27. Juli 2010 17:42
Die 20 Todesopfer der Loveparade in Duisburg sind alle an Brustquetschungen
gestorben. Das gab die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore
Kraft am Dienstag in Düsseldorf bekannt. Sie wies damit frühere Meldungen
zurück, wonach die meisten Opfer zu Tode stürzten. Der Befund legt nahe,
dass die Opfer in der Menschenmenge erdrückt wurden.
Bürgermeister auf Urlaub
Unterdessen berichtete
"Bild"-Zeitung, dass der Duisburger Bürgermeister Adolf Sauerland (CDU) in
den Tagen vor der Katastrophe nicht in Duisburg gewesen sein soll. Er sei
mit seiner Familie auf Urlaub in Österreich gewesen.
Sauerland habe demnach auch nicht am Samstagmorgen vor der Loveparade die
ordnungsbehördliche Erlaubnis für die Parade erteilt. Das habe die
Verwaltung getan. Eine Stadtsprecherin erklärte, dass die Erlaubnis bereits
am Tag zuvor unterzeichnet worden sei.
Aber wusste Bescheid
Einem Bericht des Nachrichtenportals
"DerWesten" zufolge hat die politische Spitze der Stadt Duisburg vier Wochen
vor der Love Parade massive Bedenken des Bauordnungsamts ignoriert. Der
Website liegt nach eigenen Angaben ein Sitzungsprotokoll vor, in dem die
Einwände der Verwaltung im Detail formuliert sind und auf dessen
handschriftlich vermerktem Verteiler auch Oberbürgermeister Sauerland stehen
soll. Demnach wäre er - entgegen seinen Aussagen - informiert gewesen.
Schaulustige
Der Schauplatz der Tragödie zieht immer mehr
Schaulustige an. Am Dienstagnachmittag waren auf der für den Autoverkehr
gesperrten Straße mehrere hundert Menschen unterwegs, viele hätten
Erinnerungsfotos geschossen. Trauernde seien inzwischen eher in der
Minderheit, sagte ein Augenzeuge.
Am Montagabend hätten rund 1.000 Besucher die Unfallstelle besucht, sagte
ein Duisburger Polizeisprecher. Viele Neugierige seien durch die Tunnel bis
zu der Rampe gelaufen, die hoch auf das Festgelände führt. Dort waren am
Samstag zahlreiche Besucher verletzt oder getötet worden.