Ägypterinnen:

Immer mehr Frauen bei Demos

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Ägypterinnen: "Nichts wird sein wie früher"

Immer mehr Frauen beteiligen sich an den Demonstrationen auf dem Tahrir-Platz in Kairo. Sie geben dem "Freistaat Kairo", der da in den letzten zwei Wochen im Herzen der ägyptischen Hauptstadt entstanden ist, ein besonderes Kolorit. Zwar sind die meisten Opfer der Gewalt gegen die Demokratiebewegung Männer. Doch auch eine junge Frau wurde von einem Stein tödlich getroffen. Das Großposter von Sali Sahran ist - zusammen mit dem der anderen "Märtyrer" der Bewegung - auf dem Platz mehrfach zu sehen. Es zeigt eine blühende Schönheit mit langem, gelocktem Haar.

"Wir bleiben, bis er geht"
Am Dienstagnachmittag stehen etwa 200 Frauen in einer großen Gruppe zusammen - sie tragen alle Kopftuch, einige wenige sogar den Ganzkörperschleier. Unermüdlich skandieren sie Parolen gegen das Regime des ungeliebten Präsidenten Hosni Mubarak. "Das Hindernis auf dem Weg zur Freiheit ist Mubarak" oder "Wir bleiben, bis er geht", sind Sprüche, die sie immer wieder herausschreien. Es sind religiöse Frauen, die sich in der Gruppe sicherer fühlen. Eine von ihnen, die Diplom-Kindergärtnerin Marwa, erklärt: "Im Islam ist es so, dass Frauen darauf achten sollen, dass sie im Gedränge nicht von Männern angerempelt werden. Aber es sind auch Christinnen mit uns."

Sandwiches und Schokoriegel für Protestierende
Die Diätetikerin Sherifa Abul-Fatur hat derlei Berührungsängste nicht. Sie trägt ihr Haar auch offen. Mit großen Taschen und Säcken bahnen sie und ihre Freunde sich ihren Weg durch immer enger beieinanderstehende Menschenmengen. Sie steuern die Dauerdemonstranten an, die am Rande des Platzes, an Hausmauern gelehnt, auf schmutzigen Matten campieren. Abul-Fatur verteilt Sandwiches und Schokoriegel an die hungrigen Platzbesetzer.

Solidarität
Für sie ist es ein selbstverständlicher Akt der Solidarität. Angehörige und Arbeitskollegen legen das Geld zusammen für die Einkäufe, sie und ihre Cousine Rasha, die als erste die Idee dazu hatte, verteilen die Lebensmittel. "Ich mache das, damit diese Menschen hier weitermachen können", begründet sie ihren freiwilligen Einsatz. "Das muss hier weitergehen, damit es zu einem echten Wandel kommt." Sie formuliert, was viele hier denken: ließe der Druck der Straße erst einmal nach, würde das Regime die versprochenen politischen Reformen im Sand verlaufen lassen.

Improvisiertes Lazarett
In den Hinterhöfen der ersten Häuserreihe am Platz haben Ärzte und Medizinstudenten ein improvisiertes Lazarett eingerichtet. Hier waren junge Ärztinnen und Krankenschwestern mit dabei, als in den Tagen und Nächten der brutalen Angriffe auf die Demonstranten die Verletzten versorgt wurden. "Ich habe Eingriffe vorbereitet, Ampullen und Tupfer weitergereicht", erinnert sich die Zahnarzt-Studentin Hind Ahmed.

Sie hat, zum ersten Mal in ihrem Leben, aus nächster Nähe schreckliche Kopfwunden, Messerstich- und sogar Schussverletzungen gesehen. Die Wunden konnten nur unter lokaler Betäubung genäht werden, für die Vollnarkose fehlte es in diesem Katakomben-Spital an den nötigen Maschinen. Ahmed haben diese Erfahrungen nachhaltig geprägt. "Ich war vorher eher unpolitisch", sagt sie. "Ich kam hierher, als ich von den Verletzten hörte, die Hilfe benötigten. Mit der Zeit wurde mir klar, dass die Demonstranten mit ihren Forderungen nach echtem Wandel Recht haben."

"Man muss keine Angst haben"
Draußen auf dem Platz hält die Lehrerin Doaa Faruk ein kleines Pappkarton-Schild vor die Brust. "Die Ägypter sind Kämpfer und unschlagbar", steht in Englisch darauf. Sie kam am Dienstag überhaupt zum ersten Mal hierher. "Ich merke jetzt, dass man keine Angst haben muss", betont sie. Sie ist überwältigt von der Kraft der Demonstration: "Ich erlebe zum ersten Mal, dass Menschen frei und offen sprechen."

Mit der zunehmenden Normalisierung sollen die Schulen an diesem Sonntag wieder öffnen. "Wenn ich zu meinen Kindern zurückkehre", sagt Faruk, "werde ich ihnen alles erzählen. Was ich hier gesehen und erlebt habe, mit eigenen Augen. Nichts wird mehr so sein wie früher."

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