der Logotherapie als "sinnzentrierter Psychotherapie" mündete: Frankls Untersuchungen hatten ergeben, daß der Mensch primär sinnorientiert war. Seiner Meinung nach hatte er damit Freuds Triebtheorie widerlegt, aber auch Adlers Annahme, dem Menschen ginge es vor allem um die Kompensation von Minderwertigkeitsgefühlen bzw. um das Erringen von Machtpositionen. Frankls Schule wird daher auch als "Dritte Wiener Schule der Psychotherapie" bezeichnet.

"Wille zum Sinn"
Ihren Namen erhielt diese Therapierichtung nach dem griechischen Begriff "logos". Übersetzt heißt dies "Sinn" oder "Geist". Depression oder Selbstaufgabe können sich nach Ansicht Frankls durch die Konzentration auf Sinnmöglichkeiten kurieren lassen. Der "Wille zum Sinn" sei etwa in den KZ - Frankl verbrachte selbst drei Jahre in solchen Lagern - zu einem Überlebensfaktor geworden: Im Menschen würden verborgene Kräfte frei, sobald und solange er um ein "Wozu" weiß. In der Therapie werde daher vor allem nach Verwirklichungsfähigkeiten des Patienten gesucht.

Bewältigung von Problemsituationen
Zur Bewältigung von Problemsituationen entwickelte Frankl zwei Methoden: die "paradoxe Intention" und die "Dereflexion". Bei der "paradoxen Intention" wird die mit Angst besetzte Situation herbeigewünscht und so überwunden. Die Dereflexion zielt darauf ab, das eigene Verhalten von der angstbesetzten Situation zu trennen. Wenn der Sohn etwa Angst hat, seinem Vater eine bestimmte Sache mitzuteilen, soll er das Verhalten des Vaters weniger und das eigene mehr beachten: "Was der Vater tut, muß er verantworten, und wenn er losbrüllt, ist er zu bedauern. Ich aber bin nicht er, und wie ich mich verhalte, ist meine Sache."

Ergänzend zur psychotherapeutischen Behandlungsmethode Logotherapie schuf Frankl die Forschungsrichtung Existenzanalyse. Frankl geht dabei nicht nur von einer unbewußten Triebhaftigkeit aus, sondern auch von einer unbewußten Geistigkeit. Existenz bedeutet in diesem Zusammenhang eine Seinsart, und zwar die "Eigenart des Menschseins".




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