Bus-Attentat: Angst vor ausufernder Gewalt

Jerusalem

Bus-Attentat: Angst vor ausufernder Gewalt

Die Dämonen haben sich in Jerusalem zurückgemeldet. Die Furcht vor neuen blutigen Selbstmordanschlägen in Linienbussen, welche die zweite Intifada der Palästinenser prägten, beherrschte am Dienstag die Schlagzeilen der israelischen Presse.

Mit Blick auf das bevorstehende jüdische Osterfest werden tausende Polizisten bei den heiligen Stätten postiert. Die Entdeckung eines Tunnels aus dem Gazastreifen heizte die Ängste weiter an.

Anschlag
Bei dem Anschlag, der einen Brand in zwei Linienbussen auslöste, wurden am Montag 21 Menschen verletzt, von denen 13 am Dienstag weiter im Krankenhaus behandelt wurden. Ein schwerverletzter Palästinenser wurde noch nicht identifiziert; bei ihm könnte es sich um den Attentäter handeln. Die Polizei verhängte am Dienstag eine einmonatige Nachrichtensperre über Details der Ermittlungen.

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Es handelte sich um den ersten Bombenanschlag in einem Bus in Jerusalem seit 2011, als eine britische Touristin starb. Während des zweiten Palästinenseraufstands von 2000 bis 2005 wurden vor allem in Jerusalem zahlreiche Selbstmordattentate in Bussen verübt.

Neue Eskalationsstufe
Eine von Oktober bis März anhaltende Gewaltwelle, die zumeist von palästinensischen Einzeltätern mit Stichwaffen ausging, war gerade erst weitgehend abgeklungen. Regierung und Sicherheitskräfte führten dies auf die ungleiche Opferbilanz zurück. 28 Israelis und vier Ausländer starben, während zugleich nach AFP-Zählung 201 Palästinenser, zumeist Angreifer, erschossen wurden. Der Bombenanschlag vom Montag wurde deshalb als neue Eskalationsstufe gewertet.

Zugleich warnten Experten aber vor Überreaktionen. Avi Dichter, Ex-Chef des israelischen Inlandsgeheimdienstes, sagte im staatlichen Rundfunk, auch wenn das Vorgehen an die zweite Intifada erinnere, müsse konstatiert werden, dass es sich um einen sehr kleinen Sprengsatz gehandelt habe, hinter dem keine ausgefeilte Infrastruktur stecke.

Verdeckte Fahndung
Itamar Jaar, früherer Vizevorsitzender des Nationalen Sicherheitsrates, setzt auf verdeckte Fahndung und das Aufspüren möglicher Hintermänner, um weitere Bombenanschläge zu unterbinden. Eine Vervielfachung der Absperrungen und Durchsuchungen könne zwar die Bevölkerung beruhigen, bringe aber kaum erhöhte Sicherheit.

Mit Blick auf das einwöchige Pessachfest, das am Freitagabend beginnt, forderte Stadtsprecher Brachie Sprung die Jerusalemer und die vielen tausend jüdischen Touristen auf, "besonders aufmerksam zu sein, aber so schnell wie möglich zur Normalität zurückzukehren". Keinerlei Veranstaltungen würden abgesagt, erklärte Sprung.

Angespannte Lage
Dennoch herrschte insbesondere rund um den Tempelberg in der Altstadt, der seit 1300 Jahren den islamischen Felsendom und die Al-Aksa-Moschee beherbergt, bereits seit Tagen eine sehr angespannte Lage. Denn die Juden und Muslimen besonders heilige Stätte wird zu Pessach entgegen eines Dekrets der Oberrabbiner von vielen nationalistischen Juden besucht. Manche versuchen, dort religiöse Rituale vorzunehmen. Dies verbietet die israelische Polizei, um Provokationen gegenüber den Muslimen zu vermeiden.

Polizeisprecher Micky Rosenfeld kündigte die Stationierung von tausenden Beamten an, um die Sicherheit zu gewährleisten. Es sei die höchste Warnstufe ausgerufen worden.

Einigung abgesagt
Eine im Oktober von US-Außenminister John Kerry vermittelte Einigung, Dutzende Überwachungskameras auf dem Tempelberg zu installieren, um Provokationen beider Seiten festzustellen, wurde unterdessen von der jordanischen Regierung abgesagt. Diese ist für den Schutz der muslimischen Stätten im besetzten Ostteil Jerusalems zuständig und machte Vorbehalte der palästinensischen Regierung gegen die Überwachung geltend.

Furcht vor akuter Eskalation
Zugleich wuchs die Furcht vor einer akuten Eskalation des Nahostkonflikts auch durch den Fund eines Angriffstunnels aus dem Gazastreifen, den die dort herrschende islamistische Hamas mehrere hundert Meter weit unter israelisches Gebiet vorangetrieben hatte. Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu verknüpfte die Bekanntgabe der Entdeckung am Montag mit dem Hinweis, es sei eine Technologie entwickelt worden, solche Bauten vor der endgültigen Fertigstellung zu orten.

Die Grenzgemeinden und die Medien reagierten skeptisch. Die meistverkaufte Tageszeitung Jediot Ahronot erklärte Netanyahu am Dienstag zum "Mister Unsicherheit".

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