Flüchtlingsdrama im Irak: 62.000 flohen aus IS-Hochburg

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Flüchtlingsdrama im Irak: 62.000 flohen aus IS-Hochburg

Nach dem Vormarsch von Regierungskräften ins Zentrum der westirakischen IS-Hochburg Falluja verschärft sich das Flüchtlingsdrama in der Region. In den vergangenen drei Tagen seien laut Schätzungen rund 30.000 Menschen aus der umkämpften Stadt geflohen, erklärte die Hilfsorganisation Norwegian Refugee Council (NRC) am Sonntag.

Lage ist außer Kontrolle


Die Gesamtzahl der Flüchtlinge habe sich damit innerhalb kurzer Zeit auf rund 62.000 verdoppelt. "Die Lage in den Camps gerät außer Kontrolle", sagte NRC-Sprecher Karl Schembri. Hilfsorganisationen hatten schon vor der neuen Massenbewegung gewarnt, sie hätten kaum noch Geld, um die notleidenden Menschen mit dem Nötigsten zu versorgen. Die Lage sei schlimm, erklärte der NRC. Tausende Menschen müssten unter freiem Himmel, in Lagern, Moscheen oder Schule schlafen. In den Flüchtlingslagern nahe Falluja warteten Hunderte Familien in "sengender Hitze" auf Zelte.

Der NRC hat nach eigenen Angaben noch Vorräte an Notfallrationen mit Nahrung und Trinkwasser für drei Tage. Die UN haben 2016 nach eigenen Angaben erst 31 Prozent des Geldes erhalten, das sie für die Versorgung von mehr als sieben Millionen Irakern in Not benötigen.

Irakische Regierungskräfte waren am Freitag rund vier Wochen nach Beginn der Offensive gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in das Zentrum Fallujas vorgedrungen. Iraks Regierungschef Haidar al-Abadi erklärte die Stadt danach für befreit. Die Kämpfe gehen jedoch weiter. In mehreren Viertel im Norden Fallujas gebe es noch "Terrornester", hieß es aus Sicherheitskreisen. Beide Seiten berichteten von Toten in den Reihen ihrer Gegner.

Flucht ist extrem gefährlich

Die Flucht aus Falluja sei nach wie vor extrem gefährlich, da die Menschen zu Fuß gehen müssten, erklärte der NRC. Sechs Menschen seien durch Sprengfallen ums Leben gekommen, ein Mann an Erschöpfung gestorben. Der NRC-Direktor für den Irak, Nasr Muflahi, rief Iraks Regierung und die internationale Gemeinschaft zum Handeln auf.

Die Armee erklärte zugleich, sie setze ihre Offensive in Richtung der nordirakischen Stadt Mosul fort. Demnach begann das Militär einen Angriff auf den Ort Al-Kajara rund 80 Kilometer südlich der letzten IS-Hochburg im Land. Kajara ist strategisch wichtig, weil hier eine Luftwaffenbasis liegt. Diese soll für die geplante Offensive auf Mosul genutzt werden.
 

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