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Obama: Streit um die Osama-Frauen

Spannungen

Obama: Streit um die Osama-Frauen

Pakistan nahm nach der US-Kommandoaktion drei von Bin Ladens Frauen fest. Die USA wollen sie für die Jagd auf weitere Terrorführer verhören.

Die Spannungen nach der Tötung von Al-Kaida-Boss Osama bin Laden (†54) zwischen Washington und Islamabad eskalieren. US-Präsident Barack Obama beschuldigte Pakistan im ersten Interview nach der Navy-Seals-Kommandoaktion (siehe unten), der Terrorführer hätte sich während der sechs Jahre in dem Versteck in Abbottabad "offenbar auf ein Netzwerk an Unterstützern" verlassen können. Unklar sei für Obama das "Ausmaß der Hilfe" – und ob Regierungskreise involviert waren.

Bin Ladens Harem
Die USA wollen mit der aggressiven Rhetorik mehr Kooperation bei der Jagd auf weitere Al-Kaida-Führer erzwingen, vor allem die bei der Razzia zurückgelassenen, von pakistanischen Polizisten festgenommenen Ehefrauen des Terrormonsters verhören. Bin Ladens jüngste Frau, Amal al-Sadah (29), der ins Bein geschossen wurde, plaudert in einem Militärspital Geheimnisse über die innere Funktionsweise Al-Kaidas aus, ließ Pakistans Geheimdienst ISI durchblicken.

Laut CNN wurde der Pass einer weiteren Frau, der Mutter des ebenfalls getöteten Bin-Laden-Sohnes Chalid (†22), entdeckt. US-Sicherheitsberater Tom Donilon sprach von "insgesamt drei Frauen" in Gewahrsam. Auch die festgehaltenen Kinder will die CIA verhören.

"Sanftmütig"
Neue Details gibt es zu Bin Ladens Harem – insgesamt ließ er fünf Witwen und über 20 Kinder zurück: Die Jemenitin al-Sadeh kaufte er mit 5.000 Dollar an Schmuck und Kleidung, als sie bloß 17 war. Seine erste Frau, eine Cousine, gebar ihm elf Kinder, beschrieb ihn in einem Buch (2009) als "sanftmütig". Von seiner zweiten Frau ließ sich Bin Laden scheiden, da sie sich über ihr karges Leben als Terroristen-Braut beschwerte.

Mit den drei letzten Frauen lebte er "in voller Eintracht in der Versteckvilla", so Bin-Laden-Buchautor Peter Bergen.
 

Obama: "Nicht einmal Michelle war eingeweiht"

Frage: Es gab Widerstand einiger Ihrer Berater gegen die Kommandoaktion gegen Bin Laden.
Barack OBAMA: Wir schätzen Teamarbeit hier. Die Bedenken wurden gehört, der Angriffsplan wurde deshalb noch präziser. Meine Hauptsorge war, dass wir unsere Jungs auch heil wieder rausbringen. Und natürlich geisterte durch meinen Kopf: die gescheiterte Befreiungsaktion der Iran-Geiseln, Black Hawk down in Somalia.

Frage: Dazu galt die höchste Geheimhaltungsstufe …
OBAMA: Es gab nur einen ganz kleinen Kreis im ­White House, der Bescheid wusste. Ich konnte es nicht einmal Michelle erzählen! Sie war nicht eingeweiht. Aber es war all das Risiko wert: Wir haben bisher viel Blut und Ressourcen verbraucht im Kampf gegen Al-Kaida.

Frage: Nach Ihrer Entscheidung mussten Sie lange ein Pokergesicht bewahren …
OBAMA: Ich entschied Donnerstagabend, informierte mein Team am Freitag, dann flog ich in die Tornadozonen von Alabama, zum vermeintlichen Shuttle-Start, hatte Samstag das Korrespondenten-Dinner. Als US-Präsident muss man viele Rollen gleichzeitig spielen.

Frage: Wie war die Stimmung im Situation Room?
OBAMA: Angespannt. Es wurden nur wenige Worte gewechselt. Wir konnten die Entwicklungen in Echtzeit verfolgen, sahen Explosionen, hörten Maschinengewehrfeuer. Es mussten Löcher in die Mauern gesprengt werden. Letztlich war es eine Situation, bei der die Chancen nur 55 zu 45 Prozent standen. Es waren die längsten 40 Minuten in meinem Leben.

Frage: Wie erfuhren Sie von Bin Ladens Tod?
OBAMA: Die Helikopter waren auf dem Rückweg zur Basis, als die Nachricht kam, dass "Geronimo", das Codewort für Bin Laden, getötet wurde. Es fehlten noch die Beweise, doch ich war schon erleichtert.

Frage: Es gibt Kritik am ­Alleingang Amerikas.
OBAMA: Wer nicht denkt, Bin Ladens Tod wäre gerecht, der sollte sich einmal im Gehirn untersuchen lassen.

Autor: Herbert Bauernebel/New York
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