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Experte warnt vor Flüchtlingskollaps

Deal mit der Türkei

Experte warnt vor Flüchtlingskollaps

Die EU hat der Abschiebung von Asylbewerbern nach Griechenland gemäß dem Dublin-Verfahren vorerst eine Absage erteilt. Es seien weitere Verbesserungen im griechischen Asylsystem nötig, bevor eine Rücküberstellung von Flüchtlingen wieder in Betracht gezogen werden könne, erklärte die EU-Kommission am Mittwoch.

Athen kündigte unterdessen an, auf den griechischen Inseln festgehaltene Flüchtlinge in großer Zahl auf das Festland zu bringen.

EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos verwies darauf, dass die Lage in Griechenland mit zehntausenden Flüchtlingen äußerst angespannt sei. Es sei nicht möglich, nach den normalerweise in der EU geltenden Dublin-Regeln Flüchtlinge in ein Land zurückzuschicken, "das aus allen Nähten platzt" und dessen Asylsystem gleichzeitig wegen Mängeln reformiert werden müsse.

Experte warnt vor Kollaps

Migrationsforscher Gerald Knaus warnt nun die Europäische Union vor einem erneuten Flüchtlingskollaps. Seitdem Inkrafttreten des Flüchtlingsdeals mit der Türkei kamen 15.000 Flüchtlinge über die Ägäis, aber nur 600 zurück in die Türkei. Griechenland zögert mit Rückführungen, da sie die Lage in der Türkei für zu unsicher halten. „Wenn es nicht endlich gelingt, Migranten von den griechischen Inseln in die Türkei zurückzuführen, kollabiert das EU-Türkei-Abkommen“, warnt Knaus im Gespräch mit der „Welt“.

Zunächst hielt der Deal die Flüchtlinge zurück. Sie dachten sie hätten keine Chance aufs europäische Festland zu gelangen ohne gleich wieder in die Türkei abgeschoben zu werden. Diese Befürchtung habe sich aber nicht bestätigt. Viele wissen bereits, dass sie – wenn auch mit Verzögerung – Richtung Nordeuropa gelangen können.

Viele Baustellen

Der Österreicher Knaus, der die Grundpfeiler des Türkei-Deals aufstellte, nimmt die EU in die Pflicht. Die Politiker müssen Ankara drängen, vernünftige Asylverfahren durchzuführen, damit man Schutzsuchende ohne Bedenken in die Türkei zurückschicken könne. Aber auch Griechenland selbst ist eine Baustelle. Viele der Mitgliedstaaten der Union schicken weniger Mitarbeiter als angenommen in das Land, um sich um die Betreuung der Asylsuchenden zu kümmern.

Mittlerweile spitzt sich die Situation weiter zu. 14.000 Flüchtlinge leben derzeit auf Inseln in der Ägäis, obwohl diese nur für rund 7.000 Platz hätten. Aggressionen und Auseinandersetzungen in den überfüllten Lagern sind der traurige Alltag. Um dem entgegenzuwirken, planen die Inseln nun vermehrt Flüchtlinge ans Festland zu bringen.

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