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Eklat! Türkei zieht Botschafter aus Berlin ab

Nach Armenien-Resolution

Eklat! Türkei zieht Botschafter aus Berlin ab

Der Deutsche Bundestag hat die Massaker an den Armeniern während des Ersten Weltkrieges im Osmanischen Reich als Völkermord eingestuft. Die umstrittene Resolution dazu wurde am Donnerstag fast einstimmig verabschiedet.

Der gemeinsam von CDU/CSU, SPD und Grünen eingebrachte Antrag wurde mit einer Gegenstimme und einer Enthaltung angenommen, wie Bundestagspräsident Norbert Lammert feststellte.

Die Regierung in Ankara hatte für den Fall einer Verabschiedung der Resolution bereits mit einer Beeinträchtigung der Beziehungen zu Deutschland gedroht. Die Türkei rief laut türkischen Medienberichten ihren Botschafter in Berlin, Hüsein Avni Karslioglu, aus Protest gegen das Votum am Donnerstag umgehend zurück.

Türkei gegen Entscheidung

Der türkische Vize-Ministerpräsident Numan Kurtulmus drohte nach der Abstimmung mit entsprechenden Maßnahmen. "Als Türkei werden wir auf diese Entscheidung natürlich auf jeder Plattform die nötige Antwort geben", teilte er am Donnerstag auf Twitter mit. "Für die Türkei ist diese Entscheidung nichtig." Die Verabschiedung der Resolution passe nicht zur Freundschaft zwischen der Türkei und Deutschland. Die Resolution sei "verzerrt und haltlos".

Armenien begrüßte dagegen die Resolution. Deutschland und Österreich als ehemalige Verbündete des Osmanischen Reiches hätten ihren Teil der Verantwortung am Völkermord an den Armeniern anerkannt, sagte Außenminister Edward Nalbandian.

"Irrational"

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und Ministerpräsident Binali Yildirim hatten im Vorfeld mehrfach dazu aufgerufen, die Resolution nicht zu verabschieden. Diese stelle die Freundschaft zwischen den NATO-Partnern auf die Probe. Es wäre "irrational", wenn die Abgeordneten für die Resolution stimmten, sagte Yildirim am Donnerstag.

Das türkische Parlament wertete die geplante Armenier-Resolution im Vorfeld ebenfalls als rechtswidrig. In einer Deklaration des Auswärtigen Ausschusses heißt es, kein "zuständiges Gericht" habe die Ereignisse nach den Regeln des Völkerrechts als Genozid bezeichnet. Der Antrag sei "ärgstes Beispiel für Politisierung und Missbrauch der erwähnten Ereignisse".

Merkel für Resolution, Steinmeier dagegen

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, Vizekanzler Sigmar Gabriel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier, die alle auch Bundestagsabgeordnete sind, waren bei der Abstimmung nicht anwesend. Steinmeier, der auf Lateinamerikareise ist, hatte ursprünglich eine Armenier-Resolution verhindern wollen. Merkel hatte am Mittwoch mitteilen lassen, dass sie die Resolution unterstütze.

Der türkischstämmige Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir betonte, es gehe nicht darum, die Türkei zu verurteilen: "Unseren türkischen Freunden möchte ich sagen: Es geht hier nicht um einen Fingerzeig." Deutschland habe geradezu eine historische Verpflichtung, Armenier und Türken zur Versöhnung zu ermuntern.

Schwieriges Verhältnis

Außerhalb des Bundestags sorgte die Resolution für unterschiedliche Reaktionen. Die Türkische Gemeinde in Deutschland sieht sie als "Politshow" mit negativen Folgen für das ohnehin schwierige deutsch-türkische Verhältnis. Die Zentralratsvorsitzende der Armenier in Deutschland, Jaklin Chatschadorian, bezeichnete die Abstimmung hingegen als wichtiges Signal.

1915 hatte die modernistisch orientierte, nationalistische jungtürkische Regierung des Osmanischen Reiches beschlossen, die christliche armenische Bevölkerung aus deren Siedlungsgebieten in Anatolien systematisch deportieren und anschließend töten zu lassen. In den Massakern und bei den Todesmärschen durch die syrische Wüste starben nach Schätzungen bis zu 1,5 Millionen Armenier.

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