Ermittlungen gegen Bischof Mixa

Sexueller Missbrauch

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Ermittlungen gegen Bischof Mixa

Die bayerische Diözese Augsburg hat Bischof Walter Mixa wegen Verdachts des sexuellen Missbrauchs angezeigt. Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt bestätigte am Freitag Vorermittlungen gegen Mixa. Nach einem Bericht der "Augsburger Allgemeinen" soll er in seiner Zeit als Eichstätter Bischof vor 2005 einen Burschen missbraucht haben. Mixa wies die Vorwürfe zurück.

Hinweis aus Umfeld
Das Bistum Augsburg bestätigte, es habe Hinweise "in Übereinstimmung mit den Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz den zuständigen Stellen zur Kenntnis gebracht und angezeigt". Es gehe um den Verdacht des sexuellen Missbrauchs, sagte Pressesprecherin Kathi Ulrich.

Das mutmaßliche Opfer sei damals noch minderjährig gewesen, berichtete die "Augsburger Allgemeine". Der Hinweis stamme nicht von dem jungen Mann selbst, sondern aus seinem Umfeld. Die Missbrauchsbeauftragen des Bistums Augsburg hätten die Staatsanwaltschaft unterrichtet.

Vatikan nimmt Mixas Rücktritt an
Papst Benedikt XVI. nimmt Medienberichten zufolge den von Augsburgs Bischof Walter Mixa angebotenen Rücktritt an. Dies werde der Vatikan morgen, Samstag, um 12.00 Uhr in Rom und Augsburg bekanntgeben, wie die Tageszeitung "Die Welt" (Samstag) unter Berufung auf römische Kirchenkreise berichtet. Ausdrücklich bestritten werde allerdings ein Zusammenhang mit den neuen Vorwürfen sexuellen Missbrauchs gegen Mixa, schreibt das Blatt. Auch das "heute-journal" des ZDF erfuhr aus Kirchenkreisen, dass eine Annahme des Rücktrittsgesuchs bevorstehe.

Nach wochenlanger Kritik und Gewaltvorwürfen ehemaliger Heimkinder hatte Mixa am 21. April dem Vatikan seinen Rücktritt angeboten. Am Freitag war zudem bekanntgeworden, dass die Staatsanwaltschaft Ingolstadt gegen Mixa Vorermittlungen wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch eingeleitet hat. Der Hinweis an die Anklagebehörde kam von der katholischen Kirche selbst.

Dem "Welt"-Bericht zufolge will bereits an diesem Samstagnachmittag das Domkapitel in Augsburg zusammentreten und einen Diözesan-Administrator wählen. Dieser soll bis zum Amtsantritt eines neuen Bischofs die Diözese leiten.

Mixa weist Vorwürfe zurück
Mixa soll sich derzeit in einem Sanatorium in der Schweiz aufhalten. Sein Anwalt Gerhard Decker sagte der "Augsburger Allgemeinen": "Mein Mandant weist die jetzt gegen ihn erhobenen Vorwürfe mit aller Entschiedenheit zurück und wird nach Kräften mit der Staatsanwaltschaft Ingolstadt zusammenarbeiten, um den Fall restlos aufzuklären."

Nach den neuen Richtlinien der Bischofskonferenz soll ausnahmslos jeder Verdachtsfall der Justiz angezeigt werden, außer die Opfer selbst wollten das ausdrücklich nicht. Die obersten Laienvertreter der Bistümer Augsburg und Eichstätt äußerten sich überrascht und "schockiert", warnten aber vor einer Vorverurteilung. Der Augsburger Diözesanratsvorsitzende Helmut Mangold sagte: "Ich hoffe, dass der Staatsanwalt Schuld oder Unschuld zügig feststellt." Sollten sich die Anschuldigungen bestätigen, wäre das der "Super-Gau" für das Bistum, sagte Mangold. Sein Eichstätter Kollege Christian Gärtner sagte, ihm sei in Mixas Zeit als Bischof in Eichstätt nichts Derartiges bekanntgeworden, nicht einmal gerüchteweise. Seine Stellvertreterin Marlies Müller sagte, sie könne sich das nicht vorstellen.

Keine weiteren Auskünfte
Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke wurde Anfang der Woche über die Vorermittlungen informiert. Das Bistum Augsburg habe ihm mitgeteilt, dass es "einen Vorwurf gegen Mixa durch den Generalstaatsanwalt in München prüfen lässt", sagte Hankes Sprecher Martin Swientek. Das Erzbistum München habe die Augsburger beraten, sagte Sprecher Bernhard Kellner.

Die bayerische Justizministerin Beate Merk sagte: "Es handelt sich um einen Hinweis, der von der Kirche direkt an die Generalstaatsanwaltschaft weitergeleitet wurde." Der Ingolstädter Oberstaatsanwalt Helmut Walter sagte: "Bei der Staatsanwaltschaft Ingolstadt werden Vorermittlungen in Richtung Dr. Mixa geführt." Aus ermittlungstaktischen Gründen könnten derzeit keine weiteren Auskünfte erteilt werden. Die Deutsche Bischofskonferenz wollte den Fall nicht kommentieren.

Der Verein "Wir sind Kirche" lobte, die katholische Kirche habe endlich begriffen, dass solche furchtbaren Vorwürfe aufgeklärt werden müssten: "Das ist ein ganz wesentlicher Fortschritt." Die Laieninitiative bekräftigte zugleich ihre Forderung, der Vatikan möge rasch über das Rücktrittsgesuch Mixas entscheiden.

Heimkinder brutal geschlagen?
Mixa hatte erst nach wochenlanger Kritik am 21. April dem Vatikan seinen Rücktritt angeboten. Ihm war zuvor in mehreren eidesstattlichen Versicherungen vorgeworfen worden, in seiner Zeit als Stadtpfarrer von Schrobenhausen (1975-1996) Heimkinder brutal mit der Faust und einem Stock geschlagen zu haben. Der Bischof hatte die Prügel-Vorwürfe zunächst geleugnet und erklärt, er versichere "reinen Herzens", niemals Gewalt gegen Kinder und Jugendliche ausgeübt zu haben. Später hatte er dann doch Schläge eingeräumt und für alle Fehlleistungen um Verzeihung gebeten.

Zusätzlich wird Mixa vorgeworfen, eine namhafte Summe von Stiftungsgeldern zweckentfremdet zu haben. Ein Sonderermittler hatte Ende April die Öffentlichkeit informiert, dass in Mixas Verantwortung große Geldbeträge aus dem Stiftungsvermögen der Schrobenhausener Waisenhausstiftung für zweifelhafte Anschaffungen wie Antiquitäten, Wein, Teppiche, Einrichtungsgegenstände und ein kaum benutztes Solarium für das Kinderheim gezahlt worden sind. Mixa erklärte, er habe es mit der "finanziellen Zuordnung" für diese Gegenstände nicht so genau genommen.

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