Côte d'Ivoire: Massenflucht nach Staatskrise

Bürgerkrieg befürchtet

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Côte d'Ivoire: Massenflucht nach Staatskrise

Staatskrise in der westafrikanischen Republik Côte d'Ivoire (Elfenbeinküste): Das Land hat nach einer umstrittenen Stichwahl zwei konkurrierende Präsidenten. Staatschef Laurent Gbagbo weigert sich ungeachtet massiven internationalen Drucks, den von der unabhängigen Wahlkommission verkündeten Sieg seines Herausforderers Alassane Ouattara anzuerkennen.

Die Vereinten Nationen haben mit der Evakuierung ihrer zivilen Mitarbeiter nach Gambia und Senegal begonnen. Die rund 10.000 UNO-Blauhelm-Soldaten hingegen sollen in der Elfenbeinküste bleiben.

"Obwohl es noch keine größeren Gewaltausbrüche gegeben hat, fliehen die Menschen nach Ghana und Liberia", sagte UNDP-Vertreter André Carvalho am Dienstag.

In der größten Stadt und Wirtschaftsmetropole Abidjan berichteten Einwohner von nächtlichem Gewehrfeuer in mehrheitlich von Anhängern Ouattaras bewohnten Vierteln. Augenzeugen sagten, sie seien von Sicherheitskräften beschossen worden, die offenbar Gbagbo gehorchen.

Zwei Regierungen im Land
Am vergangenen Samstag hatten sich sowohl Gbagbo als auch Ouattara als Staatsoberhaupt auf die Verfassung vereidigen lassen. Damit hat das westafrikanische Land faktisch zwei Regierungen. Ouattara hatte die Stichwahl nach Angaben der Wahlkommission mit 54,1 Prozent der Stimmen gewonnen. Der Verfassungsrat, der das Wahlergebnis kundzumachen hat und dessen Vorsitzender ein enger Parteifreund Gbagbos ist, rief am vergangenen Freitag im Staatsfernsehen jedoch den Amtsinhaber zum Wahlsieger aus.

Lebensmittelpreise steigen
Die Unsicherheit hat nach Angaben des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen das tägliche Leben in der Elfenbeinküste größtenteils zum Erliegen gebracht. "Seit der Wahl haben die Menschen nicht mehr gearbeitet und kein Geld verdient", sagte Carvalho. Sollte sich die Situation nicht ändern, befürchtet der UNDP-Bevollmächtigte eine humanitäre Krise, "die Lebensmittelpreise werden steigen". Ein Reporter des britischen Rundfunksenders BBC berichtete, auf den Märkten von Abidjan seien die Preise für Fleisch und Kartoffeln um 25 beziehungsweise 60 Prozent gestiegen. Auch Benzin, Zucker und Kerosin zum Kochen würden zunehmend knapp.

Ausschluss aus Westafrikanischer Wirtschaftsgemeinschaft
Als Reaktion auf den Machtkampf hat die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) das Land vorläufig aus ihren Reihen ausgeschlossen. Der Herausforderer von Amtsinhaber Laurent Gbagbo, Alassane Ouattara, sei der rechtmäßige Sieger, betonte der nigerianische ECOWAS-Präsident Goodluck Jonathan.
 

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