03. Juni 2013 15:31
Ruby-Prozess:
Berlusconi-Verteidiger forderte Freispruch
Rechtsanwalt klagte über Voreingenommenheit der Mailänder Richter.
Berlusconi-Verteidiger forderte Freispruch
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Die Rechtsanwälte des italienischen Ex-Premiers Silvio Berlusconi haben am Montag bei ihrem Schlussplädoyer im sogenannten "Ruby"-Prozess den Freispruch ihres Mandanten gefordert. Es sei keine Straftat begangen worden, versicherte Berlusconis Anwalt Nicolo Ghedini am Montag vor Gericht in Mailand. Er bestritt sexuelle Kontakte zwischen Berlusconi und der jungen Marokkanerin Ruby, alias Karima El Mahrough. Berlusconi habe sich gegenüber Ruby lediglich menschlich gezeigt und ihr finanzielle Unterstützung gesichert.

Ghedini warf den Mailänder Richtern Voreingenommenheit gegenüber ihrem Mandanten vor. Staatsanwältin Ilda Boccassini habe Berlusconi ohne Beweise vorverurteilt. Berlusconi könne nur freigesprochen werden. Als "absolut übertrieben" bezeichnete Ghedini die Forderung einer sechsjährigen Haftstrafe für Berlusconi seitens der Mailänder Staatsanwaltschaft, die die Ermittlungen um die Beziehung zwischen Berlusconi und Ruby im Jahr 2010 in die Wege geleitet hatte.

Die Staatsanwaltschaft wirft Berlusconi Amtsmissbrauch vor, weil er Ruby im Frühjahr 2010 mit einem Anruf in Mailand vor Schwierigkeiten mit der Justiz bewahren wollte, nachdem die junge Frau wegen Diebstahls angezeigt worden war. Berlusconi gab an, er habe sie für eine Verwandte des damaligen ägyptischen Staatspräsidenten Hosni Mubarak gehalten und diplomatische internationale Verwicklungen vermeiden wollen, was laut Staatsanwältin Boccassini sehr unglaubwürdig ist.

Ghedini betonte, dass Berlusconi laut mehreren Zeugen bei einem offiziellen Dinner mit Mubarak im Mai 2010 in Rom über Ruby gesprochen hatte. "Dies beweist, dass Berlusconi absolut überzeugt war, dass Ruby aus Ägypten stammte", sagte Ghedini.

Staatsanwältin Boccassini hatte vor drei Wochen neben der sechsjährigen Haftstrafe auch einen lebenslangen Ausschluss Berlusconis aus allen öffentlichen Ämtern verlangt. Der 76-Jährige sei wegen Amtsmissbrauchs zu fünf Jahren Haft zu verurteilen, so die Staatsanwältin. Wegen Geschlechtsverkehrs mit Ruby forderte Boccassini ein zusätzliches Jahr Haft. Es sei unbestreitbar, dass Berlusconi die damals 17-Jährige für Sex mit ihm bezahlt habe, sagte er. Mit einem Urteil in dem seit April 2011 laufenden Verfahren ist am 24. Juni zu rechnen.

Inzwischen ist ein weiterer, parallel laufender Prozess gegen drei Vertrauensleute Berlusconis wegen des Falls Ruby in die Endphase getreten. Die Mailänder Staatsanwaltschaft hat am Freitag eine siebenjährige Haftstrafe für den Ex-Chefredakteur der Tagesschau TG4, Emilio Fede, den ehemaligen Showgirl-Manager Lele Mora und die frühere Regionalpolitikerin Nicole Minetti gefordert. Die drei Berlusconi-Vertrauensleute werden beschuldigt, Callgirls, darunter Ruby, für ausschweifende Partys in der Villa Berlusconis bei Mailand vermittelt zu haben. Die Angeklagten wussten, dass Ruby noch minderjährig war, betonte der Staatsanwalt. Mit einem Urteil im Prozess ist voraussichtlich Anfang Juli zu rechnen.