Ein Wiener führt die Revolution

Ägypten

© AP Photo/Khalil Hamra

Ein Wiener führt die Revolution

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Die Proteste gehen weiter – das Volk Ägyptens fordert eine neue Führung. Mann der Hoffnung ist Mohammed ElBaradei, der Mann aus Wien.

Notstand in Ägypten
Zehntausende Protestierende widersetzten sich auch gestern der Ausgangssperre ab 15 Uhr. Sie laufen laut skandierend („Nieder mit Mubarak!“) durch die Straßen. Ziel: Der Tahrir-Platz – Zentrum des Volkszorns. Die Armee ist rund um den Platz postiert, hält sich aber zurück.

Schon untertags gibt es die ersten Zusammenstöße: Erneut versuchen Männer, in das Ägyptische Museum einzubrechen, um die unbezahlbaren Schätze zu zerstören. 15 werden verhaftet. Auch die Plünderungen finden kein Ende. Vor allem die reicheren Wohngegenden sind beliebte Angriffsziele.

ElBaradei bei Demos
In der Nacht zuvor widersetze auch ich mich dem Ausgangsverbot und marschiere mit den Demonstranten mit. In Massen strömen sie zum Tahrir-Platz: „Mubarak muss weg! Raus mit der korrupten Clique!“

Plötzlich kommt Unruhe auf. Ein kleiner Konvoi fährt vor. Mohammed ElBaradei (68), Ex-Chef der Atomenergiebehörde in Wien und Friedensnobelpreisträger, steigt aus. Offiziell steht er unter Hausarrest. Er kümmert sich nicht darum, hat ein klares Ziel: „Präsident Mubarak muss weg!“ Ägyptische Medien schweigen ihn tot, deshalb kommt er zu den Massen.

Er schnappt sich ein Megafon: „Mubarak muss das Land verlassen!“, ruft er den Massen zu. Dann ElBaradeis Aufruf: „Haltet durch, lasst den Druck der Straße nicht schwächer werden. Vielleicht dauert es noch mehrere Tage, aber Präsident Mubarak ist schon Geschichte!“

Bisher hat der Aufstand in Kairo keine tragende Figur. Der Wahlwiener Mohammed ElBaradei könnten diese Rolle übernehmen. Manche der Demonstranten sind noch skeptisch. „Er war zu lange in Österreich, kennt nur die internationale Szene, aber unsere Sorgen viel zu wenig!“ Aber was für ihn spricht: Als oberster Atom-Kontrollor war er nie ein Mann der Amerikaner.

Neustart
Als der 68-Jährige das bedrohliche Gedränge am Tahrir-Platz verlässt, gibt er Interviews, sagt: „Ich will nicht Präsident werden! Ich will nur, dass Mubarak aus dem Amt verschwindet. 30 Jahre sind genug, wir brauchen einen Neustart mit völlig neuen Kräften!“

Wie könnte das funktionieren? ElBaradei: „Zuerst eine sechsmonatige Übergangsregierung aus allen Gruppierungen, der ich gerne vorstehe. Dann sollen freie Wahlen auf Basis einer neuen Verfassung stattfinden.“

Auf die Frage, ob es im Hintergrund schon Gespräche mit der Armee und anderen Parteien gibt, sagt er: „Die Armee ist Teil des Landes, sie wird das auch in Zukunft sein.“

Armee beruhigt
Tatsächlich: Mit Spannung hatte man das Verhalten der Armee erwartet. Wann würde es die ersten Panzerschüsse geben? Doch die Streitkräfte, aus denen auch Diktator Mubarak kommt, erweisen sich als Faktor der Stabilität. „Unsere Präsenz auf der Straße ist für Euch und für Eure Sicherheit!“ appellierten sie Montagabend an die Aufständischen. Deren Forderungen seien für die Armee „legitim“. Und: „Wir werden niemals Gewalt gegen unser großartiges Volk anwenden.“

Nach der Demonstration verschwindet ElBaradei wieder in der Nacht. Fährt zurück in sein Haus im Stadtteil Giza. Weder Polizei noch Militär haben das Haus abgeriegelt: „Ich kann mich frei bewegen.“

Lesen sie mehr über Demonstrationsführer ElBaradei auf der nächsten Seite.

Autor: (wek, jem)
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