50.000 warten in Italien auf Weiterreise zu uns

Täglich Boote in Seenot

50.000 warten in Italien auf Weiterreise zu uns

Mehr als 20.000 Asylanträge sind heuer in Österreich gestellt worden. Im Schnitt kommen 800 bis 900 neue pro Woche dazu. Gehen die Zahlen nicht zurück, wird die Obergrenze von 37.500 für 2016 nicht zu halten sein. Es könnten 50.000 werden, vielleicht noch mehr.

In den Ministerien wird bereits nachgedacht, ob und wie das sogenannte „Asyl-Notstandsgesetz“ umgesetzt werden könnte. Tatsache nämlich ist: Seit Schließung der Balkan­grenze steigt die Zahl der Flüchtlingsboote im Mittelmeer rasant an. Allein in den vergangenen fünf Tagen sind 14.000 Flüchtlinge aus Libyen in Italien angekommen. Insgesamt waren es seit Jahres­beginn mindestens 50.000.

Dramatik
17 Rettungsein­sätze musste die italienische Küstenwache allein am Freitag durchführen. Dennoch kommt es beinahe täglich zu Tragödien: Ein völlig überladenes Boot mit rund 550 Flüchtlingen an Bord kippte um. Das Glück: Ein Schiff der italienischen Küstenwache war in der Nähe – „nur“ fünf Flüchtlinge ertranken. Nach drei weiteren Schiffsunglücken wurden 45 Tote geborgen. Dutzende werden vermisst. Insgesamt starben seit Jahresbeginn im Mittelmeer 1.350 Flüchtlinge. Europas beliebtestes Urlaubsziel – längst ein Massengrab.

Die süße Favour (9 Monate) wollen alle adoptieren

Hoffen
Es gibt aber auch kleine Hoffnungsschimmer und glückliche Momente in diesem neuen Flüchtlingsdrama: Von einem havarierten Boot wurde die erst neunjährige Favour geborgen. Die Mutter des Flüchtlingsmädchens kam aus Mali, war hochschwanger. An Bord ihres Bootes brach ein Feuer aus, sie erlitt tödliche Verletzungen. Die sterbende Mutter drückte Favour einer anderen Flüchtlingsfrau in die Arme: „Pass auf sie auf.“

Die Kleine wird inzwischen vom Lampedusa-Inseldoktor Pietro Bartolo betreut. Er sagt: „Alle wollen die kleine Favour adoptieren, das Telefon steht nicht mehr still.“

Nackte Zahlen
Bis zum Jahresende rechnet Italien mit der Rekordzahl von 200.000. Aber: In Libyen warten noch bis zu eine Million Menschen auf die Überfahrt. Auch rollt eine neue Flüchtlingswelle aus dem Irak. Es ist somit nur eine Frage der Zeit, bis der Brenner geschlossen und in Thörl-Maglern scharfe Grenzkontrollen eingeführt werden müssen. Karl Wendl

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