Betrugsvorwürfe bei Präsidentschaftswahl

Haiti

Betrugsvorwürfe bei Präsidentschaftswahl

Wegen Betrugsvorwürfen haben fast alle wichtigen Kandidaten bei der Präsidentschaftswahl in Haiti eine Annullierung der Abstimmung gefordert. Zwölf der insgesamt 19 Bewerber riefen ihre Anhänger in einer gemeinsamen Stellungnahme zu Protesten gegen die Regierung und die Wahlbehörde auf. Bei gewaltsam ausgetragenen Rivalitäten zwischen Anhängern einzelner Kandidaten waren in den letzten Tagen vor der Wahl am Sonntag mehrere Menschen ums Leben gekommen. Viele Stimmberechtigte warteten noch auf ihre Wahlscheine.

Wahlberechtigte und mehrere Kandidaten erklärten, Staatschef René Préval, der nicht erneut antreten durfte, wolle die Abstimmung zugunsten des Kandidaten Jude Celestin beeinflussen. Die Politikerin Anne Marie Josette Bijou sagte, sie habe Fotos und Unterlagen, um Betrug nachzuweisen.

Tote nach Krawallen
Bei Zusammenstößen zwischen Anhängern rivalisierender Kandidaten der Präsidentschaftswahlen sind unterdessen mindestens zwei Menschen getötet worden. Nach Angaben der Polizei wurden am Sonntag in Aquin im Süden des Landes zwei Menschen erschossen. Bei Zusammenstößen in weiteren Orten seien zudem mehrere Menschen verletzt worden. In der Hauptstadt Port-au-Prince forderten außerdem mehrere tausend Demonstranten, die Wahl für ungültig erklären zu lassen.

In der Stadt Les Cayes beendete am Freitag ein Kugelhagel eine Kundgebung des Musikers und Präsidentschaftskandidaten Michel "Sweet Mickey" Martelly. Berichten zufolge kam dabei ein Anhänger Martellys ums Leben. Das Wahlkampfteam des Musikers machte Celestin, Préval und deren Einheits-Partei für den Vorfall verantwortlich.

Unter den mehr als 4,7 Millionen registrierten Wählern waren nach Angaben der Vereinten Nationen und der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) Hunderttausende Menschen, die im Jänner dem verheerenden Erdbeben zum Opfer fielen. Viele noch lebende Wähler, die sich an der Wahl beteiligen wollen, hatten bis Sonntag entweder keinen Wahlschein erhalten oder wussten nicht, wo sie ihre Stimme abgeben sollten.

Préval darf nicht mehr antreten
Bei der Wahl geht es um die Nachfolge von Prévals, der nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten darf. Der amtierende Staatschef unterstützt Celestin, den Leiter einer staatlichen Baufirma, der als Kandidat von Prévals neu gegründeter Einheits-Partei bis zum Schluss einen gut finanzierten Wahlkampf führte.

Der Sieger der Präsidentschaftswahl wird Milliarden Euro an Hilfsgeldern zu verwalten haben, die Geberländer nach dem verheerenden Erdbeben vom vergangenen Jänner zugesagt hatten. Der künftige Präsident sieht sich jedoch auch mit Millionen obdachlosen Erdbebenopfern und einer grassierenden Cholera-Epidemie konfrontiert. Nach dem jüngsten Ausbruch der Krankheit in Haiti sind bislang mehr als 1.600 Menschen ums Leben gekommen. Erste Ergebnisse der Präsidentschaftswahl werden nicht vor dem 7. Dezember erwartet.
 

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