Ägypten:

Karl Wendl in Kairo

© Reuters

Ägypten: "So erlebe ich den Aufstand"

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Das war die Live-Berichterstattung zu dem Aufruhr in Ägypten am Sonntag. Alle Informationen des heutigen Tages hier zum Nachlesen.

22:19  Das Außenministerium in Berlin hat aufgrund der angespannten Sicherheitslage in Ägypten seine Reisehinweise für das Land weiter verschärft. "Das Auswärtige Amt rät von Reisen nach Ägypten aufgrund der instabilen Lage derzeit ab", teilte das Amt am Sonntagabend mit.

22:00 Die ägyptische Polizei soll am Montag zurück auf die Straßen. Nur am Tahrir-Platz werde es zunächst keine Polizeipräsenz geben.

21:21 Die ägyptische Regierung hat die Ausgangssperre ausgeweitet. Sie gelte ab Montag von 15.00 Uhr bis 08.00 Uhr (Ortszeit, 14.00 Uhr bis 07.00 Uhr MEZ) am folgenden Morgen, berichtete das Staatsfernsehen am Sonntagabend. Damit beginnt die Sperre eine Stunde früher.

20:41 Unter dem Jubel tausender Demonstranten im Zentrum der ägyptischen Hauptstadt Kairo hat der Oppositionspolitiker Mohamed ElBaradei den Ton gegen Ägyptens Staatschef Hosni Mubarak weiter verschärft. Das Land stehe "am Beginn einer neuen Ära", rief der Friedensnobelpreisträger der Menge am Sonntagabend zu.

20:20 Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat an Präsident Hosni Mubarak appelliert, die angekündigten Reformen umzusetzen und auf Gewalt zu verzichten. Sie habe Mubarak bei einem Telefonat am Sonntagnachmittag vor allem gemahnt, einen Dialog mit der Bevölkerung zu führen und "auf deren berechtigte Forderungen einzugehen", teilte die Bundesregierung mit.

19:57  Wegen Chaos und Gewalt fliehen immer mehr Bürger der ägyptischen Oberschicht aus dem Land. Am Sonntag seien bis zum Beginn der Ausgangssperre erneut 45 Privatflugzeuge vom Flughafen Kairo gestartet, mit denen Unternehmer, Diplomaten und Künstler sowie ihre Familien ausflogen.

19:19 Angesichts der Unruhen haben mehrere Länder Vorbereitungen getroffen, ihre Staatsbürger auszufliegen. Das Auswärtige Amt in Berlin bat die deutschen Fluggesellschaften, zu prüfen, ob zusätzliche Linienflüge aus der Hauptstadt Kairo bereitgestellt werden können. Auch die USA, die Türkei sowie verschiedene europäische Länder aktualisierten ihre Reisewarnungen und schickten zum Teil zusätzliche Flugzeuge zur Ausreise.

18:54 US-Außenministerin Hillary Clinton hat von Ägyptens Staatschef Hosni Mubarak einen "geordneten Übergang" zu einem demokratischen System verlangt. Mubarak, der "noch immer an der Macht" sei, müsse "das Notwendige unternehmen", um "demokratische und wirtschaftliche Reformen" herbeizuführen, sagte sie am Sonntag.

18:22 Die Proteste in Ägypten gefährden auch die antiken Kunstschätze des Landes. Im Ägyptischen Museum, wo der Schatz des Tutanchamun ausgestellt ist, kam es zu Plünderungen und Zerstörungen. Arabische Fernsehsender zeigten Bilder von umgestürzten Figuren und eingeschlagenen Vitrinen in der weltberühmten Antikensammlung. Die langjährige Direktorin des Museums, Wafaa el-Saddik, machte Wachpersonal und Polizisten dafür verantwortlich. Mittlerweile werde das Museum vom Militär geschützt.

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In Kairo herrscht der Ausnahmezustand.

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17:52 Der ägyptische Friedensnobelpreisträger Mohamed ElBaradei hat sich am Sonntag ungeachtet eines Hausarrests einer Demonstration gegen das Regime von Präsident Hosni Mubarak angeschlossen. ElBaradei wolle sich in einer Rede an die Menge auf dem Tahrir-Platz wenden.

17:40 Auch die ägyptischen Muslimbrüder fordern einen Rücktritt von Präsident Hosni Mubarak und riefen die Opposition zur Bildung einer Regierung der Nationalen Einheit auf. Mit dem Oppositionspolitiker und Friedensnobelpreisträger Mohamed ElBaradei gebe es bereits Gespräche, sagte der Sprecher der Muslimbrüder, Dschamal Naser.

17:13 Die ägyptische Armee zeigte zum Beginn der Ausgangssperre um 16.00 Uhr Stärke. Kampfjets überflogen den Tahrir-Platz im Tiefflug, während Soldaten in zusätzlichen Fahrzeugen auf den Platz vorrückten. Die Armee rief die Bürger auf, sich an die Ausgangssperre zu halten.
 

16:52 Auch in Wien wurde gegen die ägyptische Regierung protestiert. Alle Infos hier!

ägypten_wien.jpg (c) APA/HERBERT P. OCZERT

16:40 Tausende Demonstranten setzen ihre Proteste gegen das Regime des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak auch am Sonntag trotz einer Ausgangssperre fort. Auf dem zentralen Tahrir-Platz in der Hauptstadt Kairo hielten sich eine Stunde nach Beginn der Ausgangssperre etwa 7.000 Demonstranten auf.

16:18 China hat am Sonntag die Internet-Suche nach dem Stichwort "Ägypten" blockiert. Die Blockade gilt für sogenannte Mikro-Blog-Funktionen chinesischer sozialer Netzwerke wie Sina.com und Sohu.com. Eine entsprechende Suchanfrage auf den Twitter-ähnlichen Seiten ergab entweder kein Ergebnis oder einen Hinweis auf entsprechende gesetzliche Einschränkungen.

15.44 Ein AUA-Flug von Kairo nach Wien hat sich verzögert. Die Flugzeug-Crew konnte wegen der Unruhen nicht zeitgerecht zum Flughafen kommen, hieß es am AUA-Schalter des Wiener Flughafens. Ob und wann die Maschine Richtung Österreich starten wird, ist noch nicht bekannt. Sie hätte planmäßig um 13.50 Uhr in Wien landen sollen.

15.38 Kampfflugzeuge überfliegen den zentralen Tahrir-Platz im Tiefflug, während Soldaten mit mindestens 16 Fahrzeugen auf den Platz vorrücken, berichteten Augenzeugen wenige Minuten bevor um 16.00 Uhr (15.00 MEZ) wieder eine Ausgangssperre formal in Kraft trat.

15.10 Arabische Staaten beginnen, ihre Bürger verstärkt auszufliegen. Bisher habe es mehr als zwölf Evakuierungsflüge vor allem nach Jordanien, Katar, Kuwait, Saudi-Arabien und in die Golf-Emirate gegeben, erklärte die Flughafenverwaltung. Ein Augenzeuge berichtete, auf dem Airport gebe es ein "fürchterliches Gedränge". Es warten vor allem viele US-Bürger, Türken und Italiener auf ihren Abflug.

15.02 In Maadi im Süden von Kairo, wo auch viele Ausländer leben, wird ein Supermarkt der französischen Kette Carrefour geplündert. Viele Bewohner von Maadi haben bereits ihre Häuser aus Angst um ihre Sicherheit verlassen. Entweder kehrten sie gleich in ihre Heimatländer zurück oder sie suchten Zuflucht in einem der gut geschützten Luxushotels in Kairo.

14.35 In der Kairoer Innenstadt haben sich erneut Tausende Menschen versammelt. Die Stimmung ist friedlich. Aus allen Richtungen strömen die Menschen auf den zentralen Tahrir-Platz. Über der Stadt kreisen Hubschrauber des Militärs.

Tahrir

13.53 Nach 30 Jahren Mubarak "reicht es", sagte ein Demonstrant, ein Anhänger radikaler Islamisten. "Die Regierung will, dass die Bevölkerung Mubarak angesichts der chaotischen Zustände für die einzige Lösung hält", sagte anderer mit Blick auf Gerüchte, dass die politische Führung das Chaos bewusst fördern könnte, um später mit harter Hand einzugreifen.

13.40 Präsident Mubarak hat nach einem Bericht des Staatsfernsehens Armee-Einheiten in einem Hauptquartier besucht. Mubarak sei auch mit dem von ihm am Vortag zum Stellvertreter ernannten Geheimdienstchef Omar Suleiman zu Beratungen zusammengekommen. Das Staatsfernsehen berichtete nicht, welches Hauptquartier der Präsident besucht hat.

13.28 Die Austrian Airlines (AUA) als auch Flyniki haben ihre für Sonntag geplanten Ägypten-Flüge wie geplant durchführen können. "Wir haben gute Kontakte im Land, sobald es die Sicherheit nicht mehr erlaubt, stellen wir die Flüge ein", sagte AUA-Sprecher Hödl. Der Flughafen Kairo selbst sei weiterhin gut erreichbar, dort sei es auch noch zu keinen Unruhen gekommen. Der Flughafen befindet sich etwa 30 bis 35 Kilometer von der Stadt entfernt.

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In Kairo herrscht der Ausnahmezustand.

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13.10 Wachleute sollen in Kairos Museum geplündert haben: Einige der Polizisten hätten offenbar vorher ihre Jacken ausgezogen, "um nicht als Polizisten erkennbar zu sein". Eine zweite Gruppe der Täter sei von hinten über eine Feuerleiter durch die Dachfenster eingestiegen, erzählt die Direktorin des ägyptischen Museums. Auch zwei Mumien seien beschädigt worden. Dutzende Bürger bildeten am Samstag eine Menschenkette um das Ägyptische Museum, das eine der berühmtesten und wertvollsten Antikensammlungen der Welt beherbergt, um Plünderungen zu verhindern.

12.25 Ein Augenzeuge berichtete in Kairo, Hooligans hätten bereits am Samstag ein großes Gerichtsgebäude angezündet in der Stadt. Dabei seien auch viele Strafakten von den Flammen vernichtet worden. Am Rande Kairos machten Straßenräuber die Lage unsicher, wie Autofahrer berichteten.

Kairo

12.14 Der heimische Mineralölkonzern OMV holt derzeit seinen österreichischen Mitarbeiter und dessen Familie vorübergehend nach Österreich zurück. Derzeit beschäftigt die OMV neben dem Expatriate weitere sechs Mitarbeiter im Land. Die OMV Niederlassung selbst befindet sich in Kairo.

11.58 Die ägyptische Armee ist am Sonntag in Teile der Touristenregion Sharm el-Sheikh am Roten Meer eingerückt. Auch in Al-Arisch im Norden der Sinai-Halbinsel hätten Soldaten Stellung bezogen, berichteten Augenzeugen und Sicherheitskreise auf dem Sinai.

11.35 "In vielen Stadtteilen formieren sich Bürgerwehren gegen Plünderer. Sie riegeln ganze Straßenzüge ab, bewaffnet mit Prügeln, Golfschlägern und Flinten."

11.07 ÖSTERREICH-Reporter Karl Wendl aus Kairo: "Kairo macht am Vormittag einen eher ruhigen Eindruck. Über der Stadt kreisen unablässig Militärhubschrauber."

10.58 Die ägyptische Armee hat bei Einsätzen gegen Plünderer bisher 450 Menschen festgenommen. Allein in den Städten Alexandria und Ismailija hätten Soldaten mehr als 250 Kriminelle festgesetzt, berichtete der arabische Nachrichtensender Al-Arabija. Das ägyptische Staatsfernsehen meldete unterdessen, auch aus einem Gefängnis in Wadi al-Natrun nördlich von Kairo seien Tausende Häftlinge entkommen, wie zuvor schon aus anderen Haftanstalten. Die ägyptische Börse und Banken sollen bis auf weiteres geschlossen bleiben

10.45 ÖSTERREICH-Reporter Karl Wendl aus Kairo: "Die Polizeiinspektionen in der Stadt sind leer und größtenteils abgefackelt. Dutzende Polizei-Transporter und -Lkw stehen auf den Straßen herum, ausgebrannt wie Gerippe."

10.35 Die US-Botschaft in Kairo hat am Sonntag den Amerikanern nahegelegt, Ägypten so rasch wie möglich zu verlassen. Die Botschaft erklärte, man werde die Betroffenen so schnell wie möglich über Möglichkeiten zur Ausreise informieren. Gleichzeitig wurde eine Reisewarnung ausgegeben, in der US-Bürger aufgefordert wurden, wegen der Unruhen nicht nach Ägypten zu reisen.

10.30 "Überall in der Stadt stehen Soldaten. Sie sind extrem freundlich und sehr zurückhaltend. Ihre Panzer und Armeefahrzeuge sind mit Parolen gegen Mubarak beschmiert - die Soldaten wehren sich nicht dagegen. Auf den Straßen ist nicht ein einziger Polizist zu sehen."

10.20 ÖSTERREICH-Reporter Karl Wendl berichtet live am Telefon: "Ich bin gerade am Tahrir-Platz im Zentrum Kairos, wo immer die Demonstrationen starten. Hier sind geschätzte 50.000 Menschen versammelt, es kommen immer mehr. Ab 13.00 Uhr werden weitere Demonstrationen erwartet."

10.05 Die ägyptische Regierung hat den arabischen Fernsehsender Al-Jazeera abgestellt. Wie die amtliche ägyptische Nachrichtenagentur Mena am Sonntag meldete, ordnete der scheidende Informationsminister Anas el Fekki ein Empfangsverbot für den Satellitensender an. Der Sender aus Katar hatte bisher umfassend über die Proteste gegen die ägyptische Regierung berichtet.

09.25 In den Straßen des Stadtzentrums von Kairo ist es in der Früh ruhig. Zwar harrten trotz der Ausgangssperre noch Demonstranten, die den Rücktritt von Präsident Hosni Mubarak fordern, über Nacht auf dem zentralen Tahrir-Platz aus. Doch es sind weniger als zuletzt.

09.13 Nach Informationen des lokalen Fernsehens gelang im Gefängnis Abu Saabel, außerhalb Kairos, ungefähr 6.000 Gefangenen die Flucht. Ein weiterer Gefangenenausbruch wurde aus dem Zentralgefängnis in der Oasenstadt Fajum südlich von Kairo gemeldet. Dort sollen die Häftlinge einen Polizeigeneral getötet und einen weiteren General verschleppt haben.

08.41 Tausende Häftlinge sind aus den Gefängnissen geflohen. Darunter sind auch Schwerverbrecher und islamistische Extremisten.

08.22 Bis zum späten Abend waren noch Ausschreitungen und Plünderungen aus Kairo gemeldet worden. In den Wohnvierteln der Hauptstadt, wo das Militär nicht in Stellung gegangen war, organisierten sich Bewohner in Bürgerwehren, um sich gegen Plünderer zu schützen. Die Armee hatte die Bürger per SMS aufgefordert, die bis 0800 Uhr (0700 MEZ) geltende Ausgangssperre einzuhalten, und andernfalls "scharfen Maßnahmen" angekündigt.

08.14 Nach den heftigen Protesten der vergangenen Tage hat sich die Lage in der ägyptischen Hauptstadt in der Nacht auf Sonntag nach Medienberichten etwas entspannt. Wie eine Korrespondentin des arabischen Senders Al-Jazeera am Morgen aus Kairo berichtete, sei es in den Straßen des Stadtzentrums ruhig. Zwar hätten trotz der Ausgangssperre noch Demonstranten, die den Rücktritt von Präsident Hosni Mubarak fordern, über Nacht auf dem zentralen Tahrir-Platz ausgeharrt. Ihre Zahl sei aber deutlich zurückgegangen.

Nächste Seite: Bericht aus Kairo von ÖSTERREICH-Reporter Karl Wendl

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