Brüssel-Terror: 2. U-Bahn-Attentäter festgenommen

Belgien

Brüssel-Terror: 2. U-Bahn-Attentäter festgenommen

Belgische Ermittler haben knapp drei Wochen nach den Anschlägen von Brüssel einen weiteren Terrorverdächtigen festgenommen. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft am Samstag der Agentur Belga, ohne nähere Angaben zu machen.

Bei dem Festgenommenen Osama K. handelt es sich um den zweiten U-Bahn-Attentäter von Brüssel. Kurz vor der Explosion wurde er in der Brüsseler Metrostation Maelbeek an der Seite des Selbstmordattentäters gesehen. Der Abgebildete soll in einem Einkaufszentrum jene Taschen erworben haben, die später bei den Anschlägen benutzt wurden.

Osama K. wurde bereits verurteilt
Nach Angaben des Senders VRT und der Zeitung "De Standard" soll Osama K. vergangenes Jahr wegen Mitgliedschaft in der Islamisten-Organisation "Sharia4Belgium" zu fünf Jahren Haft verurteilt worden sein. Er sei aber vorzeitig freigekommen.

Osama K. soll sich im vergangenen Jahr in Deutschland aufgehalten haben. Der Mann wurde nach den bisherigen Ermittlungen am 3. Oktober vom mutmaßlichen Paris-Terroristen Salah Abdeslam in Ulm abgeholt und nach Belgien gebracht.

"Mann mit dem Hut" gefasst

Am Vorabend hatte sie bereits die Festnahmen von fünf Männern gemeldet, darunter der im Zusammenhang mit den Pariser Terroranschlägen gesuchten Mohamed Abrini. Offen ist weiterhin, ob es sich bei ihm auch um den als "Mann mit dem Hut" bekannten dritten Flughafenattentäter von Brüssel handelt.

Seit November wurde er gesucht

Abrini war bereits seit November zur Fahndung ausgeschrieben, seine Festnahme am Freitag ist ein wichtiger Fahndungserfolg. Die Ermittler prüfen nun, ob der 31-jährige Belgier auch der Mann ist, der am 22. März am Brüsseler Flughafen mit den beiden Selbstmordattentätern gesehen wurde.

Unklar war zunächst, ob ein Großeinsatz der Polizei im Brüsseler Stadtteil Etterbeek am Samstag ebenfalls im Zusammenhang mit den Anti-Terror-Ermittlungen stand. Wie Augenzeugen dem Sender RTBF sagten, waren rund 50 Beamte im Einsatz. Augenzeugen berichteten laut Belga, dass zwischenzeitlich auch Scharfschützen und Bombenexperten der Armee an Ort und Stelle waren.

Anklage wegen terroristischen Mordes
Sowohl Abrini, als auch Osama K. wurden wegen "terroristischen Mordes" angeklagt. Bei den Anschlägen am Brüsseler Flughafen und in einem U-Bahn-Wagen hatten die Terroristen am 22. März 32 Menschen getötet. Die Terrorserie von Paris am 13. November vergangenen Jahres kostete 130 Menschen das Leben, zudem starben am Tag der Anschläge und bei einer späteren Polizeiaktion insgesamt neun Attentäter. Die Urheber der Bluttaten standen nach Erkenntnissen der Ermittler in Verbindung. In beiden Fällen bekannte sich die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) zu den Anschlägen, die in Syrien, im Irak und in Libyen große Gebiete beherrscht.

Genaue Rolle bei Anschlägen noch unklar

Spuren von Abrini fanden die Ermittler in zwei Wohnungen in der Brüsseler Gemeinde Schaerbeek. Es seien Fingerabdrücke und DNA sichergestellt worden, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Seine genaue Rolle bei den Terroranschlägen in Paris ist bisher unklar. Er war zwei Tage vor den Attentaten gemeinsam mit dem inzwischen festgenommenen Salah Abdeslam an einer Tankstelle an der Autobahn nach Paris gefilmt worden. Mit Abdeslam, einem Hauptverdächtigen der Paris-Ermittlungen, soll Abrini auch eine Unterkunft für die Terroristen nahe Paris gemietet haben. Der Belgier marokkanischer Abstammung wuchs im Brüsseler Brennpunktviertel Molenbeek in Nachbarschaft der Familie Abdeslam auf. Abrini und Salah Abdeslam seien Freunde von Jugend an gewesen, berichtete Abrinis Mutter der Nachrichtenagentur AFP im November. Er hat drei Brüder und zwei Schwestern.
 

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