Nach Senats-Wahl

"Darth Vader" ist Obamas größter Gegner

Mitch McConnell ist der neue starke Mann im Senat. Bisher war der 72-jährige Republikaner aus Kentucky der Minderheitsführer in der Kongresskammer, nach dem Wahlerfolg seiner Partei wird er wohl als Mehrheitsführer die Schlüsselstellung in der Kongresskammer einnehmen.

Opfer von Spot
McConnell, den Kritiker immer wieder als biederes Geschöpf der Washingtoner Hinterzimmer-Politik verspottet haben, ist auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn angekommen. Ohne ihn wird Präsident Barack Obama bis zum Ende seiner Amtszeit kein Gesetz mehr durch den Kongress bekommen.

McConnell hat sich im Laufe seines politischen Lebens viele Bosheiten anhören müssen. Dem Senator wurde etwa das "Charisma einer Auster" attestiert. Das Online-Magazin "Politico" schrieb, sein Gesicht trage stets einen "cartoonhaft alarmierten Ausdruck" - wie bei einem Mann, der im kilometerweit entfernten Haus versehentlich den Herd angelassen habe. McConnell scheint sich bewusst zu sein, dass er auf Außenstehende nicht direkt sympathisch wirkt. In einer Pressekonferenz verglich er sich einmal mit dem Bösewicht "Darth Vader" aus der Science-Fiction-Reihe "Star Wars".

Für Blockadepolitik verantwortlich
Die Demokraten machen McConnell für die Blockadepolitik der Republikaner im Senat verantwortlich. Der bisherige Mehrheitsführer Harry Reid warf dem Senator aus Kentucky vor, mit den Filibuster genannten Dauerreden die parlamentarische Arbeit systematisch behindert zu haben. Seit Obamas Amtsantritt soll McConnell diesen Verfahrenstrick demnach 442 Mal angewendet haben. Im Jahr 2010 erklärte der Republikaner: "Das wichtigste Ziel, das wir erreichen wollen, ist, dass Präsident Obama nur eine Amtszeit hat."

Doch auch beim erzkonservativen Flügel der eigenen Partei ist der designierte Mehrheitsführer nicht wohlgelitten. Die Tea-Party-Bewegung hegt einen Groll gegen McConnell, weil dieser bei der Erhöhung der Schuldenobergrenze und im Streit um den Haushalt am Ende doch immer eine Vereinbarung mit den Demokraten einging. Der Senator ist in den Augen der Puristen ein Vertreter des republikanischen Establishments, der Prinzipien im Zweifel einem politischen Deal opfert.

Ziel erreicht
McConnell war immer ein ambitionierter Politiker, Präsident der Vereinigten Staaten wollte er aber angeblich nie werden. Sein Ziel sei stets die Position des Mehrheitsführers im Senat gewesen, berichteten mehrere US-Medien unter Berufung auf das Umfeld des Republikaners. Der "New York Times" sagte McConnell im August, Inspiration für seine Karriere im Senat sei ein Praktikum in der Kongresskammer Mitte der 60er-Jahre gewesen.

Kinderlähmung
McConnell wurde am 20. Februar 1942 im Bundesstaat Alabama geboren. Im Alter von zwei Jahren erkrankte er an Kinderlähmung, von der Infektion bleibt bis heute ein leichtes Hinken. Der Umgang mit den Hänseleien der anderen Kinder prägte laut "New York Times" seinen Politikstil. "Wenn man dich mit einem Kieselstein bewirft, dann werfe einen Felsbrocken zurück", zitierte ihn die Zeitung.

Rechtsruck
Als 13-Jähriger zog McConnell mit seinen Eltern nach Kentucky, wo er später zunächst Politik und dann Jus studierte. Nach einigen Jahren in der Lokalpolitik kandidierte er 1984 für den Senat und besiegte als moderater Republikaner den demokratischen Amtsinhaber. Wie die Wählerschaft in seinem Heimatstaat und auch seine Parteifreunde in Washington rückte McConnell über die Jahren zunehmend nach rechts. Als die Republikaner bei den Kongresswahlen im November 2006 den Senat verloren, übernahm er die Führung seiner Partei in der Kongresskammer.

McConnell ist in zweiter Ehe mit Elaine Chao verheiratet, die von 2001 bis 2009 unter dem damaligen Präsidenten George W. Bush Arbeitsministerin war. Die Demokraten hatten im Wahlkampf Millionensummen ausgegeben, um den Top-Republikaner zu stürzen. Außerdem boten sie in Kentucky die 35-jährige Alison Lundergan Grimes als Gegenentwurf zu McConnell auf. Doch der Senatsveteran sicherte sich eine weitere Amtszeit - und kann sich nun seinen politischen Traum erfüllen.

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