Agentur spionierte deutsche Politiker aus

"Stern"-Bericht

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Agentur spionierte deutsche Politiker aus

Das Ausmaß der Bespitzelung prominenter deutscher Politiker durch eine Fotoagentur ist nach einem "Stern"-Bericht offenbar größer als bisher bekannt. Die Berliner Agentur CMK habe auch den früheren Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sowie den ehemaligen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Günther Oettinger, und den niedersächsischen Regierungschef Christian Wulff (beide CDU) ins Visier genommen. Die Illustrierte "Bunte" wandte sich erneut gegen den Eindruck, sie habe Politiker systematisch ausspähen lassen.

In der vergangenen Woche hatte der "Stern" berichtet, CMK habe für die "Bunte" unter anderem den früheren SPD-Chef Franz Müntefering und den scheidenden Linken-Chef Oskar Lafontaine bespitzelt. Die "Bunte" bestätigte diese Rechercheaufträge, wies aber den Vorwurf unseriöser Methoden zurück. Der Verlag leitete zugleich juristische Schritte gegen den "Stern" ein.

Privatleben ausspioniert
Die neuen Fälle betreffen dem jetzigen "Stern"-Bericht zufolge ebenfalls das Privatleben der Politiker. Mit Ausnahme von Wulff, der nach "Stern-Information von einem CMK-Mann in die Flitterwochen nach Pisa verfolgt worden sei, sei es um Fotos und Belege für mögliche neue Beziehungen gegangen. Wie das Hamburger Magazin unter Berufung auf interne Abrechnungsunterlagen der CMK berichtete, nahm die Agentur am 3. und 4. November 2007 Tiefensee ins Visier. Der SPD-Politiker habe damals eine Beziehung zu seiner heutigen Lebensgefährtin Annette Bender gehabt, die er demnach allerdings noch nicht bekannt gemacht hatte.

EU-Energiekommissar Oettinger und seine heutige Lebensgefährtin Friederike Beyer seien nach Aussage eines ehemaligen CMK-Mitarbeiters im Herbst 2008 in den Fokus der Agentur geraten. Dabei seien zum Beispiel die Privatadressen ermittelt worden, und an zwei Wochenenden wurde beiden nachgestellt. Mitte November habe Oettinger die Liaison dann selbst publik gemacht.

"Bunte" bestreitet Auftrag
Die "Bunte" räumte in einer am Mittwoch veröffentlichten Erklärung ein, dass ihr die Agentur CMK in zwei Fällen Fotos angeboten habe, die dann auch veröffentlicht worden seien. "Es gab dazu jedoch keinen Auftrag", hieß es in der Erklärung. In einem anderen Fall habe CMK einen Fotoauftrag von "Bunte" erhalten. Das Foto sei mit ausdrücklichem Einverständnis des Politikers und seiner Begleitung zustande gekommen.

Auch die Fotoagentur CMK wies die Darstellung des "Stern" zurück. CMK weise den Vorwurf der "Bespitzelung", durch den der "Stern" einen unlauteren Eindruck erwecke, in aller Form zurück, hieß es in einer Erklärung. Die Presseagentur toleriere keine "Bespitzelungsmethoden" und wende bei Recherchen auch keine solchen an. Die Arbeitsweise der Presseagentur richte sich nach den geltenden gesetzlichen sowie den standesrechtlichen journalistischen Grundsätzen.

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