George W. soll Jebs Wahlkampf retten

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George W. soll Jebs Wahlkampf retten

Es war ein denkbar schlechter Start. Manchmal hatte man den Eindruck, als wäre John Ellis Bush, genannt Jeb, lieber woanders als im US-Präsidentschaftsrennen. Linkisch kam Floridas Ex-Gouverneur rüber, die Arme oft steif herunterhängend, als fühlte er sich unwohl in der Haut. Lahm wirkte er, selten, dass sich seine Stimme mal vor Eifer oder Empörung überschlug.

Steigerung
Da erschien es schon fast lächerlich, das Rufzeichen hinter dem Namen Jeb im Wahlkampflogo, das doch Begeisterung implizieren sollte. Kein Wunder also, dass viele Medien und Analysten den 63-Jährigen schon vor Monaten für gescheitert erklärten, der "Boston Globe" schrieb, dass Bushs Wahlkampf dem Tod so nahe sei, "dass man ihm genauso gut ein Schild an den Zeh hängen kann".

Verfrühte Schwanengesänge? Seit seinem schlechten Abschneiden bei der ersten Vorwahl in Iowa Anfang Februar hat sich Jeb Bush bei Wahlkampfauftritten zunehmend gesteigert, an Energie zugelegt, in TV-Debatten der Republikaner-Bewerber gepunktet - vor allem durch wachsende Aggressivität gegen Spitzenreiter Donald Trump.

Hilfe vom großen Bruder
Bei der jüngsten Kandidatenkür in New Hampshire verfehlte Jeb knapp den dritten Platz, eine Art vorläufige Rettungsleine. Aber sie reicht nicht viel weiter als bis zur Vorwahl am nächsten Samstag in South Carolina. Da muss Jeb Bush es unbedingt in die Top drei schaffen. Und so setzt Bush nun auf die Hilfe eines Mannes, dessen Erbe ironischerweise seine Kampagne bisher vielleicht eher erschwert hat: seinen Bruder, den Ex-Präsidenten, der den Irak-Krieg begonnen hat.

George W. hat sich in den sieben Jahren seit dem Auszug aus dem Weißen Haus aus der aktuellen Politik herausgehalten. In Jebs Wahlkampf trat er nur in einem TV-Spot auf - bis Montagabend. Da standen die Geschwister in South Carolina umjubelt Seite an Seite, äußerte sich George W. stolz über seinen "großen kleinen Bruder", der mit seiner Erfahrung und seinem Charakter klar das beste Zeug zum Präsidenten habe.

Zu spät?
Angefeuert davon gab Jeb Bush die wohl bisher beste Rede seines Wahlkampfes - erneut gespickt mit Frontalangriffen gegen Trump. Aber ist es zu spät für Jeb?

Als er im Juni 2015 antrat, galt er als Favorit. Dann kam der Populist Trump, und alles wurde anders. Eine starke Strömung gegen das politische Establishment katapultierte den Multimilliardär an die Spitze des republikanischen Bewerberfeldes, später gefolgt vom erzkonservativen Ted Cruz, der für viele ebenfalls einfach "etwas anderes" repräsentiert.

"Ich bin mein eigener Mann"
Jeb Bush hatte nie einen Job in Washington. Aber sein Name - gleich Sohn und Bruder früherer Präsidenten - macht ihn zum Teil der "alten Garde". Irgendwie versuchte er sich von dieser Verbindung abzukoppeln, etwa indem er in seinem Logo nur seinen Vornamen benutzte. "Mein Gott, ich bin ein erwachsener Mensch. Ich bin mein eigener Mann", sagte er mehr als einmal.

Aber das half ihm im Wahlkampf nicht, außer einem riesigen Spenderpotenzial, auf das er sich dank seiner Familienverflechtungen stützen konnte. Und eigentlich, natürlich, ist er ja sehr stolz auf seinen Vater und Bruder - ein Zwiespalt, der sich in seiner anfänglichen Wahlkampf-Herumeierei in Sachen Irak-Krieg widerspiegelte.

Wunderwaffe Bruder
Jetzt, nachdem sich seine - wenn auch sehr vorsichtige - Distanz zur Familie nicht ausgezahlt hat, setzt Bush auf das Gegenteil. Sein Bruder soll zur Wunderwaffe werden. Der Gedanke dahinter ist klar. South Carolina ist "Bush Country", dieser Staat brachte vor 15 Jahren den Wahlkampf von George W. aus einem Tief, der Ex-Präsident ist hier weiterhin überaus beliebt.

Aber ob das seinem Bruder ein ausreichend gutes Ergebnis garantiert, ist nicht sicher. Und dann kommt Anfang März der Super Tuesday mit seinen zahlreichen Vorwahlen auf einen Schlag.

Zu liberal
Da könnte sein Nachname wieder zum Mühlstein werden - Jeb erfahren, dass jene, die eine Alternative zu den Extremen Trump und Cruz suchen, Marktschreier oder religiös-rechte Eiferer ablehnen, deshalb noch lange keinen dritten Bush im Weißen Haus wollen. Unabhängig von der Qualifikation.

Hinzu kommt, dass sich Bush gern als moderater Republikaner mit konservativen Prinzipien charakterisiert hat. Das ist vielen Republikanern zu liberal. Tatsächlich ist Bush konservativ, aber nicht im Sinne der Tea Party.

Konservativ mit demokratischem Einfluss
Er ist strikt gegen Abtreibung, Homo-Ehen, Steuererhöhungen und schärfere Waffengesetze, und er will im Fall eines Sieges Obamacare, die Gesundheitsreform, rückgängig machen. In seiner Zeit als Gouverneur (1999 bis 2007) wandte er sich auch gegen Quotenregeln zugunsten von Minderheiten bei der Zulassung etwa zu Hochschulen.

Aber im Bildungsbereich hat er sich für zentralisierte Standard-Lernziele eingesetzt - ein rotes Tuch für viele Konservative. Schlimmer noch: Im Streit um die Einwanderungsgesetze liegt Bush eher auf der Linie der Demokraten, will den illegalen Einwanderern langfristig ein Bleiberecht ermöglichen.

Gegensatz
Das ist ein krasser Gegensatz vor allem zu Trump, der gar meint, dass Mexiko seine Kriminellen über die Grenze schickt und Bush als "Verlierer", "strohdoof" und "energielos" bezeichnet hat. Aber, so hoffen jedenfalls der große und der kleine Bush: Schrill ist nicht gleich stark.

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