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Ebola: WHO räumt Fehler ein

Epidemie

Ebola: WHO räumt Fehler ein

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am Mittwoch eingeräumt, zu langsam auf die Ausbreitung des Ebola-Virus in Westafrika reagiert zu haben. "Es ist fair zu sagen, dass die Welt, einschließlich der WHO, nicht gesehen hat, was sich entwickelte, was vor unseren Augen passieren würde", sagte WHO-Direktorin Margaret Chan dem britischen Sender BBC.

Zuvor hatte die WHO mitgeteilt, das Virus breite sich weiter aus. In Anbetracht der Tatsache, dass Ebola eine "alte Krankheit" sei, sei die Reaktion zu langsam gewesen, sagte Chan nun der BBC. "Im Nachhinein kann ich Ihnen sagen: Wir hätten eine viel, viel bessere Reaktion haben können."

Die WHO war dafür kritisiert worden, zu spät den Ernst der Lage erkannt zu haben. Außerdem wurde ihr vorgeworfen, zu bürokratisch und unter dem Einfluss der Politik zu handeln. Kritiker sehen das Zögern als Hauptgrund für die rasante Ausbreitung des Erregers.

In Genf eröffnete Chan am Mittwoch eine zweitägige Konferenz zur Ebola-Epiedmie. Dort wollten sich die Delegierten mit der Frage befassen, wie die Gesundheitssysteme in den besonders betroffenen westafrikanischen Ländern Sierra Leone, Liberia und Guinea gestärkt werden könnten.

Die Epidemie habe mit dem Tod eines Buben in Guinea vor einem Jahr begonnen, sagte Chan bei der Konferenz. Doch als sich das Virus ausbreitete, sei bei mehreren Infizierten fälschlich Cholera oder das Lassa-Fieber diagnostiziert worden. Als schließlich am 21. März offiziell Ebola festgestellt wurde, sei das Virus bereits "entfesselt" gewesen, so Chan. Sie führte dies unter anderem auf den Ärztemangel in den betroffenen Ländern zurück. Es müsse nach Wegen gesucht werden, die Zahl der Ärzte zu erhöhen, sagte sie vor den Delegierten. Zudem müsse dafür gesorgt werden, dass Kliniken stets Strom und fließendes Wasser hätten.

Laut WHO breitet sich noch immer in Teilen von Sierra Leone, Guinea und Liberia aus. Der UN-Koordinator des Einsatzes gegen die Krankheit, David Nabarro, sagte am Dienstag in Genf, es bedürfe in diesen Regionen weiter mehr ausländischer Helfer, mehr Betten und mehr Behandlungszentren. "Wir können nicht ruhen", sagte Nabarro.

Beim schlimmsten Ausbruch des Virus seit seiner Entdeckung starben bisher mehr als 6.330 Menschen, praktisch alle in Sierra Leone, Guinea und Liberia. Nabarro würdigte, dass sich Sierra Leone dem WHO-Ziel nähere, 70 Prozent der Ebola-Patienten zu isolieren und 70 Prozent der hochansteckenden Leichen sicher zu begraben. In den kommenden Wochen sollten zudem Hunderte weitere Betten verfügbar werden.

In Sierra Leone wurde zudem laut Behörden erstmals ein an Ebola erkrankter Arzt nach einer Behandlung im Land geheilt. Der Zustand eines mit Ebola infizierten italienischen Arztes, der in Rom behandelt wird, verbesserte sich leicht, wie das Spallanzani-Krankenhaus über den Kurznachrichtendienst Twitter mitteilte. Der 50-Jährige hatte sich bei seinem Einsatz für die Organisation Emergency in Sierra Leone infiziert. Das US-Magazin "Time" kürte alle Ebola-Helfer am Mittwoch zur "Persönlichkeit des Jahres" 2014.
 

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