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Angriffe in den Nachbarländern

Guerilla-Taktik in Mali

Angriffe in den Nachbarländern

Gao, Timbuktu, Kidal - binnen weniger Tage ist die französische Armee in die wichtigsten Städte im Norden Malis eingerückt. Aus ihren Hochburgen waren die Islamisten jedoch schon vor der Ankunft der Franzosen geflohen. Frankreichs Premierminister Jean-Marc Ayrault warnte denn auch vor "übertriebener Siegessicherheit", die Gefahr sei noch nicht gebannt. Experten rechnen nun mit einer "Guerilla-Taktik" der schwer bewaffneten islamistischen Gruppen in Mali - und befürchten die Ausweitung des Konflikts auf die Nachbarländer.

"Nach der Befreiung dieser Städte, müssen sie gehalten werden. Das bedeutet Checkpoints, das bedeutet Kontrollen, das bedeutet auch das Risiko von Kamikaze-Kommandos oder Selbstmordanschlägen", meint Dominique Thomas vom Institut für islamische Studien und die muslimische Welt in Paris.

Experten erinnern daran, dass auch die USA und ihre Verbündeten in Afghanistan nur fünf Wochen im Herbst 2001 brauchten, um Kabul einzunehmen und die Taliban zu vertreiben. Mit Überfällen, Bombenanschlägen und Selbstmord-Attentaten verbreiten die Islamisten dort bis heute Angst und Schrecken.

In Mali weisen zahlreiche Berichte darauf hin, dass sich die bekanntesten Chefs der Islamisten-Gruppen - der Tuareg Iyad Ag Ghaly von Ansar Dine und der Algerier Abou Zeid von Al-Kaida in Nordafrika (AQMI) - in die Berge bei Kidal an der algerischen Grenze zurückgezogen haben. Das Gebirgsmassiv von Ifoghas rund 1.500 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Bamako kennen die Islamisten in- und auswendig.

"Sie sind dabei, sich im Norden zu verteilen, in den Gebirgsregionen, die schwer zugänglich und schwer anzugreifen sind", sagt Terrorexperte Jean-Charles Brisard. Inzwischen könnten ihre Chefs aber auch schon im Niger oder in Algerien sein. "Es beginnt ein asymetrischer Konflikt an zwei Fronten: in Mali und zugleich außerhalb." Es gebe zwar auch in Frankreich ein Anschlagsrisiko, aber "aus praktischen Gründen streben diese Gruppen in erster Linie Vergeltungsmaßnahmen in Afrika an".

AQMI und seine Verbündeten haben in den vergangenen Jahren schon oft ihre Schlagkraft in der Region bewiesen, zuletzt bei der blutigen Geiselnahme auf einem Gasfeld in Algerien Mitte Jänner. Das islamistische Kommando, das Hunderte Menschen in seine Gewalt gebracht hatte, setzte sich aus Algeriern, Tunesiern, Ägyptern, Maliern, Nigerianern, Kanadiern und einem Mauretanier zusammen.

Viele Experten gehen davon aus, dass sich der Konflikt nun auf die gesamte Sahel-Zone ausweiten könnte. "Niemand ist mehr sicher, es gibt kein Refugium mehr", ist sich Algerien-Spezialist Kader Abderrahim vom Institut für internationale und strategische Beziehungen (Iris) in Paris sicher.

"Sie werden sich neu ausrichten, in Libyen, Algerien, sogar Tunesien. Das ist vor allem ein internationales Netzwerk", befürchtet auch der malische Spezialist für islamistische Bewegungen, Souleimane Mangane. Mali sei zwar das "Epizentrum" der Krise gewesen. Aber: "Ihr Ziel ist es, eine regionale Unsicherheit zu schaffen, und es ist sehr wahrscheinlich, dass wir Angriffe auf strategisch wichtige Einrichtungen, Gas oder Öl, erleben werden."

Dominique Thomas mahnt, die Entwicklung in den anderen Ländern der Sahel-Zone, deren Grenzen kaum zu kontrollieren sind, müsse genau beobachtet werden - "vor allem die Fähigkeit Libyens, sich als sicherer und stabiler Staat zu strukturieren".

In Mali, wo die Islamisten der direkten Konfrontation mit den französischen und malischen Soldaten ausgewichen sind, könnten vor allem die Städte zum Ziel islamistischer Angriffe werden. Für Alain Antil vom französischen Institut für internationale Beziehungen (Ifri) zeichnet sich die künftige Strategie der Islamisten dort ab: "Sie dürften sich der eher klassischen Guerilla-Taktik zuwenden, Störungen, punktuelle Angriffe, mit Entführungen und Anschlägen."

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