150 Leichen vor Tunesien geborgen

Drama

150 Leichen vor Tunesien geborgen

Vor der tunesischen Küste sind nach Angaben der Vereinten Nationen die Leichen von 150 Flüchtlingen aus Libyen geborgen worden. Die Menschen seien auf dem Weg nach Italien gewesen, als es zu Problemen an Bord gekommen sei, berichtete die staatliche tunesische Nachrichtenagentur TAP am Freitag. Eine Vertreterin des UNO-Flüchtlingshochkommissariats UNHCR erklärte, die Leichen seien bei der Insel Kerkennah angeschwemmt worden. Die Suche nach weiteren Opfern halte an. Unter den Toten sollen auch Frauen und Kinder sein.

Insgesamt wurden nach der Havarie zunächst bis zu 270 Menschen vermisst. Sie waren bereits am Mittwoch nach einer Massenpanik an Bord ihres gekenterten Kutters in den Fluten verschwunden. Nach UNHCR-Angaben wurden weitere 578 Menschen gerettet und in Auffanglager nahe der tunesischen Grenze zu Libyen gebracht. Die meisten seien Schwarzafrikaner. "Das war offenbar einer der schlimmsten und tödlichsten Unfälle im Mittelmeer in diesem Jahr", sagte ein UNHCR-Sprecher.

Die toten und noch vermissten, vermutlich ertrunkenen Flüchtlinge reihen sich in eine traurige Statistik ein. Allein seit Beginn der Unruhewelle in Nordafrika verschwanden rund 1.650 Menschen auf ihrer Flucht vor Armut und Krieg in den Fluten des Mittelmeers. Die Zahl übersteigt den bisherigen Rekord von 2008. Damals ertranken bei der letzten großen Flüchtlingswelle im Laufe des Jahres offiziell 1.274 Menschen in der Straße von Sizilien.

Die Dunkelziffer liegt dabei ungleich höher. Von Vermissten und Toten erfährt Europa in der Regel nur durch Berichte Überlebender oder im Meer treibende Leichen. Italienische Medien sprachen Freitag bereits von einem neuen "annus horribilis" - einem neuen Horrorjahr.

Das am Mittwoch gesunkene Boot hätte die großteils aus Schwarzafrika stammenden Flüchtlinge von Libyen zur italienischen Insel Lampedusa bringen sollen. Vor den tunesischen Kerkennah-Inseln erlitt der Kahn jedoch bei schwerer See eine Motorpanne. Italienischen Medienberichten zufolge konnten sich die Rettungseinheiten nur in kleinen Schiffen und Schlauchbooten dem havarierten Kutter nähern, da er sich in flachem Wasser befand. Nur langsam seien zunächst Frauen und Kinder vom sinkenden Boot in Sicherheit gebracht worden. In Panik hätten sich daher viele der Schwarzafrikaner in die Fluten gestürzt.

Seit Jänner wählten 42.000 Immigranten die als extrem gefährlich geltende Mittelmeerroute, um Italien und damit Europa zu erreichen. Oft sind die Boote wenig seetauglich, fast immer völlig überladen. Viele der Afrikaner können zudem nicht schwimmen. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind seit Februar mehr als 20.000 Menschen von Tunesien und 13.000 von Libyen aus über das Meer zu ihrer gefährlichen Fahrt in Richtung Lampedusa aufgebrochen.

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