Deutsche Kinder im Jemen wieder frei

Nach 11 Monaten

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Deutsche Kinder im Jemen wieder frei

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hat die Befreiung von zwei der fünf im Jemen verschleppten deutschen Geiseln bestätigt. "Wir sind erleichtert, dass es den saudi-arabischen Sicherheitskräften gelungen ist, zwei unserer fünf im Jemen verschleppten Landsleute zu befreien", sagte Westerwelle am Dienstag in Berlin. Die beiden Kinder sollten am Mittwoch nach Deutschland zurückkehren.

Kinder in gutem Zustand
Zuvor hatte die saudische Nachrichtenagentur SPA gemeldete, saudi-arabische Sicherheitskräfte hätten die Kinder an der Grenze zwischen dem Jemen und Saudi-Arabien in Empfang genommen. Der Sprecher des Innenministeriums in Riad, Mansur al-Turki, erklärte, dass der Gesundheitszustand der Kinder relativ gut sei. Die Mädchen befänden sich derzeit in einem Krankenhaus in Saudi-Arabien.

Die Befreiungsaktion fand in einem jemenitischen Dorf nahe der saudischen Grenze statt. Aus jemenitischen Stammeskreisen hieß es, über dem Bezirk Shadha in der Provinz Saada seien Apache-Hubschrauber der saudischen Sicherheitskräfte zu sehen gewesen.

Drittes Kind tot?
Das jüngste Kind der im Jemen entführten Familie aus dem deutschen Sachsen ist wahrscheinlich tot. "Wir müssen davon ausgehen, dass Simon nicht mehr lebt", sagte der Schwager des entführten Familienvaters, Reinhard Pötschke, am Dienstag der dpa. "Von den Eltern wissen wir nichts." Die Familie habe am Montag aus dem Auswärtigen Amt in Berlin die Nachricht erhalten, dass die beiden Mädchen befreit worden seien.

Erstes Aufatmen bei Angehörigen und Verwandten

"Ich könnte heulen vor Freude", gesteht Margit Barsch. Die Frau aus dem ostsächsischen Meschwitz kennt die im Jemen entführte fünfköpfige Familie gut. Sabine und Johannes Hentschel wohnten mit ihren drei kleinen Kindern direkt in der Nachbarschaft, wenn sie auf Urlaub in der Heimat waren. Die 53-Jährige sah die heute sechsjährige Lydia und ihre kleine Schwester Anna (4) aufwachsen. Die beiden Mädchen sind nun von einer saudischen Spezialeinheit befreit worden.

"Die Mädels lagen mir so am Herzen, sie waren so zierlich, so lieb", sagt die Nachbarin. Mit großer Erleichterung hat sie die Rettung der Kinder aufgenommen. Doch sie bangt auch, was mit dem Rest der Familie geschehen ist oder noch passieren wird. Als die Hentschels am 12. Juni 2009 verschleppt wurden, hatte Margit Barsch Geburtstag. Je näher das Datum rückt, desto häufiger muss sie jetzt daran denken. Für sie wäre es das schönste Geschenk, wenn die Nachbarn wieder wohlbehalten zurückkehren würden.

So emotional wie Nachbarin Barsch reagieren nicht alle Einwohner von Meschwitz und Lauske, wo die Eltern des entführten Mannes leben. Häufig hatten sich in den vergangenen Monaten Erfolgsmeldungen ins Gegenteil verkehrt. "Natürlich gab es Misstrauen. Es hieß so oft, die Familie würde schon bald wieder freikommen. Und dann hat sich das alles wieder zerschlagen", sagt Rentner Helmut Sowodniok. Seine Frau Anneliese ist die Patentante des 37 Jahre alten Johannes Hentschel.

"Ich bin noch nicht so erleichtert", räumt auch Anneliese Sowodniok ein. "Johannes war körperlich immer etwas zarter, aber psychisch umso robuster. Hoffentlich geht es weiter", sagt die Frau und richtet den Blick auf den noch im Jemen verbliebenen Rest der Familie. Überall im Ort ist die Anteilnahme groß. Zweimal in der Woche hatten Einwohner in der Kirche im nahe gelegenen Belgern Fürbitte für die Verschleppten gehalten. Auch Anneliese war oft mit der Mutter von Johannes dabei. "Der Glaube hält die Frau."

"Die Menschen hoffen immer, dass es sich zum Guten wendet", sagt Helmut Sowodniok und spricht damit aus, was viele Menschen in der Gegend bewegt. Der Bruder von Johannes, ein Kfz-Mechaniker aus Lauske, bleibt an diesem Tag eher still. Natürlich habe er die Nachricht erleichtert aufgenommen. In den Medien möchte er damit am liebsten aber gar nicht auftauchen, noch ist zu vieles ungewiss. Das Reden überlässt er lieber seinem Schwager.

Reinhard Pötschke agiert seit der Entführung als Sprecher der Familie. Der Pfarrer aus Radebeul beantwortet auch am Dienstag die vielen Anfragen. Jetzt richten sich die Sorgen vor allem auf die noch immer Vermissten. Für den fast zweijährigen Simon, das jüngste Kind der Familie, befürchten die Angehörigen das Schlimmste. "Wir dürfen nicht die Augen davor verschließen. Wenn nur zwei Kinder befreit worden sind, wo ist dann das dritte?"

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