Erste Erfolge gegen die Ölpest im Golf

Deepwater Horizon

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Erste Erfolge gegen die Ölpest im Golf

Der Betreiber der Bohrplattform "Deepwater Horizon" steht mittlerweile auch nicht mehr als einziger im Kreuzfeuer der Kritik. Denn auch die Politik gerät zunehmend ins Visier der Ermittlungen.

US-Innenminister muss als Zeuge aussagen
US-Innenminister Ken Salazar stand bei Anhörungen im Senat als Zeuge Rede und Antwort. Ein für Ölbohrungen verantwortlicher Beamter hatte bereits seinen Rücktritt eingereicht. Und auch Präsident Barack Obama zog erste politische Konsequenzen aus der Umweltkatastrophe und richtete eine Untersuchungskommission ein.

Nach eigenen Angaben saugt BP jetzt doppelt so viel Öl aus dem beschädigten Bohrloch wie noch am Sonntag. Gut 800.000 Liter täglich strömten bisher nahezu ungehindert ins Meer. 316.000 Liter pro Tag können bereits eingefangen werden, nachdem am Wochenende ein Saugrohr in ein abgebrochenes Steigrohr am Meeresgrund eingeführt wurde.

Der Konzern will die Absaugmenge graduell erhöhen. Insgesamt wolle man etwa die Hälfte des Ölaustritts mit dieser Methode stoppen, sagte der leitende BP-Geschäftsführer Doug Suttles.

Unterwasser-Öl bedroht Florida Keys
Experten befürchten allerdings, dass pro Tag weit mehr Öl aus den zwei Lecks in 1.600 Meter Tiefe austritt als von BP angegeben. Riesige Ölschwaden unter Wasser drohten in eine Strömung zu geraten, die die schädliche Brühe in Richtung der Inselkette Florida Keys spülen könnte. An der Küste von Florida wurden bereits 20 Teerklumpen entdeckt. Die amerikanische Küstenwache lässt die Klumpen mit bis zu 20 Zentimeter Umfang im Labor untersuchen, um deren Herkunft festzustellen.

US-Behörden am Prüfstand
Unterdessen will der US-Senat herausfinden, inwieweit die Politik eine Mitschuld an der Naturkatastrophe trägt. Dazu wird Salazar, dem die für Tiefseebohrungen verantwortliche Behörde für Mineralienförderung (MMS) untersteht, von zwei Ausschüssen befragt.

Er kündigte bereits eine umfassende Reform der MMS an. Auch die Leiterin der US-Umweltbehörde EPA, Lisa Jackson, und der Chef der Küstenwache und oberste Krisenmanager, Thad Allen, wurden zu Anhörungen geladen. Erste personelle Konsequenzen gibt es bereits: Ein MMS-Abteilungsleiter kündigte am Montag seinen Rücktritt an. Obama kritisierte vergangene Woche, dass die Behörde eine zu "behagliche" Beziehung zur Ölindustrie pflege.

U-Ausschuss nach "Challenger"-Vorbild
Derweil will der US-Präsident die Umweltkatastrophe von einer Kommission untersuchen lassen, die nach dem Vorbild des Ausschusses zur "Challenger"-Katastrophe eingerichtet werden soll. Im Unterschied zu anderen Ausschüssen, die sich bereits mit Ursachen und Hintergründen der Explosion der Ölplattform "Deepwater Horizon" am 20. April und deren Folgen beschäftigen, ist diese Kommission dem Präsidenten direkt unterstellt.

Umweltschützer reichten unterdessen zwei Klagen vor Bundesgerichten in Alabama und Texas ein. Ziel ist es, eine BP-Bohrinsel schließen zu lassen, die ohne vollständige technische Unterlagen betrieben wurde. Die zweite Klage richtet sich gegen die MMS, die internen Unterlagen zufolge im April 2008 die Regeln für die Betreiber von Offshore-Projekten gelockert hatte. Bestimmte Projekte wurden demnach damals von der Verpflichtung, einen Notfallplan vorzulegen, ausgenommen.

Seit dem Untergang der "Deepwater Horizon" hat die MMS mindestens acht Aufschlussbohrungen genehmigt, obwohl nur minimale Umweltverträglichkeitsprüfungen durchgeführt wurden. Einige Senatoren fordern vom Justizministerium zu prüfen, ob BP Gesetze des Zivil- oder Strafrechts verletzt habe.

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