24. Dezember 2007 09:13

Verbindung 

Wie das Christkind zur "Romulus"-Grotte kam

Die Entdeckung einer Grotte im Herzen von Rom, in der der Legende nach eine Wölfin den Stadtgründer Romulus und seinen Zwillingsbruder Remus gesäugt haben soll, hat vor wenigen Wochen für weltweites Aufsehen gesorgt.

Wie das Christkind zur "Romulus"-Grotte kam
© AP

Jetzt überrascht der Entdecker, der Archäologie-Professor Andrea Carandini, mit einer neue These: Es soll eine enge Verbindung zwischen dem antiken, heidnischen Heiligtum und dem Weihnachtsfest geben.

Übergang vom Heiden- ins Christentum
Die Grotte im Palatin-Hügel war nach Carandinis Ansicht der Grund dafür, dass Kaiser Konstantin bestimmte, ganz in der Nähe die St. Anastasia-Basilika zu errichten. Und dieses Gotteshaus sei sehr wahrscheinlich die Kirche, in der erstmals das Weihnachtsfest an einem 25. Dezember gefeiert wurde. "Und jetzt wissen wir auch warum", sagte Carandini am Freitag vor Journalisten. Die Entdeckung der Grotte helfe, den Übergang vom Heiden- zum Christentum im alten Rom besser zu verstehen.

Heidnischen Kultplatz "christianisieren"
Zwar ist die Bedeutung der Anastasia-Basilika für die Weihnachtstradition unter Gelehrten laut Carandini weitgehend bekannt. Doch bis vor einigen Wochen wusste man nichts von der Grotte. "Die Kirche wurde gebaut, um diesen heidnischen Kultplatz zu christianisieren", erläutert der Archäologe. "Es war damals ganz normal, eine Kirche in der Nähe dieser Orte zu errichten, um sie zu 'erretten'."

These "einleuchtend"
Der Leiter der Archäologiebehörde Roms, Angelo Bottini, der nicht an Carandinis Forschung beteiligt ist, hält die These des Archäologen für "einleuchtend und schlüssig". Die beiden Wissenschaftler erklärten, weitere Ausgrabungen seien notwendig, um eine Verbindung des Kultortes zu der Kirche zu belegen. Dies wäre der Fall, wenn Teile der Grotte direkt unter der Basilika gefunden würden.

Erste Kirche im Zentrum
Die heutzutage wenig beachtete St. Anastasia-Basilika war laut Carandini die erste Kirche, die sich im antiken Rom nicht irgendwo am Stadtrand erhob, sondern direkt im Herzen der Weltmetropole, auf dem Palatin, errichtet wurde. Zu Zeiten Konstantins sei sie eines der wichtigsten christlichen Häuser in Rom gewesen, erklärt der Professor von der Universität La Sapienza.




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