21. September 2007 08:23

Psychiatrie-Tagung 

Zwei Prozent sind arbeitssüchtig

Mit der Beschäftigung lenken sie sich von ihren wahren Problemen ab.

Zwei Prozent sind arbeitssüchtig
© Reuters

Bis zu zwei Prozent der Österreicher und Deutschen sind nach einer aktuellen Studien süchtig nach Arbeit. "Tendenz steigend", schildert die Oberärztin der Innsbrucker psychiatrischen Ambulanz, Regina Prunnlechner. Mit den immer akuter werden Problemen der "nicht stoffgebundene Süchte" wie arbeiten, spielen, kaufen, sporteln und stehlen, befasst sich die 14. Psychiatrische Herbsttagung an der Klinik Innsbruck vom Freitag bis Samstag.

Dunkelziffer?
Genaue Erhebungen über die Anzahl der Betroffenen gebe es allerdings nicht, sagt Prunnlechner. Denn bei den "sauberen Süchten", wie der Arbeitssucht, dauere es eine Weile, bis es einem selbst bewusstwerde. Trink- und Spielsüchtige werden rasch sozial auffällig, man sieht ihnen die Abhängigkeit an.

Ablenkungsmanöver
Generell seien Süchte immer ein Verweilen auf "Nebenkriegsschauplätze". Die Betroffenen lenken mit den Abhängigkeiten von ihren eigentlichen Problemen ab. "Es ist ein Selbstwertproblem", fasst Prunnlechner zusammen. Die Hauptproblematik, ob in den betroffenen Personen selbst oder in deren Beziehungsfeld werde vernachlässigt. "Man muss die Einstellung und den Mut haben, wohin zu schauen, wo's nicht so gut aussieht. Nur dann kann man sich selbst davor bewahren", erklärt sie.

Hamsterrad
Der Druck auf die Arbeitnehmer steige kontinuierlich. Die Ausrede "Ich komme aus meiner Haut nicht raus" stimme aber nicht. "Das geht immer. Man muss nur zu Wahlmöglichkeiten befähigt werden", meint die Ärztin. Oft würden Süchtige ein "mulmiges Gefühl im Magen" verspüren, welches aber ignoriert werde. Als vernünftiger Mensch müsse man innehalten und immer wieder bilanzieren: "Bin ich ein Hamster im Rad oder schon süchtig?"

Abhängige von stoffgebundenen und nicht stoffgebundenen Süchten zeigen nach ihrer Erfahrung ähnliche Verhaltensweisen auf: Immer mehr Zeit werde für die Suchtbefriedigung verwendet, wichtige Lebens- und Beziehungsbereiche dadurch vernachlässigt. "Der Betroffene kann sein Verhalten nicht stoppen, obwohl ihm schon bewusst ist, dass er das normale Maß bereits überschritten hat", konstatiert Prunnlechner.




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