Dutzende Tote bei Anschlägen in Moskau Dutzende Tote bei Anschlägen in Moskau

Moskau

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Dutzende Tote bei Anschlägen in Moskau

Terror in der Moskauer Metro: Mitten im Berufsverkehr haben sich Montag früh Selbstmordattentäterinnen in zwei U-Bahn-Zügen in die Luft gesprengt und mindestens 38 Menschen in den Tod gerissen. Mindestens 65 weitere wurden laut dem russischen Katastrophenschutzminister Sergej Schoigu verletzt.

Die erste Selbstmordattentäterin sprengte sich nach offiziellen Angaben gegen 6.00 Uhr (MESZ) am Bahnhof Lubjanka in die Luft. Dabei wurden mindestens 23 Menschen getötet. Über dem Bahnhof liegt das Hauptquartier des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB. Der zweite Anschlag ereignete sich am Bahnhof Park Kultury. Hier wurden 14 Menschen getötet. Die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf. Ministerpräsident Wladimir Putin werde laufend über die Entwicklungen informiert, sagte ein Behördensprecher. I

Weiterer Sprengstoff gefunden
In einer der betroffenen Stationen wurde weitere Sprengstoff entdeckt. Der Gürtel wurde entschärft. In der Station wurden auch der Kopf und weitere Körperteile einer Selbstmordattentäterin im Alter von etwa 18 bis 20 Jahren gefunden.

grafik (c) dapd

Keine Österreicher unter den Toten
Die Selbstmordanschläge auf die Moskauer U-Bahn haben nach ersten Informationen keine österreichischen Opfer gefordert. Wie Botschafterin Margot Klestil-Löffler mitteilte, habe die Botschaft von den offiziellen Behörden bisher keine anderslautenden Meldungen erhalten. Sie wies allerdings darauf hin, dass die österreichische Vertretung in den kommenden Stunden noch weitere Informationen erhalten werde.

Suche nach den Drahtziehern
Zunächst bekannte sich niemand zu den Anschlägen, es wurden tschetschenische Separatisten hinter der Tat vermutet. Es war der schlimmste Anschlag in der russischen Hauptstadt seit Februar 2004. Damals wurden ebenfalls bei einem Anschlag in der U-Bahn 39 Menschen getötet und mehr als 100 verletzt.

Putin schwört blutige Rache
Staatspräsident Dmitri Medwedew und Ministerpräsident Putin verurteilten die Anschläge. Putin kündigte eine gnadenlose Jagd auf die Hintermänner der Tat an: "Die Terroristen werden zerstört werden." Medwedew erklärte am Montag, Russland werde den "Krieg gegen Terror" fortsetzen. Die Sicherheitskräfte würden kompromisslos gegen Terroristen vorgehen. Die Menschenrechte müssten aber bei Polizeieinsätzen gewahrt bleiben.

Die Europäische Union zeigte sich über die Selbstmordanschläge entsetzt. Er sei "zutiefst schockiert von den Terroranschlägen", sagte EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy am Montag. "Die Europäische Union steht entschieden an der Seite der russischen Behörden in deren Bemühungen, Terrorismus in all seinen Formen zu bekämpfen", betonte Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso.

Obama solidarisch
US-Präsident Barack Obama bekundete seine Solidarität mit dem russischen Volk. In einer am Montag veröffentlichten Erklärung sprach er dem Land sein Beileid aus und verurteilte diese "empörenden Aktionen". NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen betonte in Brüssel: "Es gibt keine Rechtfertigung für diese Art von Angriffen auf unschuldige Zivilpersonen."

Zuletzt waren im November vergangenen Jahres bei einem Anschlag auf den Schnellzug "Newski Express" zwischen Moskau und St. Petersburg 26 Menschen ums Leben gekommen. Etwa 100 weitere wurden verletzt. Tage später bekannten sich islamistische Extremisten zu der Tat und kündigten einen "Sabotagekrieg" gegen die "blutige Besatzungspolitik" Moskaus im Kaukasus an. Die Islamisten kämpfen für ein von Moskau unabhängiges Kaukasus-Emirat. Die Einsätze gegen die Untergrundkämpfer werden maßgeblich auch vom FSB gesteuert.

Die Anschläge im morgendlichen Berufsverkehr sorgten für ein Verkehrschaos in der russischen Hauptstadt. Die Moskauer U-Bahn wird täglich von über sieben Millionen Menschen genutzt. Die Moskauer Polizei rief die Bevölkerung in der Zehn-Millionen-Metropole zur größten Wachsamkeit auf. Wegen der Gefahr weiterer Anschläge wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft.

Es waren die ersten Anschläge in der Moskauer Metro seit sechs Jahren. Zuletzt sprengte sich 2004 ein Selbstmordattentäter in der U-Bahn in die Luft und riss 40 Fahrgäste mit in den Tod. Damals hatte sich ein Untergrundkämpfer aus dem Nordkaukasus in die Luft gesprengt. Militante Islamisten im Nordkaukasus hatten zuletzt immer wieder mit Anschlägen in Russland gedroht.

Lubjanka - Sitz des Geheimdienstes

Lubjanka ist für die Moskauer eine Metrostation, ein Platz und der Sitz des Inlandsgeheimdienstes FSB - früher hieß er KGB. Der Lubjanka-Platz liegt im Zentrum Moskaus in der Nähe des Kremls. Bekannt ist vor allem der gigantische Gebäudekomplex, wo einst auch der damalige FSB-Chef und heutige russische Regierungschef Wladimir Putin residierte.

Für viele Russen ist Lubjanka ein Ort des Schreckens. Hier hatte schon der gefürchtete Geheimdienst NKWD unter Sowjetdiktator Josef Stalin seine Zentrale. Das Gebäude wurde auch als Gefängnis und Hinrichtungsstätte genutzt. Zahlreiche politische Gefangene wurden in den Räumen gefoltert. Zu den prominentesten Insassen gehörte der russische Schriftsteller und spätere Literaturnobelpreisträger Alexander Solschenizyn. Zwischen 1954 und 1991 war Lubjanka das Hauptquartier des sowjetischen Geheimdienstes KGB, der mit ähnlichen Methoden arbeitete.

Heute besteht die Lubjanka aus drei Gebäuden: Hauptquartier des Geheimdienstes ist ein graues Haus. Das oft fotografierte oder gefilmte gelbe Bauwerk ist Zentrale der Grenztruppen und Sitz einer FSB-Abteilung. In einem weiteren Haus ist ein KGB-Museum untergebracht.

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