09. März 2010 08:43
Einheitliche Sterne für Hotels - davon konnte am europäischen Firmament
bisher nicht die Rede sein. Weil die Hotel-Klassifizierung seit Jahrzehnten
von Land zu Land variierte, herrschte in Europa ein Wildwuchs, der dem
Reisenden wenig Zuverlässigkeit bot. Das wollen zumindest die Hotelverbände
in Deutschland, Österreich, Schweden, Tschechien, Ungarn, der Schweiz und
den Niederlanden ändern. Sie haben sich auf einheitliche Maßstäbe zur
Bewertung ihrer Häuser geeinigt. Verbraucherschützer begrüßen die zum
Jahresbeginn gestartete, einheitliche Hotelklassifizierung - und hoffen,
dass sie sich auch in der Praxis bewährt.
Einheitliche Kriterien
"Bisher gab es einen Flickenteppich", sagt
Markus Luthe, Hauptgeschäftsführer des Hotelverbandes Deutschland (IHA). So
seien die Hotels in einigen Ländern ausschließlich nach Mindestkriterien
beurteilt worden, während etwa deutsche Häuser durch zusätzliche Angebote
punkten konnten. Diese Unübersichtlichkeit mochten die europäischen
Hoteliers ihren Kunden nicht mehr zumuten - und beschlossen im Jahr 2004
eine engere Kooperation.
Die einheitliche Klassifizierung, die nun in Österreich, Deutschland,
Schweden und Tschechien angelaufen ist und bis zum Jahresende auch in den
Niederlanden, der Schweiz und Ungarn eingeführt werden soll, basiert auf 270
Kriterien. Dazu gehören einerseits Mindestkategorien, die ein Haus je nach
Kategorie erfüllen muss. Bietet ein Hotel besonderen Service -
beispielsweise extra große Betten - so kann es damit Punkte sammeln und
seine Bewertung verbessern. Geschaut wird auch, ob die Darstellung des
Hauses im Internet mit der Realität übereinstimmt. Ob alle Kriterien
eingehalten werden, wird weiter vor Ort kontrolliert.
21.000 Hotels europaweit
In Deutschland nehmen bisher gut 8.000
Häuser an der nun einheitlich gestalteten Hotelklassifizierung teil, also
etwa 40 Prozent aller Hotels. Europaweit sollen es demnächst rund 21.000
Hotels sein. IHA-Hauptgeschäftsführer Luthe kann sich aber gut vorstellen,
dass sich nicht nur weitere Hotels, sondern auch weitere europäische Länder
anschließen werden.
Frankreich vielleicht, dessen Bewertungskriterien für Hotels sich nicht so
sehr vom Katalog der frisch gebackenen "Hotelstars Union" unterschieden.
Etwas schwieriger sei die Situation in Ländern wie Italien, wo
Regionalparlamente die Kriterien festlegten. Doch die Idee habe Charme, sagt
Luthe: "Einheitliche Bewertungskriterien machen das Reisen in Europa
attraktiver, weil sie Unsicherheiten reduzieren."
Verbraucherschützer, die seit Jahren einen Wildwuchs bei den
Hotelbewertungen beklagen, stehen der Initiative grundsätzlich wohlwollend
gegenüber. "Dass es einen Schritt zu mehr Transparenz gibt, können wir nur
begrüßen", sagt Gabriele Francke, Geschäftsführerin der Berliner
Verbraucherzentrale. Wie sich das System in der Praxis auswirke, müsse sich
allerdings noch zeigen.
So fragt sich die Verbraucherschützerin, wie Hotels über Grenzen hinweg
zuverlässig miteinander verglichen werden können: "In Italien ist ein
Steinfußboden romantisch, in Norwegen einfach nur kalt." Auch spielten bei
der Ausstattung von Hotels nationale Gegebenheiten eine Rolle.
Nach Ansicht Franckes wird auch viel davon abhängen, inwieweit die Vorgaben
eingehalten werden. "Die Kriterien müssen veröffentlicht und eingehalten
werden. Und wenn jemand dagegen verstößt, muss er rigoros von der Liste
gestrichen werden."
Harmonisierung
Dass die Hotelbewertungen in Europa harmonisiert
werden sollen, findet auch der Tourismusforscher Harald Pechlaner gut. "Das
bedeutet mehr Vertrauen, mehr Transparenz für den Verbraucher." Eine totale
Vergleichbarkeit werde es allerdings niemals geben, stellt der an der
Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt lehrende Professor klar.
"Ausstattung und Servicequalität kann man standardisieren und damit
klassifizieren. Gastfreundlichkeit aber nicht."