"Darüber kann man reden"

ESM-Chef bietet Portugal und Irland mehr Zeit für Tilgung an

Der Europäische Rettungsfonds ESM hat Irland und Portugal einen Aufschub für die Rückzahlung ihrer Hilfskredite in Aussicht gestellt. "Darüber kann man reden", sagte ESM-Chef Klaus Regling am Freitag am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos zu Spiegel Online. Beide Staaten wollen Schuldendienst und Zinszahlung nicht aussetzen, sondern lediglich die Laufzeiten verlängern. "Das könnte ihnen helfen, früher an den Markt zurückzukehren", sagte Regling: "Das wiederum ist in unser aller Interesse."

Die ESM-Darlehen könnten verlängert werden, wenn die Mehrheit der EU-Länder zustimmt. Für eine Verlängerung der EFSF-Kredite - dem Vorläufer des permanenten Rettungsschirm ESM - wäre ein einstimmiges Votum der 17 Euro-Länder erforderlich.

Sowohl Irland als auch Portugal haben nach längerer Abstinenz erfolgreich den Kapitalmarkt angezapft. Die Ratingagentur Fitch geht allerdings davon aus, dass Portugal ein zweites Rettungspaket seiner Euro-Partner benötigen wird. "Wir sind weiterhin der Ansicht, dass Portugal vor Ablauf des Hilfspakets von IWF und EU keinen vollen Zugang zum Markt bekommen wird", erklärte Fitch. "Daher braucht es weitere Unterstützung und ein zweites Hilfspaket."

Portugal hat bis Ende 2012 insgesamt 18,2 Milliarden aus dem EFSF und 22,1 Milliarden aus dem ESM erhalten. Die Laufzeit der EFSF-Darlehen liegt im Schnitt bei 13,5 Jahren, die der ESM-Darlehen zwischen von fünf bis 30 Jahren. Irland hat bisher 21,7 Mrd. Euro vom ESM und weitere 12 Mrd. Euro vom EFSF erhalten. Die Kredite aus dem EFSF haben eine durchschnittliche Laufzeit von fast zehn Jahren.

Neben Portugal, Irland und Griechenland hat auch Spanien Geld aus den Krisenfonds erhalten - allerdings nur zur Rettung seiner Banken. Der deutsche ESM-Chef geht davon aus, dass Deutschland sein Geld zurückbekommt. Sobald die europäische Bankenaufsicht 2014 stehe, soll der ESM auch direkt Kapital an angeschlagene Banken vergeben können. Regling pocht dabei auf eine Beteiligung der Aktionäre und der Heimatstaaten der Banken. "Zuerst verlieren ja die Anteilseigner der Bank ihre Investition, dann muss der Staat Geld geben. Und erst dann springt der ESM ein", sagte Regling. "Das wird auch bei direkten Bankenhilfen nicht anders sein."

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