12. Jänner 2012 09:50

Todeszonen 

Erderwärmung gefährdet Leben in Meeren

ETH-Studie: Weite Teile könnten zu sauerstofflosen Todeszonen werden.

Erderwärmung gefährdet Leben in Meeren
© sxc

Die Erderwärmung könnte dafür sorgen, dass in Zukunft weite Teile der Weltmeere zu sauerstofflosen Todeszonen werden. Das befürchtet ein Forscher der ETH Zürich nach einer Analyse des Sauerstoffgehalts der Ozeane der letzten 20.000 Jahre.

Meerestiere ersticken
Ist kein oder zu wenig Sauerstoff im Wasser, ersticken Meerestiere. An einigen Stellen des nordwestlichen Pazifik geschieht dies schon heute alljährlich im Sommer, wie die ETH Zürich am Donnerstag in ihrer Webzeitung "ETH Life" schrieb. Die Wellen spülen Unmengen toter Fische, Krabben oder Weichtiere an die Strände.

Zukunft
Noch handle es sich um ein regionales Phänomen. Doch dies könnte sich in Zukunft ändern, wie eine im Fachmagazin "Nature Geoscience" publizierte Studie zeigt. Samuel Jaccard vom Geologischen Institut der ETH Zürich wertete dafür mit einem Kollegen aus Kanada die Sauerstoff-Daten aus Sedimentbohrkernen aus. Anhand der Daten konnten die Forscher rekonstruieren, wie sich der Sauerstoffgehalt der Ozeane - insbesondere des Pazifiks und des Indischen Ozeans, in den vergangenen 20.000 Jahren verändert hat. Besonders interessant war die Zeit zwischen dem Höhepunkt und dem Ende der letzten Eiszeit, also vor 20.000 bis 10.000 Jahren.

In diesem Zeitraum stieg die globale Durchschnittstemperatur um rund zwei Grad Celsius. Gleichzeitig sank der Sauerstoffgehalt vieler Meere dramatisch, wie die Studie zeigt. Sauerstofflose Meereszonen dehnten sich nach der Erwärmung stärker aus als während der Kaltzeit.

Temperaturen steigen

Heute gehen Klimaforscher davon aus, dass die Temperaturen wiederum um zwei Grad steigen - doch diesmal in wenigen hundert Jahren. Seit der industriellen Revolution hat sich die Erde bereits um beinahe ein Grad erwärmt. Selbst die optimistischsten Klimamodelle rechnen bis ins Jahr 2100 mit einer Erwärmung um durchschnittlich zwei Grad.

Die Analyse der Forscher ist zwar kein Beweis dafür, dass sich der Sauerstoffgehalt der Meere genauso verändert wie in der letzten Eiszeit. Doch die beiden Forscher gehen davon aus, dass die aktuelle rasche Klimaerwärmung zu einem ähnlichen Phänomen führen könnte.

Derzeit gelten rund 15 Prozent der Ozeane als sauerstoffarme oder -lose "Todeszonen". Besonders bedenklich ist, dass viele von ihnen in Meeresgebieten liegen, die besonders viel Leben beherbergen. Insbesondere für die großen Fische des offenen Meeres schrumpft der Lebensraum - mit ernsten Folgen auch für die Fischerei.

Der Sauerstoff im Meerwasser stammt vor allem aus dem Gasaustausch der Meeresoberfläche mit der Luft. Warmes Wasser aber kann aus physikalischen Gründen weniger Sauerstoff aufnehmen als kaltes. Zudem bilden sich bei einer Erwärmung des Meeres stabilere Wasserschichten, zwischen denen der Gasaustausch weniger gut möglich ist.
 




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