05. Dezember 2007 10:40

Soziales Verhalten 

Weißbüscheläffchen sammeln Spenden füreinander

Wie Menschen nehmen Weißbüscheläffchen aufeinander Rücksicht. Eine schweizer Studie zeigt prosoziales Verhalten bei Primaten.

Weißbüscheläffchen sammeln Spenden füreinander
© wikipedia

Weißbüscheläffchen sind nach einer neuen Studie rücksichtsvolle Tiere. Wissenschafter erklärten, besonders auffällig sei, dass bei dieser Affenart wie bei den Menschen viele Gruppenmitglieder die Kinder aufziehen. Der Übergang zur kooperativen Jungenaufzucht könnte demnach die Menschwerdung in Gang gebracht haben.

Menschen doch nicht nur egoistisch
Seit mindestens 200 Jahren glaubten Ökonomen, dass Menschen unverbesserlich egoistisch handelten, heißt es in der am Montag in Zürich veröffentlichten Studie der Anthropologen Judith Burkart und Carel van Schaik von der Universität Zürich. Allerdings hätten in den vergangenen Jahren viele Arbeiten gezeigt, dass dies mehr Mythos als Realität sei.

Affen setzen auf Kooperation
In Tat und Wahrheit seien die Menschen bemerkenswert kooperativ und unterschieden sich in dieser Eigenschaft von allen Affenarten. Experimente mit Schimpansen hätten überraschenderweise gezeigt, dass kooperatives Verhalten bei Schimpansen nicht wie bei den Menschen auf der Besorgnis um das Wohlergehen des Partners beruhe, sondern vielmehr auf der Regel "Wie-du-mir, so-ich-dir". Die meisten Primatologen folgerten daraus, dass das prosoziale Verhalten sich erst vor kurzem entwickelt habe und einzigartig menschlich sei.

Äffchen um Wohlergehen anderer besorgt
Forscherinnen und Forscher der Universität Zürich haben nun Experimente mit Weißbüscheläffchen durchgeführt und dabei zum ersten Mal aufzeigen können, dass echte Besorgnis um das Wohlergehen von anderen nicht etwas exklusiv Menschliches sei. Die Äffchen hätten in einem Spiel Futter für andere gespendet, ohne selbst etwas dafür zu erhalten und ohne die Chance zu haben, selber im Gegenzug dafür vom Empfänger etwas zu erhalten. Anders als Schimpansen, aber gleich wie die Menschen, hätten die Weißbüscheläffchen freizügig für ihre Artgenossen gespendet.

Entscheidung zum Lebensstil erhoben
Aus der Studie ergibt sich gemäß den Autoren folgendes evolutionäres Szenario: Irgendwann begannen unsere Vorfahren, sich gemeinsam um die Kinder zu kümmern, was einen tiefgreifenden Bruch mit dem typischen Lebensstil von anderen Affen dargestellt habe. Obwohl die Vorfahren der Weißbüscheläffchen eine ähnliche Veränderung ihres Lebensstils vorgenommen hätten und sie wie die Menschen das zugehörige prosoziale Verhalten entwickelt hätten, gebe es einen wichtigen Unterschied, der weitreichende Folgen für die Menschwerdung hatte.

Prosoziales Verhalten als Motor der Entwicklung
Während das prosoziale Verhalten bei den Weißbüscheläffchen auf ein typisches Tieraffenhirn getroffen sei, hätten die Vorfahren der Menschen bereits ein sehr großes Hirn gehabt. Dieses sei mindestens so groß gewesen wie bei den heutigen Menschenaffen und zu sehr komplexen kognitiven Leistungen fähig gewesen. Dieses einzigartige Zusammentreffen von Prosozialität und fortgeschrittener kognitiver Leistungsfähigkeit dürfte eine Kettenreaktion von weiteren Entwicklungen ausgelöst haben, die zur ausschließlich menschlichen kognitiven Ausstattung geführt hätten.




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