29. Oktober 2008 11:37

WWF alarmiert 

Wir schlittern in "ökologische Kreditkrise"

Neue Studie zeigt: Bis zum Jahr 2035 werden wir zwei Planeten Erde brauchen, um unseren derzeitigen Lebensstil aufrechtzuerhalten.

Wir schlittern in "ökologische Kreditkrise"
© APA

Alarm schlägt der WWF mit dem neuen „Living Planet Report“ (LPR), der am Mittwoch in Wien vorgestellt wurde: Die Welt läuft auf eine drohende ökologische Kreditkrise zu, da die Menschheit derzeit um fast ein Drittel mehr vom natürlichen Kapital der Erde aufbraucht als unser Planet verträgt. Derzeit verbrauchen wir noch 1,3 Planeten Erde, also fast ein Drittel mehr als an natürlichen Ressourcen vorhanden ist.

Der Report über den Gesundheitszustand unseres Planeten, der vom WWF alle zwei Jahre präsentiert wird, zeigt deutlich, dass die natürlichen Ressourcen und die Artenvielfalt weiterhin rückläufig sind und immer mehr Länder dauerhafte oder saisonale Wasserprobleme bekommen werden.

Der ganze Bericht zum Nachlesen

Warnung vor "ökologischer Kreditkrise"
„Die Welt kämpft derzeit mit den Folgen der Überbewertung von Finanzkreditkonstruktionen. Gleichzeitig werden die natürlichen Grundlagen unseres Lebens und Wohlstandes völlig unterbewertet. Wir schlittern zusätzlich auch in eine ökologische Kreditkrise”, warnt WWF-Geschäftsführerin Hildegard Aichberger. Durchschnittlich stehen jedem Menschen auf der Erde 2,1 Hektar pro Person zur Verfügung, der durchschnittliche Fußabdruck pro Person beträgt jedoch 2,7 Hektar. „Limitierte Ressourcen und ein Zusammenbruch des Ökosystems würden zu einer massiven Stagnation im Wert von Investitionen und hochschießenden Kosten für Lebensmittel und Energie führen“, so Aichberger.

Österreich auf Platz 20 der Umweltsünder
Österreich liegt mit seinem großen ökologischen Fußabdruck von fünf Hektar hinter der Schweiz auf Platz 20, während Deutschland erst auf Platz 30 zu finden ist. Der Wasserverbrauch Österreichs liegt weltweit auf Platz 36 unter den 140 untersuchten Staaten. Die USA und China haben den größten nationalen Fußabdruck mit jeweils ungefähr 21 Prozent der weltweiten Biokapazität. US-Bürger beanspruchen durchschnittlich jeweils 9,4 Hektar (oder beinahe viereinhalb Planeten, würde die gesamte Weltpoplulation so wie US-Bürger leben). Chinesen nehmen durchschnittlich 2,1 Hektar pro Person (oder einen Planeten) in Anspruch.

Rückgang der Arten
Der „Living Planet Index“ zeigt einen fast 30-prozentigen Rückgang bei annähernd 5.000 berücksichtigten Populationen von 1.686 Arten seit 1970. Die Ursachen für diese dramatischen Verluste in unserem natürlichen Reichtum sind die Abholzung in den Tropen (50-prozentiger Rückgang), der Dammbau, Flussregulierungen und der Klimawandel, der sich besonders bei Süßwasserarten (35-prozentiger Abfall) zeigt. Umweltverschmutzung und Überfischung sowie zerstörerische Fischmethoden in den Meeren und Küstenregionen leisten ebenfalls einen beachtlichen Beitrag.

Wasser immer knapper
Der seit 2008 neue Wasser-Fußabdruck zeigt die Bedeutung von Wasser als Rohstoff auf. Ein Baumwoll-T-Shirt benötigt in der Herstellung 2.900 Liter Wasser. Im Durchschnitt konsumiert jeder Mensch 1,24 Millionen Liter Wasser pro Jahr. Das entspricht etwa der Hälfte eines olympischen Schwimmbeckens. Diese Zahl variiert jedoch von 2,48 Millionen Liter pro Person und Jahr in den USA und 619.000 Liter pro Kopf jährlich im Jemen. “Etwa 50 Länder müssen sich derzeit mit Wasser-Problemen auseinandersetzten und die Zahl an Menschen, die unter saisonaler oder ganzjähriger Wasserknappheit leiden, wird als Folge des Klimawandels weiter steigen”, so der Bericht. Etwa ein Drittel der Menschheit ist schon jetzt von Wasserknappheit betroffen.




Posten Sie Ihre Meinung Neu anmelden Login |